Jerusalem und Kairo haben erneut ihre Friedensvorstellungen skizziert – ohne daß damit der Frieden im Nahen Osten nähergerückt wäre. Ministerpräsident Eschkol erklärte in einem Interview mit dem amerikanischen Nachrichtenmagazin „Newsweek“: Israel werde Jerusalem und die syrischen Golan-Höhen nie wieder freigeben. Über alle anderen Fragen, einschließlich des Flüchtlingsproblems, werde es indessen mit den Arabern – notfalls auch mit der Terrororganisation „Al Fatah“ – „flexibel“ verhandeln. Ansprüche auf die jordanischen Westgebiete bestünden nicht, doch müsse der Jordan zur israelischen „Sicherheitsgrenze“ werden. Eschkols letztere Äußerung löste in Jerusalem eine Koalitionskrise aus.

In der vorigen Woche hatte bereits Staatspräsident Nasser in „Newsweek“ erklärt: Ägypten wolle mit den Israelis bei deren Abzug aus den besetzten Gebieten verhandeln. Über die Reihenfolge der beiden Schritte – seit der UN-Resolution vom 22. November 1967 der harte Kern des arabisch-israelischen Gegensatzes – ließ sich Nasser freilich nicht aus. Als weitere Bausteine einer Lösung nannte er die Beeendigung des Kriegszustandes, das Recht eines jeden Landes auf Freiheit und territoriale Integrität, freie Schiffahrt auf den internationalen Wasserwegen und Lösung der Flüchtlingsfrage.

Unterdessen hat sich die Gefahr nicht vermindert, daß sich arabische Terroranschläge und israelische Repressalien zu neuer Hochspannung aufschaukeln. Auf dem Kongreß arabischer Befreiungsorganisationen vor vierzehn Tagen in Kairo konnte „Al Fatah“ die meisten Partisanengruppen unter dem neuen offiziellen Namen „Palästinensische Befreiungsorganisation“ (PLO) vereinen. Chef Arafat kündigte an, die PLO werde ihre Terrorakte gegen Israel künftig direkt von den besetzten Gebieten Jordaniens aus starten. Angeblich soll König Hussein, dessen Premierminister Talhouni am Montag in Kairo eine „wichtige“ Botschaft überbrachte, bei diesem Beschluß übergangen worden sein.

Die Supermächte möchten nach Möglichkeit eine neue Nahost-Krise vermeiden. Ihre Botschafter setzten am Rande der UN ihre Konsultationen fort.