Das Auswärtige Amt hat zwei seiner Botschafter in ungewöhnlich schroffer Weise gemaßregelt. Dem NATO-Botschafter Wilhelm Grewe und dem Abrüstungsbeauftragten, Botschafter Swidbert Schnippenkötter, wurden „bis auf weiteres“ jede Äußerungen über den Atomsperrvertrag verboten.

Beide, Grewe und Schnippenkoetter, haben – wie schon zuvor – auf der Wehrkundetagung in München ihrer Kritik an diesem Vertrag einen gedanklich fundierten Ausdruck gegeben. Sie taten dies, obgleich sich Bundesaußenminister Brandt – aus politischer Einsicht – gerade für die deutsche Unterschrift unter den Vertrag ausgesprochen hatte.

Das Auswärtige Amt bezeichnet dies als einen „unerhörten Vorgang“. In der Tat ist es unerhört, daß zwei Botschafter, die ohne klare Weisungen sind – der Kanzler erklärt sich gegen den Vertrag, der Außenminister (im SPD-Pressedienst) dafür –, gerügt werden, während Baron zu Guttenberg, der Staatssekretär im Bundeskanzleramt, auf eben derselben Tagung seine Ablehnung des Vertrages ohne jede Konsequenz darlegen darf.

Wenn die Regierung der Großen Koalition Loyalität von ihren Beamten verlangt – und deren Verletzung ahndet –, dann wäre es wohl tunlich, daß sie den Beamten erst einmal verbindlich darlegt, was sie eigentlich will. H.G.