Eva Vargas: „Ich, Schmetterling“, Lieder, Chansons, Unverblümtes; Eva Vargas, Hanns Dieter Hüsch, Regie: Sigurd König; Da Camera Song, SM 95014; 19,– DM.

Auf ihrer ersten Platte machte Eva Vargas noch alles allein; auf der zweiten sang sie zwar noch alles selber, aber zur Gitarre hatte man ihr schon ein feines Arrangement dazugegeben; auf dieser schließlich arbeitet eine dezente Band aus Gitarre, Hammondorgel, Baß und Schlagzeug, die jeder gepflegten Bar Ehre machen würde, und die Hälfte der Zeit spricht Hanns Dieter Hüsch. Manchmal, weil er Erzählungen von Kindern spricht, die von einer Erwachsenen zu satirischen Zwecken geschrieben wurden, spricht er so, wie sich ein Erwachsener vorstellt, daß Kinder sprechen; manchmal, wenn er denkt, ich kapiere sonst den Witz nicht, lacht er, damit ich merke, hier ist jetzt der Witz. Die andere Hälfte der Zeit singt immer noch Eva Vargas. Auf ihrer nächsten Platte wird sie nur noch als Textemacherin vorkommen, fürchte ich.

Das wäre schade, denn mit ihren guten Texten kann außer ihr kaum einer richtig umgehen. Die Metaphern verkommen, wenn sie an den falschen Sprecher geraten; die Lieder werden zu Ohrwürmern, wenn ihre simplen Harmonien durch große Besetzung breitgetreten werden; der ganze aus spröder Romantik und böser Zeitkritik gemischte Zauber dieser Chansons ist hin, wenn er blank poliert und schön arrangiert daherkommt. „Manchmal höre ich die Leute klagen: es piept wohl ziemlich häufig unter ihrem Hut Soll es ruhig – bloß sollten sich Leute, bei denen es piept, nicht an die Konjunktur verkaufen. Deswegen hoffe ich, daß Eva Vargas ihre nächste Platte wieder allein macht, und bin auch bereit, darauf ein bißchen zu warten. H. S.