Franz Josef Strauß hat dem Begriff "Konservatismus" eine neue Definition gegeben: "Konservativ heißt an der Spitze des Fortschritts marschieren", konstatierte er in einer hitzigen Diskussion auf dem CSU-Parteitag in München, der sich nicht darüber einigen konnte, ob man das Wort "konservativ" ins neue Grundsatzprogramm aufnehmen solle oder nicht. Strauß’ Rede machte die Bahn frei für einen Kompromiß: Im Programm heißt es nun, die CSU sei "auch eine konservative Kraft".

Vielen Parteimitgliedern war die Angst anzumerken, sie könnten sich durch ein Bekenntnis zum Konservatismus bei ihren Wählern verdächtig machen. Am Samstag hatte sogar das Plenum mit knapper Mehrheit beschlossen, das Wort ganz zu streichen. Die Programmkommission setzte es dann eigenmächtig wieder hinein.

Strauß gab den Delegierten zu bedenken, man sollte nicht den Aberglauben kultivieren, die Partei könne wegen dieser Formulierung auch nur einen einzigen Wähler gewinnen oder verlieren. Bundestagsvizepräsident Richard Jaeger sah es anders, er nannte auch hier die Dinge mutig beim Namen: "Wir sind in der Gefahr, Wähler nach rechts zu verlieren. Darum ist es taktisch klug, das Wort aufzunehmen."

Im Programm wird nicht gesagt, was die Partei außer "konservativ" sonst noch sei. Einige vom Arbeitnehmerflügel setzten durch, daß auch von der Mitbestimmung die Rede ist. Die Formulierung freilich fiel sehr vage aus: "Die CSU fördert eine Mitbestimmung, die verantwortliche Mitwirkung und Mitgestaltung der Arbeitnehmer in den Bereichen und Fragen des betrieblichen Lebens ermöglichen."

Kaum ein Wort verloren wurde über die von Bundesfinanzminister Strauß vorangetriebene Finanzreform. Der bayerische Ministerpräsident Goppel hatte zwar im Landtag sogar mit einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht gedroht, weil sich die Länder durch die in Bonn beschlossene Beseitigung des horizontalen Finanzausgleichs zwischen finanzstarken und -schwachen Ländern in ihren föderalen Rechten geschmälert fühlen. Strauß meinte jedoch, der Parteitag sei kein Forum für dieses Thema.

Mit der überwältigenden Mehrheit von 95,2 Prozent wurde Strauß in seinem Amt als Landesvorsitzender bestätigt. Eine Kampfabstimmung gab es bei der Wahl seines zweiten Stellvertreters. Der Minister für Bundesangelegenheiten, Heubl, hatte den bisherigen Amtsinhaber, Kultusminister Huber, dem viele Parteifreunde Ämterkumulation vorwerfen, herausgefordert. Mit der knappen Mehrheit von 53 Prozent entschied sich der Parteitag jedoch für Huber; die Stimmung war für ihn umgeschlagen, als draußen zweitausend Ingenieurstudenten gegen Hubers Kulturpolitik demonstrierten. Gastwirt Franz Xaver Unertl: "In dieser Situation kann man ihm nicht einfach den Stuhl unterm Hintern wegziehen."