Die Anstandspause in der westlichen Entspannungspolitik, erzwungen durch die Prager Krise, ist beendet. Schon am Tage seiner Amtseinführung haben die Sowjets den neuen amerikanischen Präsidenten an die Priorität des Raketendialogs zwischen den beiden Weltmächten erinnert. Richard Nixon will nichts übereilen, aber auch er wünscht das Gipfelgespräch.

Für Bonn endet damit die Schonfrist, die ihm der Lauf der Weltpolitik wegen des Atomsperrvertrags eingeräumt hatte. Die Bundesregierung wird sich nun wegen ihrer Unterschrift schlüssig werden müssen – spätestens, wenn der amerikanische Senat die vertagte Ratifizierung des Vertrags nachholt. Das Problem ist nicht so sehr der Vertrag selbst; an ihm ist ohnehin nichts mehr zu ändern. Es ist die Ungewißheit über die Konsequenzen künftiger Sicherheitsarrangements zwischen den beiden Supermächten, die Bonn zaudern läßt; verstärkt durch die Befürchtung, das Moskau den deutschen Atomverzicht politisch überhaupt nicht honorieren wird. Die Große Koalition ist gespalten. Helmut Schmidt empfiehlt die Unterschrift, die CSU ist strikt dagegen.

In der Tat ist schwer zu prophezeien, was der deutsche Beitritt zum Sperrvertrag außenpolitisch nach sich zieht. Doch in dem Kampf, der nun anhebt, wird die Entscheidung leichter fallen, wenn Regierung und Parlament sich statt dessen die Folgen vor Augen führen, die eintreten würden, falls die Unterschrift verweigert wird. Be.