Von Erwin Lausch

Aus allen Himmelrichtungen kamen sie herbeigeflogen – und von allen Erdteilen. nur Westdeutsche und Europäer fast aller westlichen Länder zog es in der vergangenen Woche nach Rottach-Egern in Oberbayern. Auch Nord- und Südamerikaner, Inder, und Japaner, Südafrikaner und Australier eilten an den Tegernsee.

Eingeladen von den Farbwerken Hoechst und der Pharma-Firma Boehringer Mannheim, versammelten sich 250 Wissenschaftler aus 27 Ländern, um über ein neues Medikament zu diskutieren. Die Gastgeber haben es unter großen Kosten gemeinsam entwickelt: eine neue Tablette für Zuckerkranke.

Zu Prüfungen an zuckerkranken Patienten war das Präparat mit der Testbezeichnung HB 419 in alle Welt verschickt worden. Die Ergebnisse teilten die Prüfer jetzt auf der „Tegernsee-Konferenz über das neue orale Antidiabetikum HB 419“ mit. Die Forscher berichteten vornehmlich Gutes, freilich kaum Aufregendes.

Es scheint, daß HB 419 die bisher schon vorhandenen Möglichkeiten zur Behandlung von Zuckerkranken etwas verbessert, aber nicht grundsätzlich erweitert. Die Sensation, die 1956 die gleichen Firmen ausgelöst hatten, als sie ihre ersten Tabletten gegen Zuckerkrankheit auf den Markt brachten, wiederholte sich nicht.

Damals war es gelungen, einen Großteil der Zuckerkranken von der Notwendigkeit zu befreien, sich regelmäßig Insulin spritzen zu müssen. Lange hatten; Forscher nach einem solchen Mittel gesucht.

Schon 1918, drei Jahre vor der Entdeckung des Insulins, hatte der Japaner Watanabe eine Substanz – Guanidin – entdeckt, die bei Versuchstieren den Blutzuckerspiegel senkte. Doch als Arzneimittel für kranke Menschen eignete sie sich nicht. Guanidin ist verhältnismäßig giftig.