In weiser Vorausschau hat die Verwaltung der Rheinisch Westfälischen Elektrizitätswerk AG; Essen, in ihrer Kasse erhebliche Liquidität angesammelt. So war es kein Problem, eine gute Schachtelbeteiligung an dem einige Straßenzüge weiter residierenden großen Kohle- und Ölnachbarn, der Gelsenkirchener Bergwerks-AG, zu kaufen. Von der Dresdner Bank erwarb das RWE rund 35 Prozent des Kapitals der GBAG zum Kurs von 240 Prozent. Für Aktien im Nennwert von rund 70 Millionen Mark mußte das RWE also mehr als 400 Millionen Mark bezahlen.

Die gegenwärtige Konzernpolitik erschöpft sich jedoch, wie die RWE-Verwaltung erklärte, keineswegs in der Liebe zu dem großen Nachbarn. Die Vorsorge für die Zukunft zielt vielmehr noch nach zwei anderen Richtungen. Einmal sollen die Braunkohlenkraftwerke schnell und großzügig ausgebaut werden. Zum anderen erstrecken sich die unternehmenspolitischen Überlegungen in Essen auf die Kernenergie, an die der RWE-Vorstand in den vergangenen Jahren nur behutsam, für manche Beobachter und Aktionäre zu behutsam, herangegangen ist. Außer dem seit Ende 1966 in Betrieb befindlichen Atomkraftwerk in Gundremmingen sollen nun zwei weitere große Kernkraftwerke in den nächsten Jahren im süddeutschen Raum gebaut werden. Die Größe der Kraftwerksblöcke wird dabei nochmals auf 600 Megawatt verdoppelt, wodurch die Wirtschaftlichkeit sich weiter erhöht.

Auch für dieses recht kostspielige Investitionsprogramm der nächsten Jahre glaubt die Verwaltung im wesentlichen mit eigenen Mitteln auskommen zu können. Bereits im laufenden Jahr ist im gesamten RWE-Konzern mit etwa einer Milliarde Sach-Investitionen zu rechnen, 1969/70 wird noch einiges dazu kommen. Aber an eine Kapitalerhöhung wird zur Zeit noch nicht gedacht. hd.