DIE ZEIT

Menschenleben: Mann für Mann

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Während Willy Brandt sein Wort an die Teilnehmer des SPD-Jugendkongreßes richtete, handelte Paul Frank diesen entsprechend.

Balance-Akt am Abgrund

Doppelbedrohung für die ČSSR: das Autbegehren des Volkes und der Zorn der Sowjets

Auftakt am runden Tisch

Runde Tische, so sagen die Verhaltensforscher, schaffen ein günstiges Gesprächsklima, zwingen alle Partner, sich auf den Mittelpunkt der Dinge zu konzentrieren.

Ein übles Wahlgeschenk

Die Sozialdemokraten haben sich um die Außerparlamentarische Opposition verdient gemacht. Durch die Erfindung der Vorbeugehaft lieferten sie den Kritikern des Systems ein Thema, das diese seit der Notstandsdiskussion vergeblich gesucht hatten.

Nicht empfehlenswert

Wäre der Bundestagspräsident nur durch ein konstruktives Mißtrauensvotum, also durch die Wahl des Nachfolgers, zu stürzen gewesen – Eugen Gerstenmaier wäre wohl heute noch im Amt.

Muff oder Mahnung?

Eine Momentaufnahme aus dem Januar 1969, gleichsam mit doppelter Belichtung: Im aufgebahrte der Karlsuniversität zu Prag der aufgebahrte Leichnam jenes Studenten, der durch seinen Tod die Symbolverbindung Flamme und Freiheit für sein Volk Vor dessen Zwangsherren gegenständlich machte.

Krawall in Englands Hinterhof

Es ist kaum zu glauben, aber mitten im 20. Jahrhundert schlagen in Nordirland, in Englands Hintergarten, die Konfessionen aufeinander.

Die "Pueblo" war sein Schicksal

Vor den Augen der Öffentlichkeit spielt sich in Amerika derzeit ein Drama klassischen Ausmaßes ab. Es geht dabei um den Kampf des einzelnen gegen die Allmacht einer Institution.

ZEITSPIEGEL

"Wenn wir von der Unruhe dieser studentischen Jugend sprechen, dann dürfen wir nicht nur von Studenten sprechen.............

Zankapfel Atomverzicht

Des Kanzlers Koalitionspraxis, kontroverse Themen aus dem Bonner Entscheidungsprozeß einfach auszuklammern, ist bei der umstrittenen Frage der deutschen Unterschrift unter den Atomsperrvertrag zum Scheitern verurteilt.

Fehdehandschuh Generalvertrag

Die Freien Demokraten haben den Entwurf eines "Generalvertrages" zwischen den beiden Teilen Deutschlands veröffentlicht und beziehen dafür Prügel aus den Reihen der Großen Koalition.

De Gaulles Kraftprobe

Das Jahr 1969 dürfte für Frankreich ein Jahr der Wahlen werden. Wie oft sie wählen müssen, erfahren die Franzosen vielleicht schon am kommenden Wochenende, wenn de Gaulle in der Bretagne eine Rede halten wird.

Franco zieht die Schrauben an

Hat Spanien seinen Bürgerkrieg noch nicht überwunden? Vor dreißig Jahren ging er zu Ende. Die Zeit aber vermochte nicht, die Erinnerung an dieses furchtbare Gemetzel auszulöschen.

Gefährliche Risse im Kirchengebälk

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), der alle Landeskirchen in der Bundesrepublik und in der DDR angehören, hat eine doppelte Belastungsprobe durchzustehen: Sie wird ihre Einheit, die sie 20 Jahre lang bewahren konnte, in der alten Form nicht aufrechterhalten können, und sie ist in der Bundesrepublik von einem Konflikt betroffen, der sich an der Abendmahlsfrage entzündet hat und den Hannovers lutherischer Landesbischof Lilje eine "Vertrauenskrise" nannte.

Dramaturgie eines Skandals

Am schrecklichsten für die Zuschauer war das Lächeln, das ihn fast nie verließ, als er durch die Gänge des Bundeshauses geführt wurde.

Links und liberal

Sowohl der Mann als die Zeitschrift, der er das Gesicht (nämlich seines) gegeben hat, verdienen es, bei Gelegenheit dieser Autobiographie dem deutschen Publikum genauer vorgestellt zu werden.

Zum 27. Male

Seit mehr als hundert Jahren erscheint schon das Handbuch "Auszug aus der Geschichte", geläufiger, bekannter als "der Große Ploetz".

Das lange Leiden des Liu

Der Sturz Chruschtschows im Oktober 1964 stellte den sowjetischen Durchschnittsbürger vor eine unerwartete, vollendete Tatsache.

Gerstenmaier tritt ab

Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier (CDU) hat nach 14 Amtsjahren vorige Woche seinen Rücktritt angekündigt. Er stolperte über eine Wiederaumachungsaffäre, die ihn kompromittierte, und er scheiterte an dem Willen’seiner Parteifreunde, die Belastungvorder Bundestagswahl aus der Welt zu schaffen.

Dokumente der ZEIT

Die Kette von Ereignissen, die zu den Verhandlungen führte, begann wahrscheinlich mit dem Washington-Besuch des Generals Westmoreland im November 1967.

Zuspitzung in Prag

In Prag stieg bei Wochenbeginn die Krisenangst: Nach der Beisetzung des Studenten Jan Palach, der sich aus Protest gegen die sowjetische Besatzung selbst verbrannt hätte, entlud sich die Hochspannung in Prügeleien auf dem Wenzelsplatz.

Rätsel um Kreml-Attentat

Was die Sowjets bislang nur der amerikanischen "Gangsterdemokratie" zugetraut hatten, ereignete sich Mitte voriger Woche im Schatten der Kreml-Mauer: Ein Attentat auf den Kosmonauten-Konvoi, in dem auch Staatspräsident Podgorny und Parteichef Breschnjew mitfuhren.

Comecon: Mehr Integration?

Der 20. Geburtstag des Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW), im Westen Comecon genannt, wurde in Ostberlin begangen.

Franco dreht die Uhr zurück

Nachdem die Regierung Franco am vorigen Freitag für mindestens drei Monate den Ausnahmezustand über Spanien verhängt hat, rollt eine Verhaftungswelle durch das Land.

Nixon: Ich mache die Außenpolitik

Auf der ersten Pressekonferenz seiner Amtszeit hat der neue amerikanische Präsident Richard Nixon vor allem zur Außenpolitik Stellung genommen.

Schlußwort zu einer Diskussion: Zeitungen als Ware

Die SDS-Gruppe "Kultur und Revolution" in Berlin hat seinerzeit sehr richtig festgestellt: wir könnten mit der Diskussion über "Kunst als Ware", die uns jetzt seit zehn Nummern begleitet, bequem noch ein paar Jahrgänge der ZEIT füllen.

2. Die Entgegnung: Der Engel Bazon Brock

Es ist aber zu Jerusalem bei dem Schaafstor ein Teich, der heißt auf hebräisch Bethesda und hat fünf Hallen, in welchen lagen viele Kranke, Blinde, Lahme, Verdörrte, die warteten, wann sich das Wasser bewegte.

3. Die jüngste Premiere: Wohin mit der Leiche?

Ins Programmheft schreibt sich das relativ leicht: daß der "Don Carlos" heute als ein Stück verstanden werden könnte, in dem zwei jugendliche Revolutionäre der etablierten Macht entgegentreten und an ihren idealistischen Irrtümern scheitern.

Kunst als Ware:: Gesellschaftliche Arbeit statt Kunst

Ich stimme der Analyse der Berliner SDS-Gruppe grundsätzlich zu. Die politische Funktion von Kunst im Kapitalismus müßte allerdings präziser und kritischer untersucht werden, als es dort geschehen ist.

ZEITMOSAIK

Das Verhalten der Tugendwächter rührt hauptsächlich aus zwei Motiven her: zunächst aus dem Mangel an Freimütigkeit und dann aus der Verwirrung, von der im allgemeinen die Personen gepackt werden, die das Unmögliche wollen und, über den Mißerfolg ihrer Bemühungen in Zorn geraten.

Kunstkalender

Der Aktionsraum im Keller der Galerie, wo sich die Avantgardisten der art intermedia die Klinke in die Hand geben, tritt diesmal nicht in Aktion.

ZU EMPFEHLEN

"Langenscheidts Groß Wörterbuch Französisch", Teil II: Deutsch-Französisch, begründet von Karl Sachs und Césaire Villatte – völlige Neubearbeitung, herausgegeben von Walter Gottschalk und Gaston Bentot; Verlag Langenscheidt, Berlin/München/Zürich; XXVIII + 994 S.

Der Hund wird zum Flegel

Mit Michail Bulgakow ist die UdSSR bis heute nicht ins reine gekommen. Bulgakow, der 1891 in Kiew geboren wurde und 1940 in Moskau starb, übte auf seine Zeitgenossen schon früh eine starke Faszination aus, übrigens auch auf Stalin: kraft seiner satirischen Verve, seines Mutes, seiner Unbeirrbarkeit.

Gallertartiger Idiotengott

Doktoren und Professoren sterben vor Schreck, rasende Reporter erleben Sensationen und kommen nicht zu Worte, wackere Polizisten suchen, finden und verschwinden, denn "das Ding" ist fürchterlich: ein infernalisch blutrünstiges Monstrum, ein Naturphänomen außerhalb jeder gesunden menschlichen Erfahrung, ein Übel "älter als die Menschheit und größer als das bekannte Universum", die "Verneinung von Materie, kosmischer Gültigkeit und Ordnung".

Dürer in Großformat

Der Holzschnitt ‚Simson, den Löwen bezwingend‘, gegen 1498/99, jedenfalls nach der ‚Apokalypse‘ entstanden, "läßt die Technik vergessen, so spontan kommen die sinnlichen Werte mit den Mitteln der Zeichnung zur Geltung.

Hessische Studenten und Professoren

Studenten streikten in Frankfurt, Gießen und Marburg, zwar nur in einigen Instituten und ohne überregionale Koordination – aber immerhin wirkten ihre Maßnahmen so bedrohlich, daß Kultusminister Schütte allen Professoren erlaubte, ihre Vorlesungen abzubrechen, sobald sie sich gestört fühlten; "störende Elemente" sollten registriert und der disziplinarischen Verfolgung zugeführt werden.

Mrozek mit Musik

Die makabren Grotesken des Polen Slawomir Mrozek sind ins deutsche Theaterrepertoire eingegangen, aber sein Einakter "Der Kynologe am Scheideweg" war hierzulande noch auf keiner Sprechbühne zu sehen.

Auswege an Universitäten:: Heidelberger Assistenten finden Kompromisse

In Heidelberg ist wenigstens äußerlich wieder Ruhe eingekehrt (über die Unruhe berichteten wir in der ZEIT vom 17. Januar). Das Institut für Politische Wissenschaft ist wieder geöffnet, die "Störungen" lassen an Häufigkeit und Intensität nach, niemand hält eine Schließung für aktuell.

FILMTIPS

"Chronik der Anna Magdalena Bach", von Jean-Marie Straub. Danièle Huillet und Jean-Marie Straub berichten von der Arbeit und aus dem Leben eines Mannes, der nicht aufbegehrte gegen die Gesellschaft, in der er lebte, sondern auf die Unterdrückung, die den Ablauf seines Lebens diktierte, mit der Errichtung eines musikalischen Werkes reagierte, das ein Monument der Ohnmacht ist; die Beschreibung des Widerstandes, den zwei Menschen nicht leisteten, spricht von der Notwendigkeit, Widerstand zu leisten.

Film im Fernsehen:: Totalschaden einer Gesellschaft

Eine Zivilisations-Apokalypse zeigte Jean-Luc Godards Film "Week-End" dem Zuschauer, der am Wochenbeginn lange genug den Fernsehsessel gehütet hatte: Der Ausflug ins Wochenende, der zunächst in wüst ihre Aggressionen aushupende Autoschlangen führt, landet mehr und mehr in einer entmenschten und entmenschlichenden Trümmerlandschaft aus Autowracks, brennenden Fahrzeugen, Leichenfetzen und Charakteren mit Totalschaden.

Eine Stadt wartet auf den Käfer

Das Rathaus – ein blaues Hochhaus, auch Beamten- oder Verwaltungssilo genannt, in dem all die notwendigen Ämter einer Stadt untergebracht sind, und davor ein weißer Flachbau, das Ratsgebäude, in dem die führenden Persönlichkeiten der Stadt ihres Amtes walten – das Rathaus also, gerade sechs Jahre alt, ist von jener "rigorosen Modernität", die Stadtdirektor Baldauf kennzeichnend für das Bild der Stadt hält.

Das Gerede von der Stabilität

Wo immer man hinfährt, nach London oder Zürich, New York oder Paris – überall ist die Mark begehrt, wird die Bundesrepublik um ihre ökonomische Stabilität beneidet.

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