Von Hermann Funke

Der amerikanische Architekt Louis Kahn soll in Venedig eine Kongreßhalle für 2500 Personen und einen neuen italienischen Biennale-Pavillon bauen. Am vorigen Freitag stellte er dieses Projekt im Dogenpalast vor.

Nach Frank Lloyd Wright und Le Corbusier ist Kahn der dritte prominente ausländische Architekt, der nach dem Kriege für Venedig Entwürfe geliefert hat. Die beiden ersten starben, ohne ihre venezianischen Pläne verwirklicht gesehen zu haben. Wrights Haus am Canal Grande wird nie gebaut werden. Die Entscheidung über Le Corbusiers Krankenhausprojekt von 1964, das von einem seiner ehemaligen Mitarbeiter weitergeführt wird, soll in diesem Jahre fallen. Ich vermute: es wird auch aufgegeben. Dasselbe Schicksal – das kann man getrost jetzt schon sagen – droht auch dem neuen Projekt von Kahn.

Louis Kahn ist der Spätentwickler unter den heute berühmten Architekten. Er wurde 1901 in Estland geboren, von wo aus seine Eltern 1905 mit ihm nach Philadelphia auswanderten. Anfang der zwanziger Jahre – als das Bauhaus schon seine modernen Lehrmethoden entwickelt hatte – studierte er in Philadelphia noch ganz im überkommenen akademischen Stil an der Ecole des Beaux Arts.

Erst 1947 eröffnete er sein eigenes Architekturbüro, und erst 1954 wurde er durch seine Yale Art Gallery in New Haven bekannt. Die Türme seines Medical Research Building in Philadelphia waren die architektonische Sensation des Jahres 1960.

Louis Kahn hat eine ganze Architektengeneration übersprungen. Die Wertschätzung, die er heute genießt, wäre ohne die Wiederentdeckung der Architektur des 19. Jahrhunderts in den fünfziger Jahren nicht möglich gewesen.

Seine Kongreßhalle ist 150 Meter lang, 33 Meter breit und 25 Meter hoch – ein langes und schmales Gebäude. Diese langgestreckte Form ergibt sich aus der Lage in den Giardini, der einzigen öffentlichen Grünfläche Venedigs. Um soviel Grün wie möglich zu retten, hat Kahn die Kongreßhalle in die Achse einer Platanenallee gestellt, die parallel zur Uferstraße in das Ausstellungsgelände führt. Diese Stellung ist städtebaulich sehr geschickt, da sie vorhandene Beziehungen nicht stört, sondern steigert.