Beim Testen eines Arzneimittels gegen Krebskrankheit machten Mediziner des amerikanischen Nationalen Krebsforschungsinstituts eine Entdeckung, die jetzt ihre Kollegen aus der Landwirtschaft beschäftigt: Die Testsubstanz ermöglicht es, Schafe zu scheren, ohne daß es dazu einer Schere bedarf.

Die Mediziner beobachteten nämlich, daß die Versuchstiere, unter denen sich auch Schafe befanden, nach Einnahme des Anti-Krebsmittels Haare verloren. Die nähere Untersuchung dieser Erscheinung ergab, daß die Testsubstanz das Wachstum der Haare in der sogenannten Haarzwiebel unter der Haut beeinträchtigt. Am Haar bildet sich eine ringförmige Einschnürung.

In dem Maße, wie das Haar weiterwächst, gelangt die Einschnürung langsam nach oben. Sechs bis sieben Tage nach Einnahme der Testsubstanz liegt sie unmittelbar unter der Hautoberfläche. Zu diesem Zeitpunkt nun brechen die Wollhaare der Schafe so leicht ab, daß sich das ganze Vlies ohne besondere Mühe in einem Stück abziehen läßt.

Für die chemische Schafschur sind nicht, wie für herkömmliches Scheren, hochbezahlte Spezialisten erforderlich. Amerikanische Landwirtschaftswissenschaftler errechneten daher beträchtliche Kostenersparnis.

Noch ist die chemische Schafschur freilich nicht praxisreif. Zuvor müssen wichtige Fragen geklärt werden: wie sich die Schersubstanz, deren chemische Natur bisher nicht enthüllt wurde, auf die Gesundheit und das Wachstum der Schafe auswirkt, und ob die Qualität der Wolle auch nicht beeinträchtigt wird. Schließlich auch: ob nicht im Fleisch der Tiere Rückstände bleiben, die den Verzehr durch Menschen bedenklich erscheinen lassen. E. L.