Die Konkurrenz ist hart und der Silberpreis hoch. Der größte europäische Photokonzern, die deutsch-belgische Agfa-Gevaertr-Gruppe, weiß ein Lied davon zu singen. In den letzten drei Jahren stieg der Umsatz zwar um rund 16 Prozent auf fast anderthalb Milliarden Mark. Aber das Ergebnis lag mit lediglich 14 Millionen Mark, also noch nicht einmal 0,1 Prozent des Umsatzes, um nahezu 70 Prozent unter dem Gewinn des Vergleichsjahres 1964/65.

Hauptschuld daran trägt nach Meinung der Verwaltung der Silberpreis. Er verteuerte sich seit 1966 um nahezu 80 Prozent. Doch Silber ist nun einmal der wichtigste Rohstoff der Photochemie. Agfa-Gevaert benötigt von diesem „teuren“ Metall jährlich rund 5500 Tonnen. Und ein Ersatz dafür ist weit und breit noch nicht zu sehen. Kein Wunder, daß der zehnköpfige deutsch-belgische Vorstand nicht zufrieden ist. Er hofft, daß diese unliebsame Entwicklung bald zum Stillstand kommt. Auch die Silberpreise können nicht in den Himmel wachsen. Die hohen Preise treffen die fünfzigprozentige Bayer-Tochter, die in der Bundesrepublik bei Filmen einen Marktanteil von rund 60 Prozent hat, um so härter, als gerade der Photochemiesektor bisher den Gewinn brachte. Denn im Kamera-Geschäft ist man schon seit Jahren unterbelichtet.

Seitdem billige Apparate aus Hongkong importiert werden und der größte Konkurrent und führende Weltphotokonzern, Eastman Kodak, die Instamatic-Serie einführte, sind Agfa-Kameras nicht mehr so gefragt. Die beiden Hauptverwaltungen in Leverkusen und Mortsel-Antwerpen zogen daraus die Konsequenz: das Kamerawerk München wird umstrukturiert.

Schon jetzt bilden Photoapparate nicht mehr die größte Produktgruppe, wie sie noch vor wenigen Jahren taten. Laborgeräte, Röntgen-Entwicklungsmaschinen, Lese- und Bürokopiergeräte, Kleinst-Meß- und Anzeigeinstrumente sind die neuen Stars. 1968 wurde die Geräteproduktion erstmals verdoppelt, 1969 wird sie nochmals um 100 Prozent zunehmen. Die Bedeutung des Kamerasektors schwindet dementsprechend. Allerdings: in Leverkusen wurde versichert, an eine Einstellung der Produktion von Kameras sei nicht gedacht. eh.