Marburg Am 18. und 19. Februar, J. A. Stargardt: „Autographen“

In der Abteilung Literatur verzeichnet der Auktionskatalog ein Brecht-Manuskript (die Schlußverse der „Mutter“, wer noch lebt, sage nicht: niemals, Schätzpreis 2500 Mark), ein Joyce-Gedicht von 1914 (4000 Mark), ein Karl-Kraus-Gedicht: Was ist / der Journalist? ... Ein unser Denken störender, mit unsern Ohren hörender... Schätzpreis 400 Mark, Löns-Gedichte kosten das Fünffache. Die kostbarsten Autographen findet man unter den Musikmanuskripten, die von der Wiener Klassik bis zu Schönberg und Dallapiccola reichen. Das wichtigste und teuerste Autograph ist eine vollständige Mozart-Partitur, Quintett in D-Dur Köchelverzeichnis 593, der Ausrufpreis beträgt 150 000 Mark.

Wuppertal Bis zum 2. März, Kunst- und Museumsuerein: „Optical Art“

Das Phänomen ist nicht mehr neu, die Op-art ist in die Jahre gekommen, ein ausgereifter Stil, die Zeit der Pioniere ist vorbei. Die meisten der 24 in Wuppertal versammelten Künstler haben Mitte der fünfziger Jahre mit ihren Untersuchungen angefangen, die, summarisch auf Stimulierung und Intensivierung, auch auf Provokation des Auges hinauslaufen. Der Sehvorgang selber wird zum Thema, nach der strengen Op-art-Doktrin sogar zum alleinigen Thema. „Ein Pensum wird vorgeführt und durch den Akt des Sehens erledigt“ (Werner Spies). Die Arbeit mit dem Lehrbuch der Physik, Farbenlehre, Entstehung, Mischung der Farben und simultane Farbwirkungen sowie das umfangreiche Kapitel der optischen Täuschungen wäre verhängnisvoll, wenn sich die Künstler der Op-art, oder doch die Mehrzahl unter ihnen, nicht über die theoretischen Hürden hinwegsetzen könnten. Op-art lebt aus der Diskrepanz ihrer theoretischen Fundierung und der künstlerischen Praxis. Theoretisch bleiben ihre Werke anonym. In der Praxis behaupten sie ihre individuelle Eigenart, niemand wird einen Vasarely mit Albers oder Mavignier oder Bridget Riley oder Fangor oder Julio le Parc verwechseln können. Im übrigen ist Op-art schwer abzugrenzen und zu isolieren, weil sie nach rückwärts mit dem Konstruktivismus zusammenhängt, nach vorn in die Kinetik übergeht. Günter Aust hat für die Wuppertaler Ausstellung eine diskutable Lösung gefunden. Er hat, anders als bei der historischen New Yorker Ausstellung „Responsive Eye“, auch kinetische Kunst zur Op-art zugelassen, soweit sie es mit virtueller, durch den Standortwechsel des Betrachters, nicht durch Eigenbewegung der Objekte entstehende Bewegung zu tun hat. Soto ist dabei, nicht Schoeffer, und von le Parc sieht man keine kinetischen Apparaturen, sondern statische Systeme, die „Formes virtuelles par deplacement du spectateur“. Kann man aber Glas- und Spiegelobjekte undifferenziert der Op-art zuschlagen? Die Glasobjekte von Duarte mit ihren variablen Kombinationen gebündelter Strahlungen sind hier richtig und überzeugend placiert. Luther und auch Megert dagegen reflektieren das reale Gegenüber und bringen damit ein Moment ins Spiel, das dem extrem abstrakten Charakter der Op-art widerspricht.

Weiterhin im Programm:

Düsseldorf Bis zum 23. Februar, Städtische Kunsthalle: „Minimal Art“

Wieder einmal bestätigt sich, daß aktuelle Kunstdarbietungen („Verrenkungen“ sagen die Heidelberger Kulturrevolutionäre) von der Bevölkerung kaum bemerkt werden. Bei Moore, auch bei Niki de Saint Phalle war Hochbetrieb in der Kunsthalle, bei der Minimal Art indessen gähnende Leere. Der frenetische Diskussionseifer hat sich leider schon am Eröffnungsabend verbraucht.