Auf die Frage, warum es am Rhein so schön sein soll, wissen viele Kraftfahrer schon lange nicht mehr die rechte Antwort. Auch außerhalb der Saison und an ganz normalen Tagen fließt der Verkehr oft zähe. Die Stauungen gehören ebenso zum Landschaftsbild wie die Rebhügel. In Bad Godesberg, dem ersten einer ganzen Reihe von Engpässen, wenn man von Koblenz kommt, wird zur Zeit etwas Luft geschaffen. Einige Kilometer westlich der Diplomatenstadt wird in der Eifel an der neuen linksrheinischen Autobahn gebaut. 1975 soll sie fertig sein. Zu diesem Zeitpunkt – so hoffen wenigstens die Planer – wird dann auch der Verkehr auf der unfallträchtigen linksrheinischen Bundesstraße 9 wieder zügiger fließen.

Von der wichtigsten Verkehrsader im Rheingebiet, der rechtsrheinischen Autobahn Köln–Frankfurt, weichen zur Urlaubszeit viele Autofahrer nicht nur wegen der Überfüllung, sondern vor allem wegen der Fahrt mit Rheinblick gern ab. Wollen sie nicht zur beliebteren B 9 übersetzen, so können sie die Bundesstraße 42 benutzen, aber auch auf ihr kommt man nur auf kurzen Strecken glatt vorwärts.

Die Planungen, zumindest zwischen Beuel und Bad Honnef eine vierspurige Verbindung zu schaffen, reichen sehr weit zurück. Fertig wurde bisher nur das Stück Bad Honnef–Königswinter, der Ausbau der restlichen Strecke scheiterte immer wieder im Paragraphengewirr der Planfeststellungsverfahren. Allein etwa 1000 Einsprüche – so verlautet es aus Bonn – habe es zum Ausbauplan der B 42 gegeben.

Es gilt als ein offenes Geheimnis, daß besonders Regierungsbeamte der höheren Laufbahn, Hausbesitzer in der Nähe der geplanten Straße, dem Projekt bisher keine Chance ließen. Sogar das Grundgesetz wurde von den meist juristisch versierten Gegnern einer verkehrsgerechten Bundesstraße 42 strapaziert.

Viele Urlauber aus dem Norden, aus Belgien und Holland wollen auf ihrer Fahrt nach Süden zumindest einmal am Bundeshaus vorbeifahren und erhöhen das Chaos. Da ein Stück B 9, die vierspurige „Diplomatenrennstrecke“, in Bad Godesberg jäh in einen rechtwinkligen Knick unter einer Bahnüberführung endet und dann in eine zweispurige Fahrbahn übergeht, werden in der Hochsaison oft ganztägig Rush-hour-Verhältnisse erreicht. Ergebnis einer Zählung: 1968 wurde am Engpaß ein Schnitt von über 20 000 Fahrzeugen täglich registriert, die Spitze lag bei über 20 000 in nur 13 Stunden. Die derzeitige Ausbauphase wird die Milderung des Knicks und die vierspurige Durchfahrt durch Bad Godesberg bringen.

Die Straßenplaner von Rheinland-Pfalz, die bereits gute zehn Kilometer weiter südlich für die Bundesstraße 9 zuständig sind, haben noch mehr Sorgen. Auch sie wollen schnellstens auf vier Spuren ausbauen, doch werden sie sich noch mehr mit Kompromissen abzufinden haben. Wollten sie die Straße kreuzungsfrei durch Rolandseck und Rolandswerth führen, dann müßten, nach einer Formulierung der Straßenverwaltung in Koblenz, die Orte abgerissen werden. Die Lösung: zwar vier Spuren, aber Ampeln in den Orten. In Bad Niederbreisig wird an eine Straße am Hang gedacht, doch gibt es dort seit geraumer Zeit Neubauten, und somit ist Ärger mit den Besitzern zu erwarten. Eine der größten Verkehrsfallen, die durch überhängende Felsen sogar die Begegnung von zwei Lastkraftwagen hemmende nördliche Ortseinfahrt von Remagen, muß durch eine Radikallösung erweitert werden: Die Gleise der Bundesbahn sollen zum Rhein hin versetzt werden, um für die Straße Platz zu machen.

Ein kühner und recht teurer Vorschlag zur Lösung der Verkehrsmisere an Deutschlands Strom, den besonders eifrig FDP-Politiker aus Rheinland-Pfalz angepriesen hatten, wurde inzwischen zu den Akten gelegt. Er sah eine Art Zickzacklösung vor. Die schnelle Verbindung von Bonn nach Koblenz sollte an drei Stellen von der linken auf die rechte Rheinseite überwechseln, das hätte die streckenweise Verschmelzung der Bundesstraßen 9 und 42 bedeutet. Jede der drei erforderlichen Brücken hätte gut 20 Millionen Mark gekostet, das Gesamtprojekt zwischen 300 und 400 Millionen.

Eine wirkliche Entlastung des Fernverkehrs wird aber erst die neue „linksrheinische Autobahn“ bringen, die sich streckenweise in der Eifel im Bau befindet. Die Straße wird um Koblenz in Richtung Mainz verlaufen. Die Mosel soll bei Winningen überquert werden. Kurt Trettner