Wir sollen von unserer Freiheit reden, je lauter, um so lieber, und wenn wir nicht vor Freiheit reden, so nur, weil die Regierunger. selbst so viel davon reden, und in der Tat nehmt alles nur in allem, wenigstens über Gott, wenn auch nicht über Atomwaffen, dürfen wir befinden, wie wir wollen. Max Frisch

Exodus im TAT

Das Frankfurter Theater am Turm verliert gleich zwei seiner wichtigsten Mitarbeiter: Der Regisseur Claus Peymann und der Dramaturg Wolfgang Wiens verlassen das Theater, das sie zusammen mit dem jungen Intendanten Dr. Felix Müller aus dem Mittelmaß eines reisenden, sich an Abstechern aufreibenden Landestheaters zu einem der progressivsten Theater der Bundesrepublik und damit durchaus zu einem Gegengewicht der Städtischen Bühnen Frankfurt gemacht haben. Grund für das Ausscheiden: Die verzwickte Situation, einerseits in Abstechern kleine Städte mit dem Gewohnten bedienen zu müssen, andererseits in Frankfurt waghalsige Experimente unternehmen zu können, ließ sich auf die Dauer nicht durchhalten. Die Stadt Frankfurt ihrerseits wollte bisher den Plänen, das Theater durch Anhebung der Subventionen von den Reiseverpflichtungen freizukaufen, nicht folgen. Es steht zu befürchten, daß sich Frankfurt und das Land Hessen auf die Dauer um ein interessantes Theater armer gemacht haben.

Hauptmann haufenweise

Siebenundsiebzigtausendsiebenhundertunddrei Seiten Dichtertext (teils hand- und teils maschinengeschrieben) von Gerhart Hauptmann, dazu neunzehntausenddreihunderteinundachtzig Briefe des Autors und einen Großteil seiner Bibliothek erwarb die Stiftung Preußischer Kulturbesitz für 3,8 Millionen Mark von der Witwe des Hauptmann-Sohnes Benvenuto. Gleichzeitig damit wurden der Stiftung die Verwertungsrechte für wissenschaftliche Editionen und wissenschaftliche Sekundärliteratur und die Nutzungsrechte an sämtlichen Briefen Gerhart Hauptmanns übertragen. Das Material wird in der sich noch im Bau befindlichen Staatsbibliothek, die schon andere kostbare Nachlaßbestände ihr eigen nennt, untergebracht werden. Die Verantwortlichen der im Berliner Propyläen Verlag erscheinenden Hauptmann-Centenar-Ausgabe können sich jetzt daran machen, ihren Editionsplan für die nächsten hundert Jahre aufzustellen.

Neu-Ulm

Einen Modellvorschlag für zunächst einmal ein „Aufbaustudium für Gestaltungsbereiche soll auf Wunsch des Kultusministeriums ein Sachverständigengremium ausarbeiten, das vom Land Baden-Württemberg berufen wurde, die Neugründung der Hochschule für Gestaltung in Ulm vorzubereiten. Dem Gremium, das in der vergangenen Woche zum erstenmal tagte, gehören unter anderen an: der Kunstkritiker Willy Rotzler, der Absolvent der HfG a. D. Joachim Heimbucher, der frühere Dozent Martin Krampen, der Leiter der Karlsruher Akademie Georg Meistermann, der Mitarbeiter der Bosch AG Wendel Rolli sowie Lothar Goetz und Heinrich Stabe von der Technischen Universität Stuttgart. Nicht von ungefähr sind Goetz und Stabe mit von der Sachverständigen-Partie Die neue HfG wird in enger Zusammenarbeit mit der TH Stuttgart und damit auf solideren Beinen stehen. Die Namen der Ur-Ulmer und Dauer-Kontrahenten Bill und Aicher-Scholl tauchen bei den Neugründungsplänen nicht auf.