Die Stern-Brauerei Carl Funke AG, Essen, will als erste Brauerei eine deutsche Biermarke herausbringen. Sie kommt damit anderen Interessenten zuvor, insbesondere der sich seit einiger Zeit ebenfalls im Biergeschäft tummelnden Reemtsma-Gruppe. Das neue Bier von Funke soll „Stern-Pils“ heißen.

Der Funke-Plan läßt sich deshalb rasch verwirklichen, weil die Essener Brauerei darauf verzichtet, im Bundesgebiet eigene Brauereien zu errichten oder zu kaufen; sie will mit fremden Brauereien einfache Lizenzverträge abschließen. Mit drei in Baden-Württemberg gelegenen Brauereien ist das bereits gelungen. Wer in Süddeutschland Fuß fassen will, kommt nicht um die Vertriebshilfe ortsansäßiger Brauereien herum, weil es dort kein engmaschiges Netz von Biergroßhändlern gibt.

Die Funke-Brauerei übernimmt für ihre Lizenznehmer die Werbung und die Verkäuferschulung. Erst wenn die Produktion richtig angelaufen ist, werden Lizenzgebühren fällig. Für das erste Jahr rechnet der Essener Vorstand mit fünf Millionen Mark Einführungskosten; immer noch erheblich billiger als der Aufbau oder die Übernahme von Braustätten, für die trotz einer Abkühlung des Konzentrationsklimas auch heute noch Phantasiepreise gezailt werden müssen.

In der Brauwirtschaft selbst wird der Funke-Plan mit Skepsis betrachtet. Zwei Bedenken werden angemeldet. Die Qualität eines Bieres hängt weitgehend vom Wasser ab. Seine Güte ist regional unterschiedlich und beeinflußt den Geschmack. Es genügt eben nicht, das Braurezept an die Lizenznehmer weiterzugeben, um ein geschmacklich einheitliches Bundesbier zu bekommen. Doch dieses Problem haben die anderen Bundesbier-Planer ebenfalls noch zu lösen.

Schwerer wiegt der Verzicht auf jegliche Qualitätskontrolle, die von manchen Brauereien so streng ausgeübt wird, daß sie nicht einmal Bierverlegern das Abfüllen von Tanks in Flaschen gestatten wollen. Der harte, teilweise sogar ruinöse Wettbewerb der Brauereien scheint jedoch mehr und mehr dazu zu zwingen, auf diesen Stolz zu verzichten. Es gilt bereits als sicher, daß andere Braugruppen dem Stern-Beispiel folgen werden;

Deshalb kommt es der Stern-Brauerei darauf an, möglichst rasch ihre Pläne zu verwirklichen. Untermauert werden sie durch den Aufbau einer eigenen Gaststättenkette, die von Flensburg bis Rosenheim reichen soll. Die einzelnen Gaststätten werden im Bereich der Lizenznehmer entstehen: Gleiches Niveau, gutes Essen.

Die Funke-Gruppe wird nicht nur auf die Konkurrenz künftiger Nachahmer stoßen, sondern auch auf die Abwehr der eingesessenen Brauereien, die schon heute ihre Not haben, die Kapazitäten voll auszunutzen. Trotz aller Anstrengungen ist der Bierausstoß im Braujahr 1967/68 (30. 9.), nur um 1,9 Prozent auf rund 79 Millionen Hektoliter gestiegen. Im Zuge der sich verbessernden Konjunktur (höhere Arbeitnehmereinkommen) kann das Ergebnis 1968/69 etwas besser werden. Doch das hängt wesentlich von der Witterung ab. Andererseits schränkt die Herabsetzung der zulässigen Promille-Grenze für Autofahrer den Bierkonsum weiter ein. In der Brauwirtschaft ist man sicher, daß noch manche Brauer aufgeben müssen. Und ob sie sich so teuer verkaufen können wie bisher, erscheint zweifelhaft. kw.