Wieviel kluge Leute man auch trifft, sie sagen immer ein und dasselbe: „Wie dumm wir doch sind ...“

Viktor Shemtschushnikow,

russischer Schriftsteller

Altes Grün

Wolfgang Wagner gibt klein bei: Seinen Bayreuther „Lohengrin“ zeigt er dieses Jahr nicht vor. Und zum erstenmal nach dem Kriege inszeniert 1969 ein „hausfremder“ Regisseur: Die Festspiele werden am 25. Juli mit dem von August Everding szenisch und dem Italiener Silvio Varviso musikalisch geleiteten „Fliegenden Holländer“ eröffnet. Pierre Boulez hat sich vom „Parsifal“ zurückgezogen, an seiner Stelle dirigiert der Mannheimer Horst Stein. Ansonsten bleibt auf dem Grünen Hügel alles beim alten: Peter Lehmann und Hans Hotter polieren alte Wieland-Wagner-Inszenierungen auf, Klobucar dirigiert die „Meistersinger“, Böhm den „Tristan“, Maazel den „Ring“, und 50 000 Wagnerianer werden 30 Vorstellungen sowie einander wiedersehen.

Kaviar fürs Volk

Was in der kapitalistischen und großbürgerlichen westlichen Wohlstandsgesellschaft zum Inbegriff feiner Tafelfreuden wurde – wenngleich auch hier die Geschmäcker verschieden sind und die Grade der Vorlieben stark differieren –, soll auch im Herkunftsland weitere Verbreitung als bislang erreicht finden. Der Literaturnaja Gaseta ist zu entnehmen, daß in der Sowjetunion demnächst der erste künstliche Kaviar zum Verkauf angeboten werden soll. Das chemische Produkt, auf der Basis von Milchkasein hergestellt, soll im Geschmack „den besten natürlichen Sorten nicht nachstehen“. Damit der Kaviar auch unters Volk kommt, will man ein Netz von Geschäften einrichten, in denen „synthetische Lebensmittel“ geführt werden.