Das Glück einer heimlichen Verlobung war den Konzernen Mannesmann und Thyssen nicht beschieden. Kaum hatten sich die Vorstände hinter verschlossenen Türen über den Zusammenschluß ihrer beiden Röhrenwerke im Grundsatz geeinigt, da gab es bereits die ersten Schlagzeilen.

Die Börse hatte „geplaudert“, und die Aufsichtsräte mußten die ersten Mitteilungen über die bevorstehende Ehe der beiden großen Röhrenhersteller Mannesmann und Thyssen-Rohr sogar der Presse entnehmen.

Auch die Konzernvorstände hätten offensichtlich lieber etwas mehr Zeit gehabt. Sie mußten ihren in den Details noch keineswegs fertigen Plan vorzeitig bekanntgeben.

Tatsächlich ist wohl noch nie eine Verflechtung von zwei großen Konzernen in so kurzer Zeit vorbereitet worden. Die Idee zu diesem neuen Kooperationsmodell ist kaum drei Wochen alt.

Die neue Mannesmannröhren Werke AG in der die Röhrenwerke von Thyssen und Mannesmann zusammengefaßt werden sollen, wird zu zwei Drittel Mehrheitsbesitz von Mannesmann.

Für den Thyssenkonzern ist ein ansehnlicher Ausgleich für den Verzicht auf die Tochtergesellschaft Thyssen-Rohr vorgesehen. Mannesmann behält seine Stahlbasis, lediglich für die Herstellung von Röhrenvormaterial. Die übrigen Walzstahlwerke von Mannesmann werden von Thyssen übernommen. Rund 3500 Arbeitnehmer wechseln von Mannesmann zu Thyssen.

Das Konzept ist einleuchtend: der Mannesmann-Konzern beschränkt sich auf die Schwerpunkte Röhren und Weiterverarbeitung und kontrolliert mit der Mannesmannröhren Werke AG, praktisch den gesamten deutschen Röhrenmärkt.

Daß die jetzt konzipierte Arbeitsteilung ein erster Schritt auf dem Weg zu einer echten Fusion von Thyssen und Mannesmann sein könnte wird von beiden Konzernleitungen energisch bestritten. nmn.