In der westlichen Welt wächst das Spekulationsfieber. Mit dem Ausbleiben großer Wirtschaftskrisen, mit dem Fehlen spektakulärer Konzernzusammenbrüche, als deren Folge die Anleger ihr Vermögen eingebüßt hätten, tritt der Faktor Sicherheit und Risikoausgleich immer mehr in den Hintergrund. Er wurde verdrängt durch das forcierte Gewinnstreben, das zahlreiche Investment-Fonds zu reinen Spekulationsklubs werden ließ.

Viele Sparer sind heute der Ansicht, daß sich die westliche Welt große Finanzskandale mit verheerenden Folgen für die Wirtschaft eines Landes allein schon aus politischen Gründen nicht mehr leisten kann. Wo viele Tausende von Arbeitsspitzen auf dem Spiel stehen, wo ebenso viele Kleinaktionäre ihr Geld verlieren könnten, werden heute die Fehler und Versäumnisse eines Management mit dem Mantel staatlicher Unterstützung zugedeckt. Das ist nicht nur bei uns, sondern auch in anderen Ländern so.

Deshalb sollte jedoch niemand meinen, die Geldanlage sei heute eine Sache ohne Risiko. Aber wenn heute jemand hohe Gewinne verspricht, braucht er um Geldgeber nicht mehr verlegen zu sein. Der Grundsatz, erst prüfen – und dann investieren, ist inzwischen von vielen Leuten über Bord geworfen worden.

In den USA entstand in den letzten, Jahren ein Investment-Typ, der unter dem Namen Go-Go-Fonds läuft. Er ist agressiv (= spekulativ), immer auf der Suche nach Papieren mit überdurchschnittlichen Kurschancen, schichtet sein Portefeuille ständig um, bestrebt, seinen Anlegern hohe Gewinnsteigerungen vorweisen zu können. Denn diese sind wiederum die Voraussetzung für einen flotten Neuabsatz der Anteile, für das Wachsen des Fonds und damit für steigende Einnahmen seiner Manager.

Hier liegt auch der Ausgangspunkt für die Immer wieder angestellten kurzfristigen Erfolgsvergleiche der einzelnen Fonds. Wer innerhalb kurzer Zeit einen sensationellen Anstieg der Fonds-Abgabepreise vorzuweisen vermag, wer einmal ganz oben in der Erfolgsliste gestanden hat, kann mit einem automatischen Zulauf neuer Interessenten rechnen. Die Anlageberater haben es dann leicht, Abschlüsse für „Erfolgsfonds“ zu tätigen, solange sie Erfolgsfonds sind. Spitzenreiter können in der Regel nur kleine Fonds sein. Sobald Hunderte von Millionen Dollar bewegt werden müssen, wird jeder Fonds schwerfällig; ob damit auch schlechter, steht auf einem anderen Blatt. Denn große Fonds sind zur Solidität gezwungen. Manipulationen „am Rande der Legalität“, um die Kurse der im Fonds enthaltenen Aktien nach oben zu treiben, sind bei großen Fonds sinnlos, weil die Auswirkungen auf den Ausgabepreis gezwungenermaßen nur gering sein können.

Was aber bei kleinen Fonds geschehen kann, zeigt das Beispiel des amerikanischen Mates-Fund, nach seinem 36jährigen Gründer Fred S. Mates genannt. Der Mates-Fund erzielte innerhalb einer knappen Jahresfrist eine Wertsteigerung von 153 Prozent. Dieser Erfolg zog die Geldgeber an. Innerhalb kurzer Zeit hatte Mates rund 30 Millionen Dollar zu verwalten.

Auf soviel Erfolg war er nicht eingestellt. Im Sommer vergangenen Jahres stellte er den Verkauf seiner Anteile „aus technischen Gründen“ ein. Wer aber als Fonds-Manager freiwillig auf den Zufluß neuer Mittel verzichtet, begibt sich in eine heikle Situation. Ohne laufende Einnahmen aus dem Verkauf von Anteilen ist ein Fonds nur dann in der Lage, den zugesagten jederzeitigen Rückkauf von Anteilen vorzunehmen, wenn er entweder ausreichende Gelder in der Kasse hat oder sofort Effekten aus seinem Portefeuille verkaufen kann. Liquidität bedeutet für einen Fonds, namentlich für einen agressiven, entgangene Kursgewinne; und Verkäufe zu einem Zeitpunkt, der nicht vom Management, sondern von den sich vom Fonds abkehrenden Anlegern bestimmt wird, können verlustreich sein. Aus den Erfahrungen deutscher „Schrumpffonds“ wissen wir, wie schwer es ist, eine erfolgreiche Anlagepolitik zu betreiben, wenn dem Fonds ständig Mittel entzogen werden.