Von Wolfgang Rubin

Wer Fortschritt statt Stillstand, Evolution statt Revolution will, muß auch ja sagen können, muß zu vertretbaren Kompromissen bereit und damit zu rechtzeitiger mehrheitlicher Konkretisierung seiner Vorstellungen in der Lage sein. Wer keine Kompromisse kennt, jedes Entgegenkommen ablehnt, wer nur die absolute Wahrheit akzeptiert, die häufig nur die eigene verengte Wahrheit ist, taugt nicht für die Gemeinschaft, taugt nicht für die Demokratie. Wer den Konflikt um des Konfliktes, den Protest um des Protestes willen sucht, wird keine Konflikte lösen, bewirkt letzten Endes die Anarchie.

Andererseits: Empörung und Verzweiflung sind – nebenbei bemerkt in Ost wie West – verständlich angesichts einer Umwelt, deren maßgebliche Repräsentanten häufig nicht Fortschritt, nicht rechtzeitige Reformen wollen, die allenfalls von notwendigen Veränderungen reden, sie aber letztlich nicht wollen! Es sind dies häufig dieselben, die sofort Bedenken anmelden, Einschränkungen machen, mehr oder minder offen eine Verzögerungstaktik anwenden, wenn es um ihre eigenen Privilegien, die eigene, so geschätzte Position geht. Da helfen oft nur gezielte Aktionen, auch massive Pressionen, um die Aussprache, die harte Sach- und meist noch härtere Personaldebatte zu erzwingen.

Diese Gesellschaft, unser Staat, nicht zuletzt die Parteien, sie haben keine Zeit mehr zu verlieren. Der zunehmenden Malaise, der rapide anwachsenden Unruhe ist nicht länger mit Worten, sondern nunmehr mit Taten zu begegnen.