Durch Lautsprecher wird angesagt, daß Flugkörper von einem anderen Planeten auf der Erde gelandet sind, daß diese Globolinks schon weite Teile des Landes kontrollieren. Äußerste Vorsicht ist geboten: Jede Berührung mit ihnen beraubt die Menschen der Sprache und verwandelt die Betroffenen ebenfalls in Globolinks. Nach den Bildideen Schöffers und des Choreographen Alwin Nikolais zu schließen, besteht die interplanetarische Invasion aus drei Abteilungen: zunächst aus beweglichen Metalltürmen, deren rotierende Spiegel (anzusehen wie Notenköpfe) fluktuierende, abstrakte, farbige Gebilde durch den Raum senden. Als Personen erscheinen die Globolinks dann teils in gesichtsloser, menschenähnlicher Gestalt, deren Rücken riesige, farbige Antennen entspringen, teils wie wabbelige, wandernde Baumkuchen mit Biedermeier-Zylinder.

Eine zweite Radiodurchsage macht bekannt, daß die Ankömmlinge geräuschempfindlich sind und durch Musik vertrieben werden können. Damit setzt der eigentliche Menotti ein. Hatte er sich während der Globolink-Introduktion elektronischer Klang- und Geräuscheffekte bedient, so beginnt er jetzt die parodistisch gewürzte Dur-Moll-Story von einer amerikanischen Schulklasse, deren musikfeindlichen Direktor in einen Globolink verwandelt wird, während Lehrer und Kinder sich der Aggression durch Musizieren erwehren. Dem deutschen Musikrat dürfte es behagen, wie eine zwar komisch, aber pointiert gezeichnete (von Arlene Saunders virtuos ausgespielte) Musiklehrerin die falche Unterschätzung ihres Fachs den Kollegen bewußt werden läßt.

Obwohl Menotti an ein Motiv des Orpheus-Mythos anknüpft – die Besänftigung böser Gewalten durch Gesang – schrieb er keine Zaubermusik, sondern hangelte sich von Effekt zu Effekt: Der Vielerfahrene kann schier alles, nur nichts ganz Eigenes.

Inniger, wenngleich rührselig, ging es in dem einleitenden Weihnachtsspiel „Amahl und die nächtlichen Besucher“ zu. Die- nach Bethlehem wandernden Heiligen Drei Könige begehren kurze Nachtruhe in einer ärmlichen Hütte. Amahl, der an einer Krücke humpelnde Junge, wird nach einem Versuch seiner Mutter, etwas vom Golde der schlafenden Könige zu stehlen, durch das Opfer, seine Krücke dem Jesuskind zu schenken, geheilt.

In diesem Einakter hält der Komponist eine wiegenliedartige Streichermelodie vielfältig durch, schafft musikalischen Kontrast durch eine Flötenmelodie des Hirtenknaben Amahl und entwickelt über melodiöse Rezitative kleine und größere Gesangsensembles, die sowohl durch italienische Kantabilität wie durch leicht komische Pointierung wirken. Wenn auch noch Nah- und Fernchöre ins Spiel gezogen werden, dann freilich meldet sich in der versiert traditionellen Partitur der Verismo von Mascagni bis d’Albert. Unter der musikalischen Leitung von Matthias Kuntzsch gab es eine naive Gemüter bewegende, wiederholt von Szenenapplaus unterbrochene Bühnenaufführung. Ein Glücksfall neben den erfahrenen Operisten der Amahl: Ein Knabensopran, der das Haus stimmlich (wenn auch mittels Tonverstärkung durch eine unsichtbare Apparatur) ebenso entzückte wie durch sein Spieltalent. Johannes Jacobi