DIE ZEIT

Nun doch Berlin

Berlin oder nicht Berlin? Das Hin und Her um den Ort der Bundespräsidentenwahl zog sich endlos hin. Es war nicht einmal klar, was nun eigentlich auf Januar verschoben worden war: die Verkündung der Entscheidung oder die Entscheidung selbst.

Husseins Plan

Kaum hatten sich die Rauchschleier des letzten israelischen Vergeltungsschlages gegen Jordanien verzogen, da wurde aus Amman gemeldet: König Hussein sei zu einem Ausgleich mit den Juden bereit.

Was tun mit der NPD?

Nach den ersten Paukenschlägen der rechtsradikalen NPD schworen die führenden Männer des Bundestags, sie würden einen leidenschaftlichen Kampf gegen die Partei des häßlichen Deutschen führen.

Abwerbung im Seminar

Der Bundesnachrichtendienst hat sich ins Gerede gebracht – durch die Methoden seiner Mitarbeiterwerbung an den Universitäten.

Mehr Macht für Bonn

Der Föderalismus in der Bundesrepublik steckt in einer Krise. Noch nie sind seine Vertreter so oft und so hart angegriffen worden wie in den letzten Monaten.

Nachtflüge in den Kessel

Die Hilfe für das hungernde Biafra – Bericht von der portugiesischen Insel Sao Tomé

Amerikas neue Regenten

Der neugewählte Präsident Richard Nixon hat in einem Akt gelungener Fernseh-Showmanship auf einen Hieb sein neues Kabinett vorgestellt.

ZEITSPIEGEL

Während immer noch zu befürchten ist, daß die Regierung der DDR dem Physiker Robert Havemann und dem Dichter Wolf Biermann doch noch den Prozeß macht, will die Westberliner Staatsanwaltschaft Biermanns Verleger Klaus Wagenbach an den Kragen.

Hungern für Biafra

Die Folgen der Hungerblockade gegen Biafra sind noch unerträglicher geworden. Während sich die Bürger der Bundesrepublik auf ein von materiellen Sorgen ungetrübtes Weihnachtsfest vorbereiten dürfen, werden allein im Dezember nach Schätzungen der UNICEF 750 000 Biafraner den Hungertod sterben.

„Vorbeugehaft“ – ein Anschlag auf das Recht

Die Analyse der amerikanischen Präsidentenwahl durch die deutschen Wahlkampfexperten hat offenbar ergeben, daß die Parolen „Kampf dem Verbrechen“ und „Sicherheit und Ordnung“, mit denen Nixon seinen Wahlkampf geführt hat, Erfolg versprechen.

Zerfall bei Euratom

Der Ruf nach größeren Anstrengungen für eine gemeinsame europäische technologische Zusammenarbeit ist zu einer ebenso gängigen wie beschwörenden Formel europäischer Politiker geworden.

Scheu vor der Macht

Manche sahen in ihm einmal den Nachfolger Konrad Adenauers als Parteivorsitzender der CDU. Wie Josef Hermann Dufhues damals das höchste Parteiamt ausschlug, so gibt er jetzt eine Aufgabe aus der Hand, die ihm noch einmal die Möglichkeit eröffnete, politisch nach vorn zu kommen.

Antrag im Januar?

Wann der Innenminister den Antrag auf Verbot der NPD in Karlsruhe stellen wird, ist noch ungewiß; vermutlich wird es nicht vor Mitte Januar sein.

Linke Mitte, zweiter Teil

Nach den turbulenten Ereignissen der letzten Wochen hat in Italien eine neue Regierung die Amtsgeschäfte aufgenommen. Ihre Bildung stand im Zeichen der Rekordzahlen: 26 Minister, 56 Staatssekretäre.

Nachwuchswerbung für Pullach?

Prof. Dr. Theodor Eschenburg ist Direktor des Seminars für wissenschaftliche Politik an der Eberhard-Karls-Universität, Tübingen.

Die Universität muß sich wehren

Ich gehe davon aus, daß die Arbeit des BND legal ist und auch prinzipiell legitim, daß diese Arbeit jedoch bei einer rechten Interessenabwägung auch zu einer illegitimen werden kann.

Die Verquickung schadet nur

„Mit seinen Versuchen, Führungskräfte zu gewinnen – bei denen immer wieder der Eindruck entstanden ist, daß die Angeworbenen auch neben ihrer eigentlichen Tätigkeit Informationen an den BND liefern sollten – stellt der BND die Grundnotwendigkeiten wissenschaftlichen Arbeit in Frage und greift direkt in den Wissenschaftsbetrieb ein.

Namen der Woche

Hubert Humphrey, der bei der Präsidentenwahl im November als Kandidat der Demokraten gegen Richard Nixon unterlag, hat Professuren am Macalester College in St.

Pause in Biafra?

Die britische Regierung bemühte sich am Wochenbeginn, zu Weihnachten in Biafra eine Feuerpause zustande zu bringen, die dann in einen dauerhaften Waffenstillstand einmünden könnte.

Prager Proteststürme

Die Besorgnis vieler Tschechen und Slowaken, der populäre Reformpolitiker Josef Smrkovsky, dem die Sowjets in letzter Zeit die kalte Schulter zeigten, könne kaltgestellt werden, äußerte sich in Proteststürmen der Arbeiter, Studenten und Kulturschaffenden.

Tischgespräche und Stühlerücken

Nur noch wenige Zentimeter waren am Wochenanfang die vier Delegationen bei den Pariser Vietnam-Gesprächen von einer Einigung über- die Verfahrens- und Statusfragen entfernt.

Barrikaden in Paris

Zum erstenmal seit den Mai-Unruhen haben demonstrierende Studenten in Paris auf den Straßen zur Sorbonne wieder Barrikaden gegen die Polizei errichtet.

CSU als „konservative Kraft“

Franz Josef Strauß hat dem Begriff „Konservatismus“ eine neue Definition gegeben: „Konservativ heißt an der Spitze des Fortschritts marschieren“, konstatierte er in einer hitzigen Diskussion auf dem CSU-Parteitag in München, der sich nicht darüber einigen konnte, ob man das Wort „konservativ“ ins neue Grundsatzprogramm aufnehmen solle oder nicht.

Venezuela:: Astronautas

Eine Woche nach der Präsidentenwahl in Venezuela stand der Sieger fest: Mit einem Vorsprung von 31 000 Stimmen wurde der Kandidat der Christlich-Sozialen ’COPEI, Caldera, gewählt.

Brasilien:: Militärdiktatur

Brasilien hat seit Samstag die härteste Diktatur in Lateinamerika. Das seit 1964 herrschende Militärregime ließ seine demokratische Maske fallen: Unter dem Druck einer „harten“ Gruppe, die von General Sarmento, dem Armeeoberbefehlshaber in Rio, angeführt wird, verkündete Präsident Costa e Silva den Ausnahmezustand, schickte das Parlament nach Hause, ließ Oppositionelle verhaften und die Presse, ja sogar die ausländischen Korrespondenten, unter Zensur stellen.

Von ZEIT zu ZEIT

Durch einen „Putsch von oben“ riß in Brasilien Präsident Arthur da Costa e Silva auf Drängen der Armee die Alleinherrschaft im Lande an sich.

Kein Veto gegen Berlin

In Bonn hub am Wochenende ein großes Rätselraten an: Bundestagspräsident Gerstenmaier hatte überraschend und unerwartet noch einmal die Entscheidung darüber vertagt, ob der neue Bundespräsident in Berlin gewählt werden soll.

Guayana:: Jagan unterlegen

Die Regierungen in Washington und London können aufatmen: die ersten Wahlen seit der Unabhängigkeitserklärung des südamerikanischen Staates Guayana, einer von Negern und Indern bewohnten ehemals britischen Kolonie, endeten mit einem Sieg der sozialistischen Partei „Nationaler Volkskongreß“ des prowestlichen, schwarzen Ministerpräsidenten Forbes Burnham.

Unsere kleinen Nachbarn (VI): Luxemburg: Europas winziges Paradies

Norbert Jacques, unser lieber Freund, pflegte zu sagen: „Es ist nicht einfach, Luxemburger zu sein. Luxemburg – das ist Paradies und Ziel des Heimwehs; Luxemburg – das ist ein Land, dem die Geschichte Wunden schlug, die schlecht vernarbt sind, und jeder Luxemburger trägt sie herum.

Zum Unbekanntsein verdammt

Der bekannte sowjetische Schriftsteller Alexander Solschenizyn hat am 11. Dezember seinen 50. Geburtstag gefeiert. An diesem Tage entstand das obige Bild, das ihn zum erstenmal mit Bart zeigt.

Rund um St. Pauli: Im Jahre 2000...

Herbert Krischker, der Wirt von der "Domschenke" in der Budapester Straße, hatte seine Lederpantoffeln mit Goldspray bespritzt und richtete die Sprühdose im Hinterzimmer auf seine alten Bilderrahmen, aber er war noch nicht betrunken genug, sonst hätte er seinen Stoppelbart vergoldet.

Apo in der Bundeswehr

Der Abend verlief nicht ganz programmgemäß. Zunächst war der ehemalige Bundeswehrchef und jetzige Bundesfinanzminister Strauß zu spät zu einer Vortragsveranstaltung der niedersächsischen Arbeitgeber gekommen, bei der natürlich auch der General nicht fehlen durfte – wie üblich begrüßt als „Wehrmacht“, quittiert mit dem obligaten Lächeln des Verständnisses für einen allzu menschlichen Lapsus.

O Tannenbaum...

Alle Jahre wieder erleben Förster und Forstgehilfen eine ungewollte Hochsaison zur Weihnachtszeit. Biedere Familienväter und gewiefte „Leichtverdiener“ suchen sich in der Natur, was in den Städten zwischen fünf und fünfundzwanzig Mark kostet: den Tannenbaum fürs traute Heim.

Die Großtat fällt aus

Sieben lange Jahre hat man sich Zeit gelassen; seit dem Sommer dieses Jahres eilt es auf einmal mit dem Bauprojekt Steilshoop: Der Hamburger Bausenator will 1969 so viele Wohnungen wie irgend möglich im Bau haben, denn es ist Wahljahr.

Barbusig vor der Barriere

Justitia, die aus Gründen irdischer Gerechtigkeit ihre Augen auch dann geschlossen hält, wenn sie mit Waage, Ölzweig und Füllhorn hantiert, blickte vorige Woche während ihrer Arbeit neugierig auf, was ihre Hamburger Geschlechtsgenossinnen denn wohl zu bieten hätten.

Eine neue Kunst

Lohnt es sich, dem Wirbel um Joseph Beuys Beachtung zu schenken und ihn womöglich noch zu verstärken? Es lohnt sich. Aus vielen Gründen.

Theater:: Charleys neue Tunte

Aus England werden so viele neue Autoren in die deutschen Theater eingeschleust, daß man hierzulande vor Neid auf Britanniens Überfluß an Dramatikern erblassen könnte.

Die Akademie ist keine Kirche

Der Streit um Professor Beuys ist drei Wochen lang hochgespielt worden. Nach dem heftigen Schlagwechsel der Beuys-Bewunderer und Beuys-Gegner, in dem als Kompensation für die erlittene Kritik die führende Rolle von Professor Beuys bei der Verallgemeinerung der Kunst gebührend herausgestellt worden ist, kommt es jetzt darauf an, der Institution, der auch Professor Beuys anzugehören wünscht, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

Kein Fall für mich

Der Fall Beuys ist kein Fall, vielmehr ist er eine elende Geschichte vom grotesken Eifer schneller Skribenten, mangelhaft und einseitig informiert, zu eilig, zu schwärmend, zu viel Trompete, zu viel auf die Pauke.

Die Diskussion über "Kunst als Ware", die von denen, die sie ausgelöst haben, so offenbar nicht gewollt wurde, geht weiter: Zur Geschäftsordnung

Zum erstenmal schreibe ich ein paar Sätze zu der Diskussion über "Kunst als Ware", die dadurch ausgelöst wurde, daß Christian Deutschmann, einer Aufforderung von mir folgend, im Namen der Berliner SDS-Projektgruppe "Kultur und Revolution" und zusammen mit dem einen oder anderen seiner Genossen aufschrieb, wie sich die Gruppe die Rolle der Kultur vorstellt, vor, in und nach jener Revolution, um die es ihr geht.

Kunst als Ware: Tod der Kritik, gutbürgerlich

Aus dem neuen Kursbuch fällt uns der Tod an. Aus dem Band selbst fällt ein Blatt, das aussieht wie Luchterhands Lose-Blatt-Lyrik, nur feiner das Papier, seidiger, brauner – mehr für Haikus bestimmt.

Kunstkalender

Worpsweder Phantastik, Spuk im Teufelsmoor. Nackte Jungbäurin, bekleidete Milchkannen, Skelette, die im Boden wühlen. Pit Morell fixiert ländliche Trivialerlebnisse in dem Augenblick, wo sie aus der Realität herauskippen.

FILMTIPS

„Chronik der Anna Magdalena Bach“, von Jean-Marie Straub. Immer wieder angekündigt, immer wieder verschoben: die Premiere dieses schönen Films, der es nicht verdient hat, daß seine Produzenten, die sich genug blamiert haben, nun auch noch auf ihm sitzen bleiben und sich immer neue krumme Touren einfallen lassen.

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