Die Redakteure von „Jasmin“, „Eltern“ und „twen“ werden zum zweitenmal innerhalb von neun Monaten ihren Arbeitgeber wechseln müssen. Hans Weitpert, Senator, Großdrucker und Verleger aus Stuttgart, will die erst im Juli vergangenen Jahres von Axel Springer gekauften Zeitschriften wieder verkaufen. Damals hatte er sie zusammen mit der Zeitschrift „Bravo“ für 75 Millionen Mark erworben und „Bravo“ gleich für 30 Millionen an den Heinrich-Bauer-Verlag in Hamburg verkauft.

Jetzt soll der Bauer-Verlag für die restlichen drei Zeitschriften des Springerschen Verkaufs rund 60 Millionen Mark bezahlen, so daß Weitpert gegenüber dem Kaufpreis von 75 Millionen etwa 90 Millionen Mark erlöst. Jedoch mußte Weitpert die Anlaufkosten von „Jasmin“ bezahlen, die auf etwa 15 bis 20 Millionen Mark geschätzt werden. Demnach dürfte der Senator kaum ein Geschäft mit dieser Transaktion gemacht haben. So halten sich auch Gerüchte, daß eine finanzielle Klemme ihn zum Verkauf gezwungen habe.

Im Juli vergangenen Jahres hatte er in einem Gespräch mit der ZEIT den Kauf der Zeitschriften damit begründet, daß es auf dem Illustriertenmarkt zu einem Meinungsmonopol gekommen wäre, wie es Axel Springer bei den politischen Tageszeitungen besitze, wenn der damals interessierte Verlag Gruner + Jahr zum Zuge gekommen wäre. Jetzt wird der Heinrich-Bauer-Verlag mit den neuen Zeitschriften zum größten Illustriertenverlag der Bundesrepublik mit einem Jahresumsatz von schätzungsweise 600 Millionen Mark.

Im Bauer-Verlag erscheinen die „Neue Revue“, „Quick“ und „Praline“. Auf dem Markt der Wochenendzeitschriften, der sogenannten Regenbogenpresse, ist Bauer mit „Neues Blatt“, „Wochenend“ und „Neue Post“ das führende Haus in der Bundesrepublik. Bisher hatte Bauer auf dem Unterhaltungssektor mit einer Gesamtauflage von 37 Millionen Exemplaren (im vierten Quartal 1968) einen – Marktanteil von 25 Prozent, der nach dem Erwerb der Weitpert-Blätter auf über 30 Prozent steigen wird.

Weitperts Partner Ernst Naumann, der mit 10 Prozent am Münchner Kindler- und Schiermeyer-Verlag beteiligt ist, in dem die zum Verkauf stehenden Zeitschriften erscheinen, verfügt über ein Vorkaufsrecht, mit dem er die Verkaufsabsichten Weitperts noch durchkreuzen kann. Wenn er Geldgeber findet, kann er die drei Zeitschriften für sich erwerben. Er hat noch drei Wochen Zeit, um dem Bauer-Verlag die Neuerwerbungen abzujagen. mh.