Bis die braunen Machthaber ihn praktisch kaltstellten und ihn nur noch in „Notfällen“ zur Mitarbeit heranzogen, stand Dr. Paul Laven mit Dr. Bernhard Ernst ohne Zweifel an der Spitze der deutschen Rundfunksprecher in den Jahren zwischen den beiden Kriegen. Zu ihnen gesellte sich hie und da, wenn es ihm Spaß machte, Alfred Braun, der bislang noch von keinem erreicht wurde. Laven war ein Berichterstatter, der sehr gute Arbeit auch auf Gebieten leistete, auf denen er nicht so bewandert war. Bei Sportarten aber, die er beherrschte, bot er stets Großartiges. Daß man ihn nach dem Zusammenbruch des Jahres 1945 – wohl aus persönlichen Rankünen – unter dem Vorwande, er sei ein Freund der „Nazis“ gewesen (was nun ganz bestimmt nicht der Fall war), nicht wieder beschäftigte, ist eine der vielen Unbegreiflichkeiten dieser verworrenen Zeit, über die man besser schweigt. Paul Laven hätte sich bei seinem Grips und seinem Geschick gewiß bald auf den Geschmack der heutigen Sportjugend eingestellt und seinem Pathos, das früher fraglos etwas zu sehr ins Kraut schoß und auch heute bei seinen journalistischen Arbeiten noch hie und da aufklingt, Zügel angelegt. So müssen wir uns also bescheiden und können uns nur noch an seinen geistreichen und spritzigen literarischen Erzeugnissen erfreuen – sofern wir sie mal hie und dort in deutschen Zeitungen entdecken.

Nun liegt uns eine Auslese von Arbeiten vor, die wohl in den letzten Jahren erschienen sind, denn anders ist das soeben erschienene Buch „Fair play“ – Die schönsten Geschichten vom Sport (Limpert-Verlag, Frankfurt/Main, 240 S., 24,80 DM) nicht zu verstehen. Es nennt sich eine neue Folge, was doch nur heißen kann, das schon früher ein ähnliches Werk auf den Büchermarkt gekommen ist, das der Rezensent nicht kennt. So kann er keinen Vergleich ziehen, was aber auch nicht nötig ist. Jeder, der dieses Buch mit seinen vielen Berichten aus dem Sportleben der Völker liest, wird seine Freude daran haben. Bei den Alten und Älteren wird manche schöne Erinnerung wachgerufen an Sportereignisse, die einst, wie man zu sagen pflegt, die Gemüter bewegten: Irmgard v. Opels sensationeller Sieg auf ihrem Schimmel „Nanuk“ in einer Military-Prüfung (die schwerste reiterliche Konkurrenz überhaupt) zu Wien im Jahre 1933, die Laven uns in einem erdachten Selbstgespräch der Reiterin mit ihrem treuen Pferde schildert; Georg v. Opels (heute Präsident der Olympischen Gesellschaft) Triumph im Einer auf der englischen Royal-Henley-Regatta im Jahre 1933, als er in dem wohl schwersten Rennen seiner rudersportlichen Laufbahn die Diamond Sculls gewann; Gerhard Fieselers Weltmeisterschaftssieg im Juni 1934 im französischen Vincennes gegen die besten damaligen Kunstflieger; Heiner Stuhlfauths großartige Leistung als Torwart der deutschen Fußball-National-Elf im Turiner Spiel gegen die Italiener, in dem der Nürnberger auch die erbittertsten Angriffe des Gegners souverän abwehrte, so daß im Mai 1929 der bisher einzige Sieg über die Azzurri in Italien errungen wurde. Noch heute klingen in unseren Ohren die erregenden Worte, die Laven in einer meisterhaften Reportage ins Mikrophon – man muß schon sagen – schrie. Kabinettstücke nun auch die Erzählungen von heute über die großen Sportkämpfe von einst.

Es ist ein weites. Feld, das Laven beackert. Er plaudert vom Turnen, vom Tennis, vom Boxen, vom Skilauf, dem Automobilsport, eigentlich von allen Sportarten, er erzählt uns von seinen Erlebnissen in Japan, in der Mongolei, von olympischen Kämpfen vergangener Tage. Er schildert, wie sich die Athleten vorbereiten, wie sie sich nach Sieg oder Niederlage verhalten. Mit besonderem Interesse wird man seinen Bericht vom Sport in Maos rotchinesischem Reich lesen, nicht minder packend seine Betrachtungen über das Heranwachsen des Sports in Afrika. Der Verlag sagt nicht zuviel, wenn er behauptet, daß Paul Lavens neuestes Werk ein Buch ist, das nicht nur fesselnd zu lesen ist, sondern auch die große Spannweite des Sports über alle Erdteile hinweg sichtbar macht.

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Etwas Ähnliches haben drei Sportjournalisten des Hessischen Rundfunks herausgebracht. Heinz Eil, Erwin Dittberner und Joachim Böttcher nennen ihr Buch: Die Sportwelt hielt den Atem an (Verlag Weidlich, Frankfurt/Main). Wie man beim Lesen des Buches feststellt, bezieht sich das auf vierunddreißig Sportkämpfe, die einmal Schlagzeilen gemacht haben. In neuerer und in fern zurückliegender Zeit, die allerdings die Verfasser wohl kaum selbst wissend miterlebt haben, denn (um nur zwei Beispiele zu nennen) als Charles Lindbergh 1927 als erster den Ozean von New York nach Paris überflog, war der Mann, der uns heute davon berichtet, gerade zwei Jahre alt, während sein Mitautor, der von Max Schmelings Sieg über Joe Louis im Juni 1936 in New York plaudert, damals acht Jahre zählte und wohl kaum in jener erregenden Nacht am Rundfunkgerät gesessen haben dürfte. Insofern sind Lavens Berichte ursprünglicher, jedoch soll das kein abwertendes Urteil über das Buch der hessischen Dreier-Mannschaft sein. Es ist alles gut nacherzählt, und was selbst erlebt ist, wird packend geschildert und gibt dem Leser einen lebendigen Einblick in die prickelnde Luft sportlicher Dynamik.

Man kann das an Vergleichen feststellen, denn die Hessen wählten einige Themen, die auch Laven uns anbietet wie unter anderen: Die Fußball-Weltmeisterschaft 1954 mit dem deutschen Sieg; des Skiläufers Georg Thomas Olympiatriumph am McKinney Creek bei Squaw Valley 1960; Harbigs Weltrekord über 800 Meter im Jahre 1939 zu Mailand, über den Laven seinerzeit auch im Funk berichtete, während der dritte Mann der schriftstellernden Hessengruppe wohl nur vom Hörensagen erzählt; eine Abhandlung über Jim Clark, den verwegenen Automobilrennfahrer, und auch ein Porträt von Josef Neckermann, unseren blendenden Dressurreiter.

Auch hier darf man dem Verlag recht geben, wenn er meint, daß dieses Buch sowohl der sportbegeisterten Jugend wie auch dem anspruchsvollen älteren Leser etwas bietet.

Und schließlich noch eine Art sportlicher chronique scandaleuse, in der Uns Fred Erich Uetrecht von Sportsleuten erzählt, die ihre Weltmeistertitel und ihre Olympia-Medaillen in klingendes Gold umsetzen, indem sie vom Sport zum Schaugeschäft überwechselten: Aus Gold mach Geld (Verlag Die Fünf, München). Wer Spaß an Ärgernissen, Aufsehen und Lärm hat, soll das Büchlein lesen, es ist manches recht amüsant. Auch, wie uns scheint, gewagt. Was uns zum Beispiel über Sonja Henie (jetzige Frau Onslad), zehnfache Weltmeisterin und dreifache Olympiasiegerin im Eiskunstlauf, und vor allem von ihrem Vater und seinen angeblichen höchst anrüchigen Machenschaften zugunsten seiner Tochter aufgetischt wird, halten wir aus alter und intimer Bekanntschaft mit Vater und Tochter Henie so lange für nicht wahr, bis uns das Gegenteil an Hand überzeugender Unterlagen bewiesen wird. Hoffentlich bekommt der Autor keine Beleidigungsklage.