Die französischen Wähler werden noch in diesem Frühjahr in einem Referenz dum über eine Reform der Regionalverwaltung und über die Transformation des Senats, der zweiten Kammer des Parlaments, abstimmen. Das hat Staatspräsident de Gaulle am vorigen Wochenende in einer öffentlichen Rede zu Quimper bekanntgegeben, mit der er einen dreitägigen Besuch der Bretagne abschloß.

Zum zweitenmal seit 1962, als über die Direktwahl des Staatspräsidenten entschieden würde, beabsichtigt der General also, eine Verfassungsänderung unter Umgehung der ersten Kammer, der Nationalversammlung, durchzusetzen. Eine Volksabstimmung über die geplanten Reformen hatte er schon während der Mai-Unruhen des vorigen Jahres angekündigt, dann aber wieder abgesagt.

Die Regionalreform soll den zentralistischen Staatsaufbau Frankreichs wandeln und nach dem Willen de Gaulles „alle am – Leben des Staates beteiligen“. Seine Pläne, die in der Bevölkerung populär sind, stießen bei dem Sozialistenführer Mollet auf scharfe Kritik („falsche Regionalisierung, falsche Partizipation, ein verfälschtes Referendum!“), bei Jacques Duhamel, Chef des demokratischen Zentrums, auf Reserve und fanden auch in der Öffentlichkeit ein geteiltes Echo.

Denn jede Region erhält zwar ein Recht auf Eigenentwicklung, aber nur innerhalb der nationalen Planifikation. Die neu zu bildenden Regionalversammlungen sollen keine gesetzgeberischen, sondern nur erweiterte Verwaltungsfunktionen ausüben. Sie dürfen nicht einmal ihre eigenen Präsidenten wählen. Als Exekutivorgane handeln auch weiterhin die Präfekten, also Beamte der Pariser Zentralbehörden.

Trotz seiner eher mageren – Reformrede, die er mit der Zusage eines wirtschaftlichen Aufbauprogramms für die Bretagne würzte, verlief de Gaulles Auftritt in Quimper fast störungsfrei; nur in Rennes und Brest hatten rebellische Bretonen heftig demonstriert. Die westlichste Provinz Frankreichs gilt als unterentwickeltes Gebiet, in dem eine aktivistische Freiheitsbewegung rumort. In Quimper konnte de Gaulle die Bretonen allerdings bewegen, mit ihm die Nationalhymne zu singen.