DIE ZEIT

Antwort an Sacharow

Im August des vergangenen Jahres haben wir die Gedanken des siebenundvierzigjährigen sowjetischen Atomforschers A. D. Sacharow veröffentlicht, weil wir sein Memorandum für das aufregendste Dokument hielten, das seit dem Beginn der Entstalinisierung, also seit Chruschtschows epochaler Rede auf dem XX.

Das levantinische Pulverfaß

Noch hat sich die Unruhe im Nahen Osten nicht zu neuem Kriegslärm verdichtet. Auch ist schwer zu sehen, wer eigentlich ein Interesse daran haben könnte, den Konflikt abermals anzuheizen.

Matter Paukenschlag

Der FDP-Vorsitzende Walter Scheel hat kräftig auf die Pauke gehauen, als er auf dem Dreikönigstreffen der südwestdeutschen Liberalen den Wahlkampf eröffnete.

Wohlstand minus Freiheit

Das neue Jahr pflegt der Staatsratsvorsitzende der DDR, Walter Ulbricht, stets mit einer programmatischen Silvesterrede einzuleiten.

ZEITSPIEGEL

"Der CDU und SPD geht es in erster Linie doch offenbar darum, der Öffentlichkeit ihr Großkoalitionsgebilde, diesen wässrigen, kraftlosen Eintopf ohne Salz und Pfeffer, möglichst lange als Nationalgericht anbieten zu können.

Der nüchterne Revolutionär

Es war am Morgen des 27. August 1968. In Prag konnte man die Nachricht noch nicht glauben, daß die Parteiführer lebend aus Moskau zurückgekehrt seien.

Einheit oder Spaltung?

Es hat wenig mit marxistischer, viel aber mit geschichtlicher Dialektik zu tun, daß Tschechen und Slowaken gerade jetzt, da sie vom Schlag des August enger aneinandergeschmiedet sind, im gemeinsamen Staat auseinanderrücken: Der Umbau der Tschechoslowakei zur Föderation von zwei Bundesländern, der seit dem 1.

Sacharows Thesen

Niemand weiß, auf welche Weise Sacharows Memorandum an die Öffentlichkeit gelangte: es kursierte im vergangenen Sommer im "Untergrund" in Moskau, und ein Exemplargelangte zur New York Times, die es am 22.

Wider die Mauer der Macht

Die Überlegungen, die A. D. Sacharow der Koexistenz und der Freiheit widmet, sind ein Dokument von großer Tragweite. Dieser! Bericht vor Augen, sieht man die Tiefgründigkeit und Glaubwürdigkeit des intellektuellen Lebens im heutigen Rußland.

London: Tendenz: pro-arabisch

Im Herzen glaubt jeder britische Diplomat, keiner seiner ausländischen Kollegen kenne den Nahen Osten so gut wie er. Aber er weiß auch, daß alle seine Kollegen, ob sie in Washington, Paris oder Moskau sitzen, gelassener, weil weniger ohnmächtig dem Fortdauern der Spannungen zusehen kann als er selbst.

Paris: In Moskaus Kielwasser

Niemand ist nach dem Überfall von Beirut so schnell zu einem großen außenpolitischen Manöver gestartet wie General de Gaulle.

Moskau: Auch der Kreml stöhnt

Ob die Sowjetunion einen wirklichen Frieden im Nahen Osten wolle oder nicht – diese Frage wird meist eher mit moralischen denn mit politischem Akzent gestellt.

Uneins – aber doch Familie

Achtundzwanzig Mitglieder hat das Commonwealth, das es neuerdings vorzieht, den Zusatz "britisch" wegzulassen. Nichts fiele leichter, als diesen Staaten nachzuweisen, wie verschieden sie sind in ihrer geographischen Interessenlage, ihrer Regierungsform, ihrer ideologischen Ausrichtung, ihrem Reichtum oder ihrer Armut und daß es eine Hochstapelei sei, das alles unter irgendeinem Oberbegriff zusammenzufassen.

Wolfgang Ebert:: Noch einmal: 1968

Verleger des Jahres: Dr. Wolfdreher. Kam beim Rennen um die Pariser Mai-Revolution mit seinem Bildband "Jeanne d’Arc 1968" in neun Tagen auf den Markt und belegte einen guten zweiten Platz.

Die "Soldaten" im Sperrfeuer

Wild fuchtelt der Fernsehmoderator mit beiden Händen, als wolle er seine Gesprächspartner vom Podium fegen. Dann bricht es aus ihm heraus: "This case is füll of bloody misunderstandings .

Dokumente der ZEIT

Die jüngsten Ereignisse bestätigen die besondere Aggressivität des deutschen Imperialismus. Sein Expansionsdrang tritt immer stärker in Erscheinung, je mehr seine äußeren und inneren Widersprüche wachsen.

Geldquellen für die DDR

Am 1. Januar erschloß sich die DDR eine neue Geldquelle. Nach den neuen Vorschriften im "grenzüberschreitenden Reiseverkehr" werden, sowohl DDR-Bürger, die auf ihren Reisen Geschenke ins Ausland bringen wollen, betroffen, als auch in die DDR Reisende.

Nicht nur dritte Partei

Auf dem traditionellen Dreikönigstreffen der südwestdeutschen Freien Demokraten ist der Parteivorsitzende Walter Scheel weit über die bisherigen Angriffe gegen die Große Koalition hinausgegangen.

Starker Mann Husák?

Die tschechische KP hat beschlossen, den Reformer für das Amt des Vorsitzenden der neugegründeten Volkskammer zu nominieren.

Namen der Woche

Joseph Höffner, 62 Jahre alt, bisher Bischof von Münster, trat sein Amt als Koadjutor des Kölner Kardinals Frings an. Er hat damit das Recht auf die Nachfolge als Erzbischof von Köln, wenn Frings aus dem Amt ausscheidet.

Irische Unruhen

"Was genug ist, ist genug", verkündete der nordirische Premier Ference O’Neill und drohte mit scharfen Polizeimaßnahmen. Anlaß seiner Erklärung: In Londonderry, der zweitgrößten Stadt Nordirlands (Ulster), ist es am ersten Wochenende des neuen Jahres zu blutigen Straßenschlachten zwischen Studenten, rechtsradikalen Protestanten und Polizisten gekommen.

Rektoren gegen Kultusminister

Die deutschen Kultusminister machten sich, nach langer öffentlicher Diskussion, den Standpunkt einer Mehrheit der Informierten zu eigen: freiwerdende oder neugeschaffene Universitätsstellungen sollten nach dem Verfahren besetzt werden, das an ausländischen Universitäten und in der freien Wirtschaft überall seit langem üblich ist.

Erste APO-Hilfe bei drohender Ehe

Daß Scheidungen im Himmel beschlossen werden, diese Einsicht verdanken wir Oscar Wildes Komödie "Bunbury". Daß Ehen schon auf Erden vermieden werden könnten, diese praktische Nutzanwendung könnten wir dem Berliner Kommunarden Dieter Kunzelmann verdanken.

Kunst als Ware: Recht hat, wer zuletzt lacht

Aus einer Rezension: Für alle, denen sich die Notwendigkeit gezeigt hat, Kunst und Gesellschaft in ihrem wechselseitigen Verhältnis näher zu definieren; denn Kunst ist gesellschaftlich, und die Beschäftigung mit der Kunst ist nicht denkbar ohne die Beschäftigung mit der Gesellschaft.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Johann Sebastian Bach orientierte sich, als er die Brandenburgischen Konzerte komponierte, an den Möglichkeiten der Hofkapelle von Anhalt-Köthen – heute spielt jedes Collegium musicum die Stücke.

Kunstkalender

Sucht man nach vergleichbaren Erscheinungen in der europäischen Kunst, dann kann man vielleicht Paolozzi nennen, den mittleren Paolozzi, den Konstrukteur der "Towers", oder, weiter zurück, die Schwitters-Collagen aus den zwanziger Jahren.

ZEITMOSAIK

Wolfgang Wagner gibt klein bei: Seinen Bayreuther "Lohengrin" zeigt er dieses Jahr nicht vor. Und zum erstenmal nach dem Kriege inszeniert 1969 ein "hausfremder" Regisseur: Die Festspiele werden am 25.

FILMTIPS

"2001: Odyssee im Weltraum", von Stanley Kubrick............................................................................

Bildungspolitik im Wahljahr

Bisher hießen die Auslassungen der Koalitionsparteien zur Schul- und Hochschulreform auf der CDU-Seite "Martin-Plan", bei der SPD "Evers-Plan".

Der Wolfe im Lammpelz

Schier unzählbare Möglichkeiten gibt’s, New York und Umgebung kennenzulernen. Es ist nicht nur Neckermann, der’s möglich macht.

ZU EMPFEHLEN

ES ENTHÄLT Beschreibungen der Graphischen und Kupferstich-Kabinette des Rijksmuseum Amsterdam, des Kunstmuseums Basel, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Berlin, des Museums der Bildenden Künste Budapest, des Fogg Art Museum Cambridge, des Art Institute in Chicago, der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, der Uffizien in Florenz, des Städelschen Kunstinstituts Frankfurt, der Kunstsammlungen der Deyler-Stiftung Amsterdam, der Kunsthalle Hamburg, des Statens Museum for Kunst Kopenhagen, der Eremitage Leningrad, des Palais des Beaux Arts Lille, des British Museum London, des Prado in Madrid, der Staatlichen Sammlung München, des Metropolitan Museum of Art New York, der Bibliotheque Nationale und des Cabinet de Edmond de Rothschild im Louvre Paris, des Museum Boymans-van Beuningen Rotterdam, des Nationalmuseums Stockholm, der Albertina Wien; dazu Abbildungen: reichlich, und gut reproduziert; dazu ein Künstler-Lexikon; dazu ein Vorwort von Wolf Stubbe, dem Leiter des Hamburger Kupferstichkabinetts, der in einem Überblick über die Geschichte der zeichnerischen und druckgraphischen Techniken präzis und kenntnisreich die Schwerpunkte setzt.

Freiheit für den Eros

Solange wir ein Wort wie "Sex" brauchen, so griffig kühl, so hygienisch steril, so technisch abstrakt, um uns über einen zentralen Bereich menschlichen Daseins zu verständigen – den Bereich der höchsten Freuden, der tiefsten Verstörungen und der elementarsten mitmenschlichen Verbundenheit – so lange wird man mir nicht weismachen, unsere Gesellschaft sei nun drauf und dran, die jahrtausendealte Tabuisierung der geschlechtlichen Liebe abzustreifen und das Natürliche in sein Recht einzusetzen.

Theater: Toller II.

Am Schluß, als Heyme sich dem Beifall stellte, buhten ein paar Zuschauer. Alles o. k., mögen die Theaterverantwortlichen gedacht haben: das Stück hat Widerspruch provoziert, ein paar "Rechte" fühlten sich durch die Inszenierung auf die Zehen getreten.

Fernsehen: Lauter kleine Versehen

Da es im Lande zwei Programme gibt und im ZDF und in der ARD Redakteure sitzen, denen bewußt ist, was Intendanz und Publikum von ihnen verlangen, gibt es statt eines guten Jahresrückblicks um die Silvesterzeit deren zwei – und beide sind weniger gut.

Silvester auf Planchons Spuren

Die westdeutschen Bühnen stürzten sich mit Wonne ins Silvestervergnügen. An 86 Theatern verzeichneten die Spielpläne, die mir vorlagen, fünfzigmal Operetten oder die gängigsten Musicals als Silvesterspaß.

Unordnung und Hörers Leid

Es ist schon immer so gewesen: In den letzten Minuten des Jahres muß die Welt an Beethoven genesen. Mit der "Sinfonie Nr. 9 d-moll op.

Der stumpfe Säbel Mohammeds

Mit zurückhaltendem Schweigen pflegen die "ehrbaren" Kaufleute der Hansestadt Hamburg die Silvesteransprachen des Präses ihrer Handelskammer zu quittieren.

Heinz Michaels:: Noch hat Leber nicht verloren

Jeden Tag versucht irgendein Fuhrunternehmer mich zu beeindrucken: "Dieser Lastzug bezahlt ca. 18 000 Mark Straßensteuern pro Jahr", lese ich naserümpfend; denn die stinkenden Auspuffgase machen mir das Ungetüm nicht gerade sympathischer.

Undankbar

Die Engländer entwickeln ein bemerkenswertes Talent, vor fremden Türen zu kehren, den Mist vor der eigenen jedoch geflissentlich zu übersehen.

Nachhilfe

Widersprüchliche Meldungen erreichten uns aus Kiesingers Tiroler Urlaubsort Telfs. Zuerst hieß es, der Kanzler habe Otmar Emminger, Direktionsmitglied der Bundesbank, zu einem Gespräch über Währungspolitik empfangen, dann erfuhr die Öffentlichkeit, es habe sich nur um einen rein privaten Gedankenaustausch gehandelt.

Zufall?

Am 5. März, wenn in Berlin die Bundesversammlung den neuen Bundespräsidenten zu wählen hat, wird die Leipziger Frühjahrsmesse in vollem Gange sein.

Der König als Kronprinz?

Mit dem ihm eigenen Pathos verkündete Edmund Rehwinkel: "So habe ich mich denn entschlossen ..., das schwerste deutsche Amt, das Amt als Präsident des Deutschen Bauernverbandes, mit der Vollendung meines 70.

Sieger des Monats: Rheinstahl

Mit einer Kurssteigerung um 7,5 Prozent hat die Aktie der Rheinischen Stahlwerke das Dezember-Rennen gewonnen. Inzwischen ist ihr Anstieg weitergegangen.

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