Die in- und ausländischen Anleger haben den Schock, den ihnen zunächst das Absicherungsgesetz (vierprozentige Exportbelastung und vierprozentige Importverbilligung) versetzt hätte, jetzt überwunden. Nach einer von einer großen deutschen Bank bei ihren Kunden veranstalteten Umfrage rechnen Industrie und Handel auch 1969 noch überwiegend mit steigenden Gewinnen. Und da im internationalen Vergleich die deutschen Aktien in ihrer Mehrzahl nicht überbewertet sind, glauben die Anleger ihr deutsches Portefeuille verstärken zu können. Investment-Fonds, deutsche und ausländische Kreise, haben ihre flüssigen Mittel zugunsten deutscher Aktien vermindert.

Anzumerken ist, daß Banken und Sparkassen, die sich auf eine breite Wertpapierkundschaft (oder Investmentsparer) stützen können, für die nächste Börsenzukunft optimistischer sind als solche Institute, die über eine wertpapiererfahrene Kundschaft verfügen. Das erklärt sich daraus, daß die „alten Hasen“ immer stärker auf eine internationale Streuung ihrer Anlagen sehen, dies um so mehr als im zweiten Halbjahr 1969 im Zuge der dann stärker zu Buch schlagenden Lohnkostensteigerungen das Gewinnwachstum merklich langsamer zu werden verspricht.

Kennzeichnend für die Anlagetätigkeit ist die Tatsache, daß erstmals seit längerer Zeit auch wieder die deutschen Standardaktien in größeren Posten gekauft wurden. So besonders RWE-Aktien, Siemens und Hoechst. Dennoch hat sich der Hoechst-Kurs bislang nur wenig nach oben geschoben. Das liegt nicht zuletzt an den sogenannten Unterwasserangeboten, nämlich an solchen Aktien, die aus Übernahmetransaktionen stammen und die „bevorzugten“ Kunden außerbörslich zu niedrigen Kursen angeboten werden. K. W.