Nach der amtlichen Darstellung diente das erfolgreiche jüngste Raumfahrtexperiment der Sowjets, bei denen die beiden bemannten Flugkörper Sojus 4 und 5 aneinandergekoppelt wurden, der Vorbereitung für den Zusammenbau einer Raumstation. Das Koppelungsmanöver kann auch eine Vorübung für interplanetarische Flüge gewesen sein, in deren erster Phase das gewaltige Raumschiff im Erd-Orbit montiert werden muß. Sowohl in einer Raumstation als auch bei Flügen zu fremden Planeten müssen Menschen ein Jahr und mehr in einer engen Kapsel leben. Über eine Probe für diese Aufgabe berichtet Dr. Sarah White, Wissenschaftsredakteurin und Rußlandexpertin der englischen Wissenschaftszeitschrift "New Scientist".

Während die drei amerikanischen Astronauten um den Mond kreisten, gab die Sowjetunion bekannt, ein Experiment, das einem anderen Aspekt der Raumfahrt gewidmet war, sei erfolgreich abgeschlossen worden: Drei Männer hatten ein volles Jahr in einem hermetisch abgeschlossenen Raum von nur 12 Quadratmeter Grundfläche verbracht. Ziel des Versuchs: Eine Reihe von lebenserhaltenden Systemen sollten getestet werden; außerdem wollte man prüfen, welche physischen und psychischen Auswirkungen ein solches Leben in der Abgeschiedenheit hat, das dem eines Raumfahrertrios in einem Weltraumlabor oder bei einer Reise zum Mars entsprach.

Der Arzt Dr. German Manowzew, der Biologe Andrej Boshko und der Ingenieur Boris Ulybyschew ließen sich am 5. November 1967 in ihr Gefängnis einsperren. Ihr Aufenthalt dort war in drei Perioden eingeteilt, was es den Wissenschaftlern erleichterte, festzustellen, wie die verschiedenen Lebenserhaltungssysteme arbeiteten.

Während der ersten Periode zum Beispiel war das Trinkwasser aus dem Urin der drei Männer und aus dem Wasserdampf des Wärmeaustauschers, des Atems und der Körperausdünstungen der Probanden zurückgewonnen worden.

Stark oxydierende Substanzen wie Natriumperoxyd und Kaliumperoxyd entzogen der Kabinenluft überschüssiges Kohlendioxyd und Wasserdampf; dabei entstand zugleich Sauerstoff für die Atmung.

In dem ersten, zwei Monate, währenden Abschnitt des Experiments ging es hauptsächlich darum, ein zufriedenstellendes Tagesprogramm für die drei Terranauten zu entwickeln.

Die zweite Periode begann am 22. Januar 1968, als ein experimentelles Treibhaus mit der Kabine verbunden wurde. Es sollte sich erweisen, ob höhere Pflanzen in einer geschlossenen Umwelt normal wachsen können, wobei die Versuchspersonen den künstlichen Boden der Pflanzen mit dem von den Blättern evaporierten Wasser bewässerten.