Hermann Höcherl ist drauf und dran, es mit den maßgeblichen Kreisen des deutschen Landvolkes endgültig zu verderben. Just in der Woche, in der ihm in Aachen der Orden des Ritters wider den tierischen Ernst verliehen wurde, ließ er ankündigen, künftig sollten alle Bauern, die neben der Einkommensteuer auch noch die Ergänzungsabgabe zahlen müssen, keine gezielten Beihilfen aus der Staatskasse oder andere Vergünstigungen für Investitionen mehr bekommen.

Der Bundesernährungsminister scheint der Ansicht zu’sein, daß jemand, der mehr als rund 33 000 Mark Jahreseinkommen zu versteuern hat, nicht mehr öffentlicher Hilfen für sein Unternehmen bedürfe. Ein solcher Bauer soll demnächst, sofern sich Höcherl durchsetzt, mit der Absatz- und Preisgarantie für die meisten Agrarprodukte sowie mit den vielen anderen Vergünstigungen auskommen, die dem Landvolk gewährt werden.

Weiß Höcherl eigentlich nicht, für wen in der Bundesrepublik mehr als zwanzig Jahre Agrarpolitik gemacht wurde? Auf wen fiel denn der „warme Landregen“, den Rehwinkel gelegentlich mit Schmunzeln erwähnte? Doch nicht auf die hunderttausend Kleinbauern oder Möchtegern-Bauern! Die brauchte man lediglich zum Vorzeigen in Bonn, um Politiker vor Wahlen knieweich zu machen. Die fällige Subvention wurde dann schon in die „richtigen“ Kanäle gelenkt.

Und das alles soll nun aufhören? Was erlaubt sich dieser Höcherl eigentlich? Er wird doch eines Tages nicht gar eine realistische, auf die Zukunft gerichtete Agrarpolitik treiben wollen – oder macht der Aachener Ritter nur Karnevalsscherze? ks