Die Gruppierung um den Caravelle-Club war freilich ungewöhnlich. Acht Bankiers, sonst eher geneigt, „jeder gegen jeden“ zu arbeiten, hatten sich gefunden: Karl-Heinrich von Waldthausen (Bankhaus Waldthausen & Co.), Paul Schröder (Deutsche Apotheker- und Ärztebank GmbH), Dr. Erwin Poprawe (Frankfurter Bank), Dr. Kurt Bach (Bau-Kredit-Bank AG), Joachim C. Lenz und Dr. Hans B. Heil (Bankhaus Poensgen, Marx & Co.), Willy Becker (Industriekreditbank AG) und Dr. Hans Ludwig Hennemann (Bank für Gemeinwirtschaft AG). Nicht länger, so vernahm die aufgeschreckte Touristenbranche, würden die Banken das Reisegeschäft ignorieren, vielmehr werde man es in Zukunft gleich selber machen. Die Organisation der Reisen soll die Gesellschaft (mbH) „Caravelle-Club-Reisedienst“ übernehmen, deren Stammkapital 100 000 Mark beträgt und die als derzeitige Gesellschafter Dr. Kurt Bach und den Geschäftsführer des Klubs, Herzog Eugen von Württemberg aufweist.

Doch der Frühstart verhinderte große Pläne und die angekündigte neuartige Akquisitionsmethode. „Wir werden“, so hatte der Vater der Klubidee, Dr. Kurt Bach, angekündigt, „die Verwaltungskosten aus den Mitgliedsbeiträgen bestreiten und alle Leistungen mit den jeweiligen Veranstaltern direkt abschließen, also ohne die üblichen Zwischenprovisionen. Unsere Preise werden deshalb sehr günstig sein.“

Für 1968 war es dafür aber offensichtlich schon zu spät, der Caravelle-Club kaufte bei anderen Reisebüros ein. Auch die Mitgliederzahl entwickelte sich nicht wunschgemäß. Mit 58 000 Werbe-Prospekten wurden vor allem die Kunden der beteiligten Banken zum Beitritt eingeladen. Bei 8000 Mitgliedern, so hörte man zunächst, könne sich die Organisation selbst tragen; bis zum Jahresende würden 10 000 Mitglieder erwartet. In der Geschäftsstelle des Caravelle-Clubs, in der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Allee, ist man mit Auskünften über den derzeitigen Mitgliederstand zurückhaltend: „Es sind schon Hunderte“, mehr ist dort nicht zu erfahren. Kenner der Branche sagen: Es sind knapp fünfhundert. Sie rechnen auch vor, daß bei diesem Stand der Dinge, das Gesellschaftskapital bald aufgebraucht sein muß.

An den wenigen Reisen, die bisher vermittelt wurden, hat der Klub so gut wie nichts verdient. 50 000 Mark etwa haben die Mitglieder bisher an Beiträgen und Aufnahmegebühren beigesteuert. Die kostspielige Büroetage, die Gehälter für sechs Angestellte und die beiden aufwendigen Prospeiste haben erhebliche Ausgaben verursacht. So wird die Caravelle-Club-Reisedienst-GmbH die seinerzeit angekündigte Erhöhung ihres Stammkapitals auf 1,5 Millionen Mark bitter nötig hatten, um über die Runden zu kommen.

Wenn ihr das gelingt, und dank des Kapitals der beteiligten Banken müßte das möglich sein, wird in der Branche einerseits gemutmaßt, während andererseits Kopfschütteln herrscht, dann könnte sich der Caravelle-Club möglicherweise als ein Hecht im Karpfenteich erweisen. Die Direkt-Akquisition bei Fluglinien und Hotels könnte ihm einen Preisvorsprung von vielleicht 18 Prozent verschaffen. Während die großen Veranstalter ein breit gestreutes Risiko kalkulieren müssen – nicht ausgebuchte Maschinen, nur ungenügend belegte Hotelketten – könnten die Caravelle-Leute, da sie insbesondere Einzelreisen vermitteln wollen, mit dem „verbleibenden Rest“ hervorragende Geschäfte machen. Daß auch die LTU, bei der Klubgründer Dr. Bach Aufsichtsratmitglied ist, mit „ein paar Prozent“ von der Partie sei, bestreitet deren Gesellschafter, Flugkapitän Ahrens entschieden: „Wir sind doch nicht die Caritas!“

Offenbar hoffen die Klubgründer auch, daß ihre Werbe-Idee auf die Dauer doch ein ganz bestimmtes Publikum anziehen wird. Dr. Bach formuliert das so: „Wir wollen vor allem diejenigen ansprechen, die sich bisher keines Reisebüros bedient haben.“ Hier liegt in der Tat ein weites Feld, da bisher nach groben Schätzungen nur 18 Prozent aller Ferienreisenden ein Reisebüro in Anspruch nehmen. Nach Auffassung der Gründer gibt es aber vor allem einen großen Kreis von Reiselustigen, der sich auch im Zeitalter des Massentourismus im Urlaub eine individuelle Note bewahren will.

Angesichts des jetzt vorliegenden Programms bemerkte freilich ein Düsseldorfer Reisefachmann sarkastisch: „Hier soll zwar eine Mauer mit Geld aufgebaut werden, aber wenn man genau hinsieht, soll offenbar nur der Anschein der Exklusivität erweckt werden!“ So fliegen die Klubmitglieder zwar mit den Hummelleuten im gleichen Flugzeug, aber sie können von sich sagen: „Ich bin kein Hummel!“