DIE ZEIT

Im Namen des Volkes?

In Berlin ist ein ehemaliger deutscher Richter von der Anklage des Mordes freigesprochen worden. Und dies deswegen, weil seine Erklärung, er habe die ihm zur Last gelegten Taten für Rechtens gehalten, nicht zu widerlegen war.

Olympisches Opfer?

Sollen 1972 die Olympischen Spiele in München stattfinden oder nicht? Bis zum 31. Dezember muß Bonn sich entscheiden. Willi Daume, der Präsident des Deutschen Sportbundes, will endlich eine klare Stellungnahme.

Ende der Anstandsfrist

Ist die Karenzzeit vorbei? Hundert Tage nach dem Einfall in die Tschechoslowakei gerät allenthalben im Westen der Vorsatz ins Wanken, den Kontakt mit den fünf östlichen Interventionsmächten auf das geschäftsmäßig notwendige Minimum zu beschränken.

Bär mit Flossen

Die Sowjets protestieren gegen die Schwarzmeerfahrt der amerikanischen Zerstörer Turner und Dyess. Es ist nicht mehr als eine Spazierfahrt, wie selbst die Prawda einräumt; und das Meerengenabkommen von Montreux verletzt sie technisch nicht.

Härte in Seoul

Seit anderthalb Jahren – seit der Entführung koreanischer Bürger aus der Bundesrepublik – hofft die Bundesregierung auf die Milde der südkoreanischen Richter.

ZEITSPIEGEL

Ein Massenhungern wollen Jugendgruppen und Studenten in der Woche vor Weihnachten in Bonn veranstalten. Mit Luftmatratzen, Schlafsäcken und Wolldecken können sich die Teilnehmer von diesem Freitag an im CVJM-Heim versammeln.

„...mein Zeichen soll bemerkt werden!“

Schmalgliedrig, leichtfüßig, zielstrebig geht er seinen Weg – die weite Strecke zwischen Gott und der Welt, das kurze Stück zwischen Tür und Stuhl, einem Sportler ähnlicher als einem Priester.

Ulbricht über Brzezinski

Der amerikanische Polit-Theoretiker Brzezinski, einst Berater Kennedys und Johnsons, jetzt Wahlkampfhelfer Humphreys, hat dies in seinem Buch mit kaum zu überbietender Deutlichkeit dargelegt.

Dubceks Balanceakt

Parteichef Dubček, der sich letztes Wochenende in Kiew nicht nur geographisch, sondern auch politisch auf halbem Wege mit der Moskauer Führungsspitze traf, hätte – wenn es nach manchen: Lageanalysen gegangen wäre – längst einem Schauprozeß zum Opfer fallen müssen.

Ulbricht treibt den Keil tiefer

Die Militär-Doktrin der DDR hat in der Bundesrepublik unlängst Aufsehen erregt – zuviel Aufsehen. Neben militärischen Fakten und Auffassungen brachte sie ja nicht eine Proklamation des Bruderkrieges, sondern nur die auch in Westdeutschland selbstverständliche Auffassung, daß im Falle eines Angriffes durch Deutsche aus einem anderen Teil Deutschlands die deutsche Sprache etwas an Bedeutung verlieren mag.

Wolf gang Ebert:: Reportage aus dem Schlamm-Stadion

Eben noch wälzte sich der Kampf unentschlossen hin und her – da ist. plötzlich die Hölle los! Jaeger, ein schlammschlachtenerprobter Mann, hat sich rechts durchgegewühlt und attackiert hart die Position des halblinken Verbindungsmannes der SPD, Heinemann.

Den Parteien ins Stammbuch

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachten viele Politiker das Urteil des Bundesverfassungsgerichts über die Parteienfinanzierung.

Unbehagen in Paris

Die Pariser Vorort-Universität Nanterre hat wieder einen Studentenkrawall erlebt; bei Renault wurde in drei Werken für einige Stunden gestreikt.

Beamte als Leihgabe

Neben der öffentlichen Finanzierung der Parteien aus den Kassen von Bund und Ländern gibt es für sie auch noch eine diskrete Finanzhilfe.

Schluß mit dem Wettrüsten ?

Selbst in den letzten Wochen seiner Amtszeit bemüht sich Präsident Lyndon Johnson noch immer, Verhandlungen mit der Sowjetunion über die Rüstungsbegrenzung strategischer Kernwaffen wenigstens einzuleiten.

Kotau vor Moskau

Das neue Programm der Kommunistischen Partei Frankreichs läßt kaum noch erkennen, daß die Prager Ereignisse zu ideologischen Meinungsverschiedenheiten zwischen Pariser und Moskauer Kommunisten geführt hatten.

Sowjetunion: Militäretat erhöht

Als Antwort auf die Erhöhung der Wehrausgaben in den NATO-Ländern beabsichtigt die Sowjetunion, ihr Verteidigungsbudget für 1969 um 4,5 Milliarden auf 79 Milliarden Mark zu erhöhen.

Namen der Woche

Hans-Joachim Rehse (65), der einst als Beisitzer im NS-Volksgerichtshof Roland Freislers an mindestens 231 Todesurteilen mitgewirkt hat, 1967 wegen Beihilfe zum Mord zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, wurde von einem Berliner Schwurgericht freigesprochen.

Italien: Koalition gekittet

Unter dem Eindruck blutiger Streiks und Unruhen, die vorige Woche Italien erschütterten, haben sich Christliche Demokraten, Nenni-Sozialisten und Republikaner sehr schnell über die Erneuerung der Mitte-Links-Koalition verständigt.

Durchbruch in Brüssel

Staatssekretär Lahr vom Bonner Auswärtigen Amt stellte fest: Nach langer Zeit sei dies wieder eine Tagung gewesen, auf der die Beratungen an keinem einzigen Punkt gescheitert seien.

Scranton: Frieden ist möglich

Die drei schweren Luftangriffe auf irakische Stellungen im Jordantal, mit denen sich die Israelis vorige Woche gegen arabische Provokationen zur Wehr setzten, haben die Lage im Nahen Osten verschärft.

Neuer Dialog mit Ostberlin

Der Überfall auf die ČSSR, an dem sich auch Truppen der DDR beteiligt hatten, schien die Hoffnung auf innerdeutsche Kontakte zwischen Bonn und Ostberlin auf lange Zeit hin zerstört zu haben: Das von Ulbricht zuvor angebotene Treffen zwischen den Wirtschaftsministern Sölle (SED) und Schiller (SPD) wurde nach dem 21.

Geheimtreffen in Kiew

Zum zweitenmal in vier Wochen reisten die Prager Parteiführer außer Landes, um sich auf einer Geheimkonferenz mit der sowjetischen Besatzungsmacht abzustimmen.

Steuergelder für die NPD

Der Zweite Senat des Bundesverfassungsgerichts hat die staatliche Parteienfinanzierung vorige Woche erneut gebilligt. Die Bonner Parteien dürfen sich auch fortan Wahlkampfgelder in Form von regelmäßigen Abschlagszahlungen bewilligen.

Von ZEIT zu ZEIT

Bei dem überraschend angesetzten sowjetisch – tschechoslowakischen Gipfeltreffen in Kiew wurden vornehmlich die akuten Prager Versorgungsschwierigkeiten besprochen.

Wenn Löffelholz kommt...

Die Geschichte fing harmlos an: Der Oberst im Bundesnachrichtendienst, Löffelholz, suchte im Herbst den Tübinger Professor Eschenburg auf, mit dem er zusammen, wie sich während der Unterhaltung herausstellte, vor vierzig Jahren an derselben Universität studiert hatte.

Alle Macht dem Huber?

Er konnte in den letzten Wochen und Monaten so gut wie nichts auf das Konto Image-Verbesserung verbuchen. Statt Beifalls- oder Sympathiekundgebungen gab es Stinkbomben (bei einer Podiumsdiskussion in München), Proteststreiks (der angehenden Lehrer in Augsburg) und Sprechchöre „Hu-Hu-Huber weg“ (bei einer Versammlung der Jungen Union in Regensburg).

Bummel über Tunnel

Die Bauzäune fielen, sechs Meter über dem normalen Straßenniveau erhob sich über dem alten Schloßplatz Stuttgarts jüngstes Bauwerk: der „Kleine Schloßplatz“ in Sichtbeton.

Bachmann vor Gericht

Dieser Prozeß hat es in sich: Der Angeklagte, der Attentäter Josef Bachmann, und sein Opfer, der SDS-Ideologe Rudi Dutschke, sind – jeder auf seine Weise – berühmt geworden, und die Tat hatte in Westberlin und der Bundesrepublik schwere Unruhen ausgelöst.

Rolle rückwärts im Rathaus

Da gab. es im Studentenparlament der Universität Hamburg nur eine einsame Gegenstimme; alle anderen, links wie rechts, erteilten dieser Resolution ihr Placet: „Die Ausbildung der Sportlehrer ist stark behindert durch überfüllte Kurse, fehlende Übungsmöglichkeiten und mangelhafte Lehrstätten.

Nur als Mensch

Eine Kleinstadt, die noch Stammtischformationen mit dem Apotheker, dem Advokaten, dem Arzt und dem ersten Geschäftsmann am Platze hervorbringt, hätte Walter Günther verlassen müssen.

Unzulänglichkeiten statt Strategie

Da erhält ein Komponist den Auftrag auf ein abendfüllendes Chorwerk für eine Funkproduktion, an die eine öffentliche Konzertveranstaltung angehängt wird.

Entführung aus den Heiligen Hallen

Während in der Mailänder Scala Tomaten flogen, ließ die Hamburger Jugend einen Gala-Abend ihrer Oper ungehindert passieren und konzentrierte sich auf den nächsten Abend mit Hans Werner Henze.

Ho-Ho-Ho-Tschi-Minh in Schönklang

Am 17. Juli 1816, vor sieben Uhr morgens, sichtete die Brigg „Argus“ das Floß der „Medusa“. Der Mulatte Jean-Charles, der – den Blick auf das rettende Schiff gerichtet – einen roten Fetzen geschwenkt hatte, lag in Agonie, als man ihn barg, und ist nicht mehr erwacht.

Was heißt „Aus den Hauptstädten der Welt“?

Die Auslandskulturberichterstattung ist eine Crux jeder Zeitung. Das wird schon deutlich, wenn man einmal das hier als Kürzel verwendete Wort „Auslandskulturberichterstattung“ in den kleinen grauen Zellen des Gehirns zergehen läßt.

Diskussion statt Vorlesung

Vierhundert Studenten haben in Köln Theaterwissenschaft belegt, die Hälfte studiert das Fach als Hauptfach; aber für den Lehrbetrieb stehen nur ein Ordinarius, ein bereits emeritierter Professor und zwei Assistenten zur Verfügung.

Kunst als Ware: Versäumte Solidarität

Es ist nicht meine Absicht, die Thesen der Berliner SDS-Gruppe „Kultur und Revolution“ über „Kunst als Ware der Bewußtseinsindustrie“ zu diskutieren, sie sind, wie Peter Handke nachgewiesen hat, undiskutabel.

Engländer müßte man sein

David Cornwell (Pseudonym: John le Carré) sieht in Wirklichkeit nicht so penetrant männlich-schön aus, wie er auf dem Umschlag seines Buches präsentiert wird.

Die Räuber als theatralisches Wagnis

Das Hamburger Schauspiel findet bis November 1969 vorwiegend in München statt. Während in Hamburg am Schauspielhaus ein „Interregnum“ herrscht, das mit der Vibach-Inszenierung der „Moral“ soeben zeigte, was „weiterwursteln“ am Theater heißt, konnte man am Residenztheater erleben, wie manche Münchner Hamburger Besucher neidvoll zu einer lokalen Premiere beglückwünschten.

Kurz und gut

Der neue Intendant Günther Penzoldt hatte eine fruchtbare Idee: Er schrieb einen Einakterwettbewerb aus, dessen beste Stücke in Baden-Baden uraufgeführt werden sollten.

Fernsehen: Eine Dokumentation auf einsamer Höhe

Es herrscht Ordnung in Berlin: Man hörte, vorgetragen im Tonfall eines märkischen Junkers, die Proklamation Gustav Noskes, man sah, auf Rednertribünen, Lenin den Radikalismus der äußersten Linken und Ulbricht die Irrlehren des Sozialfaschismus bekämpfen (Hitler triumphierte derweilen); das oft Gelesene gewann Anschaulichkeit: SA-Männer und Kommunisten standen, Streikposten im November 1932, freundlich nebeneinander; Thälmann grüßte Schalmeienkapellen und Windjackenträger.

Schöngeistiges Geld

Nun hat das Reden über Geld einen offenbar damit verbundenen Haken: Man mogelt gern dabei und rundet ein wenig nach unten oder oben ab, je nachdem.

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