DIE ZEIT

Platzpatrone

Bundesinnenminister Benda, der für seinen Verbotsantrag gegen die NPD im Kreise seiner Kollegen bisher keine Zustimmung fand, hat sich vom Kabinett ermächtigen lassen, beim Bundesverfassungsgericht gegen den Verlag der "National-Zeitung" und ihren Herausgeber Gerhard Frey ein Verfahren auf Verwirkung des Grundrechts der Meinungs- und Pressefreiheit anzustrengen.

Reise ins Blaue

Seine erste Auslandsreise wird den neuen US-Präsidenten in die Alte Welt führen. Das ist eine Demonstration. Mit der Ära Johnson sind auch die langen Jahre amerikanischer Europa-Blindheit zu Ende gegangen.

Sperrfeuer gegen den Sperrvertrag

In den letzten zwei Jahren hat die Bundesregierung bei der Behandlung des Atomsperrvertrags eine gute Figur gemacht: viele Wünsche durchgesetzt und nichts verschüttet.

Berliner Poker

Die Einberufung der Bundesversammlung nach Westberlin war ein Vabanquespiel. Der Einsatz war nicht gering, die Gewinnchance gleich null, die Verlustchance beträchtlich.

ZEITSPIEGEL

"Jede kritische Stimme wird ständig bedroht und ständig so interpretiert, daß alle Kritik den Charakter einer verbotenen Handlung bekommt.

Krise der Krise

Während die meisten unserer Fabriken auf Hochtouren laufen, liegt ein Industriezweig ziemlich darnieder. Das ist die Krisen-Industrie, die einmal Weltgeltung besaß.

Der veraltete Erneuerer

Selbst wenn das Zusammenrücken Englands mit dem Kontinent nicht mehr unter seiner Ägide kommt, so wird er doch der Mann bleiben, der die britische Politik schließlich unter dieser ungewohnten Fahne vereinte.

Opas Parlament?

Die heftige Erregung über den Fall Gerstenmaier hat uns nicht zum Bewußtsein kommen lassen, daß der Kern des Problems beim Bundestag liegt, nicht bei seinem Präsidenten.

Echo auf Sacharow: Das "ansteckende" Memorandum

Das Sacharow-Memorandum, dessen Zentrale gedanke auf die Konvergenz von Kommunismus und kapitalistischen Systemen zielt, hat das Establishment der sowjetischen Kommunistischen Partei in tiefe Unruhe versetzt.

Rätselraten in Moskau: Die Machtfrage: Wer - wen?

Das Schulungsblatt für sowjetische Parteifunktionäre, "Partinnaja Shisnj", lud seine Leser (darunter die Kremlologen der ganzen Welt) zum Rätselraten ein, als es Anfang dieses Monats offenbar einem prominenten Kreml-Mächtigen ins Stammbuch schrieb: "Ein Parteiführer ist kein Alleinherrscher.

Ende der Kulturrevolution: Zieht Mao sich zurück?

Es sieht so aus, als werde China im Jahre 1969 ein ganz anderes Bild bieten als in den letzten beiden Jahren, den Jahren der Großen Kulturrevolution – jedenfalls für den Mann auf der Straße, für das Volk, das nichts anderes will als wieder ein bißchen Frieden, um ein normales Leben zu führen.

Nixons Brain-Trust

Zu seiner Personalpolitik: In den ständigen administrativen Unterbau des Nationalen Sicherheitsrates, der wie seinerzeit unter Eisenhower aktiviert und als engerer Kabinettsausschuß an der Formulierung der wichtigen nationalpolitischen Entscheidungen beteiligt wird, sind neben den Chefberater des Präsidenten, Henry Kissinger, und seinen außenpolitischen Hauptratgeber im Wahlkampf, Richard Allen, inzwischen noch getreten: der bisherige Direktor für die diplomatische Analyse sowjetischer Angelegenheiten im State Department, Helmut Sonnenfeldt, und der bisherige Leiter des Washingtoner außenpolitischen Forschungszentrums, Professor Robert E.

Kulinarischer Kommunismus

Luigi Longos Parteitag der KPI: Abkehr von der Breschnjew-Doktrin – Aufruf zum Klassenkampf

Die kalkulierte Rebellion

Die Abstimmung der CDU/CSU-Fraktion über die Nachfolge Gerstenmaiers brachte es an den Tag: Unter den Christlichen Demokraten gibt es eine Gruppe jüngerer Abgeordneter, die sich durch Alter, Würde und politisches Verdienst nur wenig beeindrucken lassen.

Frankreich und die EWG: Drohung mit der Krise

Paris, und London: tragen derzeit erbitterte Kulissengefechte aus. Zuweilen erschöpft sich die Auseinandersetzung in kleinlichem Verfahrensgeplänkel – das war bei der Luxemburger Tagung der sieben Staaten der Westeuropäischen Union der Fall.

Das Athener Militärregime will weiter Mitglied des Europarats bleiben. Jegliche Kritik weist es als kommunistische Propaganda zurück. Aber die Europäische Versammlung bleibt dabei: Das heutige Griechenland gehört nicht in die Gemeinschaft In zwei Artikeln schildert unser Athener Mitarbeiter das Hellas der Putsch-Obristen.: In Hellas regiert der Kommiß

Ihren Militärputsch vom 21. April 1967 rechtfertigen die Athener Obristen noch heute mit drei Argumenten: das Land sei in seinem Bestand durch den Kommunismus, durch eine wirtschaftliche Krise und durch hemmungslose Parteienwirtschaft wie Korruption gefährdet gewesen.

Zum Fürchten war kein Anlaß

Weil der AStA der Hamburger Universität dem Rektor nicht zusichern wollte, daß der Lehrbetrieb im Gebäude der Philosophischen Fakultät bis zum Semesterende ungestört verläuft, so als sei nichts geschehen, ist der Philosophenturm immer noch zugesperrt: Hinter den gläsernen Drehtüren sieht man Stacheldraht ausgerollt und Polizisten patrouillieren, mit weißen Dienstmützen auf dem Kopf und dem "Berliner Helm" in der Hand.

Staatspreise – nicht nur für Staatspreiser

In der letzten Ausgabe der ZEIT interviewte Nina Grunenberg den Schriftsteller H. GünterWallraff, der im letzten Jahr den Düsseldorfer Fördererpreis für Literatur erhalten hatte.

Lokaltermin bei Erhard

Auf offizielle Einladungen war verzichtet worden. Kommen durfte, wer sich zu den Getreuen zählte, und frei blieb es denen, die das Datum noch im Terminkalender stehen hatten.

Redakteure proben den Aufstand

Rund 50 Redakteure der liberalen und angesehenen "Süddeutschen Zeitung" in München proben den Aufstand. Sie sind sauer, daß sie von ihrer Verlagsleitung und der Chefredaktion im unklaren darüber gelassen wurden, welche Rolle fortan Hans Heigert (44), Vater von fünf Kindern, und bisher Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens, in ihrem Blatt spielen soll.

Recht in unserer Zeit: Arbeit ist nicht gleich Arbeit

Strafgefangene, die eine Gefängnisstrafe verbüßen, dürfen arbeiten, verbüßen sie eine Zuchthausstrafe, so müssen sie es. Für die Arbeit erhalten sie in beiden Fällen ein Taschengeld, bei Fleiß und Sparsamkeit setzt es sie in den Stand, mit 40 Mark ein neues Leben zu beginnen.

KPI verurteilte Invasion

Knapp drei Monate vor dem Moskauer KP-Welttreffen ist die Besetzung der ČSSR und die Breschnjew-Doktrin von der "beschränkten Souveränität" der sozialistischen Länder in kommunistischen Lager weiterhin heftig umstritten.

Kraftprobe um Berlin

Trotz der jüngsten Pressionen Ostberlins soll die Wahl des Bundespräsidenten am 5. März in Westberlin stattfinden. US-Präsident Nixon wird seinen Europa-Reiseplan nicht ändern und die Stadt eine Woche vor dem umstrittenen Wahlgang besuchen.

Dokumente der ZEIT

Ich gehe von der Arbeits-Hypothese aus, daß auch die Zerstörungen des 21. August 1968 eines Tages beseitigt sein werden. ...

Gerüchte über Breschnjew

In Moskau wollen die Gerüchte über eine bevorstehende Machtverschiebung innerhalb der Kreml-Führung nicht verstummen. Anlaß dazu hatte zunächst die lange Abwesenheit Ministerpräsident Kossygins gegeben.

Wilsons Reise an Rhein und Spree

Der britische Premierminister Harold Wilson traf am Dienstagabend auf dem Flughafen Wahn zu einem dreitägigen Besuch in Bonn und Westberlin ein.

Pause in Paris

Während in Saigon bei Wochenbeginn die Furcht vor einer neuen Tet-Offensive des Vietcong stieg – die letzte vor genau einem Jahr hatte Zehntausende von Toten gefordert, 98 Städte, Dörfer, – und Stützpunkte verwüstet und die Siegeshoffnungen der Amerikaner endgültig zermürbt –, hat die Pariser Friedenskonferenz ihre erste Verhandlungsrunde abgeschlossen.

Brandt bei Zarapkin

Das Rätselraten um den Inhalt der jüngsten sowjetischen "Mitteilung" zum Atomwaffensperrvertrag hielt noch an, als Bundesaußenminister Brandt am Dienstag einer Einladung des Bonner Sowjetbotschafters Zarapkin folgte: Zusammen mit seiner Frau nahm er an einem Mittagessen in der Botschaft zu Rolandseck teil.

"Wir bleiben in Jerusalem"

Jerusalem und Kairo haben erneut ihre Friedensvorstellungen skizziert – ohne daß damit der Frieden im Nahen Osten nähergerückt wäre.

Elefanten-Etüde

Dem deutschen Theater fehlt es an Größe. Das hat viele innere Gründe, die nicht leicht zu beseitigen sind. Aber es muß einmal gesagt werden, daß der Aufschwung zur Größe auch an äußeren Hindernissen scheitert, an der kleinkarierten Bürokratie von Banausen.

Wozu das viele Theater?

In Deutschland neigt man dazu, aus Zufällen Systeme zu machen. (Dieser Satz ist selbst ein halbwegs brauchbarer Beleg dafür.

Besson macht’s möglich

Die beiden "BB", Bertolt Brecht und sein Meisterschüler Benno Besson, haben nach der Zürcher Uraufführung der "Turandot" keine allzu freundliche Presse gefunden.

Zwei kleine Schritte zum Nationaltheater

Diesen Aufsatz wollte ich eigentlich erst schreiben während der Probenzeit zu Schillers "Don Carlos" etwa, wenn ein junger afrikanischer Regisseur mir dann in seiner Muttersprache die Rolle des Großinquisitors zu erklären versuchen würde.

Wie Dürrenmatt den Strindberg änderte

Das Basler Theater hatte unter seinem neuen Intendanten Werner Düggelin zum zweitenmal eine "Uraufführung", für die Friedrich Dürrenmatt verantwortlich zeichnete, obwohl im ersten Falle das Stück von Shakespeare stammte ("König Johann") und jetzt August Strindbergs "Totentanz" den Ausgangspunkt bildete.

Vom Zeitstück zum Krimi

An Julius Hay, dem 69jährigen, im Schweizer Exil lebenden Ungarn, läßt sich beobachten, wie Zeitstücke zu Repertoirestücken werden.

Lebenslüge im Garten beigesetzt

Vor wenigen Wochen bauten die Münchner Kammerspiele Albees "Kiste" auf die Bretter ihrer Werkraumbühne. Jetzt griffen sie, wiederum mit Albee, in die Mottenkiste eines mittels "Lebenslüge" aufgepulverten Boulevardstücks: "Alles im Garten" zeigt auf frappante Weise, was aus Ibsens Wildente im Laufe der Jahre geworden ist.

Musik unserer Zeit: Im Sitzen und im Stehen

Bei Stockhausens neuem Werk "Aus den sieben Tagen" sitzen sie, die sechzehn Damen und Herren der Stuttgarter Schola Cantorum, obwohl es nur acht Minuten dauert (nicht das Stück, sondern die kleine Auswahl, die sie boten); Kagels "Hallelujah" dagegen, obgleich fast dreimal so lang, wird stehend uraufgeführt.

Kunstkalender

und Buchstaben auch noch ihre typographische Qualität, und es ist nur konsequent, daß Kolář auch Landkarten, Notenpartituren, Illustriertenphotos verwendet, weil die Papierfetzen keine andere Funktion erhalten, als eine Bildfläche zu strukturieren.

Helmut Andreas Peter Grieshaber wird sechzig

Allenthalben werden Ausstellungen eröffnet, HAP Grieshaber 60, in Braunschweig zeigt man ausschließlich Blätter aus Braunschweiger Privatbesitz, nur eine Auswahl, weil allein in Braunschweig viel mehr vorhanden ist, als sich in einer Ausstellung zeigen läßt, so hoch steht Grieshaber bei Sammlern, und nicht nur bei Braunschweiger Sammlern, im Kurs.

Gerhard Marcks wird achtzig

Er gilt als ein enorm konservativer Mann, in seiner Arbeit und in seinen Ansichten. Seit seinen Berliner Lehrjahren, unter Scheibe und Kolbe, fühlt er sich einer Tradition verpflichtet, die nach Griechenland reicht: "Hellas ewig unsre Liebe".

FILMTIPS

"Chronik der Anna Magdalena Bach", von Jean-Marie Straub. "Gertrud", von Carl Theodor Dreyer. "2001: Odyssee im Weltraum", von Stanley Kubrick.

Fernsehen: Schludrig

Die Sendung hieß Zu zeigen, was uns teilt, kam aus Hamburg und war so schlecht wie ihr Titel. Gemeint war offenbar: Wenn ostdeutsche Bühnen auf westdeutscher Szene agieren, dann tun sie es nicht, um den Brüdern und Schwestern Gemeinsamkeiten sichtbar zu machen, sondern sie spielen nur deshalb, um zu zeigen, was uns Deutsche trennt.

ZEITMOSAIK

Wir sollen von unserer Freiheit reden, je lauter, um so lieber, und wenn wir nicht vor Freiheit reden, so nur, weil die Regierunger.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Olivier Messiaen: "Sept Haikai" und Arnold Schönberg: "Kammersymphonie op. 9 / Drei Orchesterstücke"; Yvonne Loriod (Klavier), Orchester der Domaine Musical, Leitung: Pierre Boulez; harmonia mundi 30 841, 25,– DM.

Die Kunst der Kommissare

Wenn es hoch kommt, gibt es Ansätze zu einer Methodik, über Kunst zu schreiben: Ansätze, nicht mehr. Wer versucht, Kritik der Kunstkritik zu üben, geht mit einer Gießkanne durch die Wüste.

ZU EMPFEHLEN

ES ENTHÄLT 49 Gedichte aus dem bisher letzten Lyrikband von Ritsos, der 1966 herauskam, nebst wohlwollenden Begleittexten von Max Frisch und Eleni N.

Ein Anti-Adenauer aus Köln?

Man merkt es den Memoiren an, die jetzt auf den Markt kommen, daß die Zeitgeschichte, die Epoche der Mitlebenden, wie Hans Rothfels sie genannt hat, weitergeht.

Heuss über Hitler

Theodor Heuss hat seine historisch-politische; Studie über Hitlers Weg aus dem Jahre 1932 niemals verleugnet. Sie erschien, ihm aber auch nicht so bedeutsam, daß er nach dem Kriege eine Neuauflage der Schrift wünschte.

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