Von Michael Jungblut

Ed Bishop, Touristikexperte aus Miami, hatte eine Idee – er lächelte. Gouverneur Claude Kirk, das Parlament und die vielen rührigen Organisationen, die sich der wirtschaftlichen Erschließung Floridas und der Förderung des Fremdenverkehrs widmen, griffen seinen Vorschlag begeistert auf. So begann die Kampagne des Lächelns. Auf Plaketten, und Plakaten, in Schaufenstern und Vitrinen, Werbeeinblendungen des Fernsehens und auf Anstecknadeln wurden die Bewohner des Sonnenlandes aufgefordert: „Be a friendly Floridian.“

Warum sie freundlich sein sollten, wird ihnen in einer Broschüre genau erläutert: „Im vergangenen Jahr gaben 19 Millionen Touristen 4,4 Milliarden Dollar in Florida aus – und jeder von uns bekam sein Teil davon ab. Jeder Besucher, den wir durch unsere Freundlichkeit dazu bewegen wiederzukommen, läßt 250 Dollar hier. Wir glauben, daß es ein blendendes Geschäft ist, ein freundlicher Floridaner zu sein. Die Investion ist nämlich gering – ein Lächeln, ein nettes Wort, eine kleine Gefälligkeit. Der Gewinn dagegen ist phantastisch.“

Es gibt nur einen in Florida, der umsonst lächelt, die Sonne. Aber es gibt genug Leute, die daraus ein Geschäft machen. Der große Erfolg des Sumhine-State als beliebtestes Ferienland der USA ist vor allem seinem sonnigen, trockenen Klima zu verdanken. Wenn in New York, Boston oder Washington Regen und Nebel herrschen, wenn dort eisige Schneestürme durch die Straßen fegen, kann man – nur ein paar Flugstunden entfernt – in Miami, Fort Lauderdale oder Tampa neben dem Swimming-pool in der-Sonne dösen. Je nach Lust und Laune kann man aber auch angeln, reiten, segeln oder Golf spielen.

„Wir genießen das Leben das ganze Jahr in vollen Zügen. Arbeit und Erholung, work and play, lassen sich hier in idealer Weise kombinieren“, verrät der braungebrannte Manager eines Elektrokonzerns. Er kam erst vor wenigen Jahren aus dem Norden nach Florida. Jetzt kann er sich überhaupt nicht mehr vorstellen, wie er es jemals an einem anderen Ort der Welt aushalten konnte. „Es gibt kein schöneres, angenehmeres Land auf der Erde als Florida“, erklärt er mit Nachdruck und bittet darum, ihn doch Bill zu nennen.

Wenn man solche Bekenntnisse eines dollarschweren Mannes bei einem kühlen Drink, im langsam rotierenden Turmrestaurant des Hotels Pier 66 in Fort Lauderdale hört, muß man ihm einfach glauben. Während Kellnerinnen in Frack, Zylinder, knappen Höschen und Netzstrümpfen von Tisch zu Tisch eilen und eine Pianistin dem Flügel sentimentale Töne entlockt, bietet sich ein Bild paradiesischer Schönheit.

Aus einem tiefblauen Himmel gleißt die Sonne auf schneeweiße, von grünen Rasenflächen umgebene Villen. Vor den Häusern parken unter Palmen chromblitzende Limousinen, am anderen Ende des Gartens schaukeln Luxusyachten auf den Kanälen, die die ganze Stadt durchziehen. Neben jedem Haus reflektiert das hellblaue Wasser eines Swimming-pools die Sonnenstrahlen.