FÜR Philhellenen –

Jannis Ritsos: „Zeugenaussagen“, griechisch und deutsch, Auswahl und Übersetzung von A. N. Sfountouris; „Propyläa“-Sonderheft 1968, Zürich; 48 S., 7,– DM.

ES ENTHÄLT 49 Gedichte aus dem bisher letzten Lyrikband von Ritsos, der 1966 herauskam, nebst wohlwollenden Begleittexten von Max Frisch und Eleni N. Kazantzakis, der Witwe des großen Nikos Kazantzakis.

ES GEFÄLLT, weil es dazu beiträgt, einem Mangel abzuhelfen. Der griechische Lyriker Jannis Ritsos ist dem deutschen Lesepublikum nahezu unbekannt. Im besten Fall war sein Name politisch Interessierten als der eines Autors geläufig, der von den griechischen Diktatoren ins KZ gesperrt worden war. Günter Kunert hatte dieses Vorgangs in einem Gedicht gedacht. Für den Verleger Klaus Wagenbach mag dies die Anregung dazu gegeben haben, Ritsos in die Reihe seiner Quartheft-Autoren aufzunehmen. Eine empfehlenswerte Ergänzung dieser erster. Gedichtauswahl stellt dieses Ritsos gewidmete Sonderheft der in Zürich erscheinenden Zeitschrift Propyläa dar, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, „über das Geistesleben im reuen Griechenland“ zu berichten. Um einem möglichen Mißverständnis vorzubeugen: Das „neue“ Griechenland, von dem der Untertitel der Zeitschrift spricht, ist nicht etwa das neueste der Militärjunta, sondern das neuzeitliche, das es erst seit der Verfassung von 1822 gibt und das seither den Anschluß an das moderne Europa sucht. Seit dem Putsch vom 21. April 1967 findet diese Suche im Untergrund oder im Exil statt, und einer ihrer Exponenten ist eben Jannis Ritsos. Die in diesem Heft enthaltenen Gedichte weisen ihren Verfasser als einen der großen politischen Lyriker dieses Jahrhunderts aus. Einige der von Sfountouris übersetzten Gedichte finden sich auch schon in dem von Tsakiridis übertragenen Wagenbach-Band. Der Vergleich zeigt, daß dessen Eindeutschungen in ihrer unbekümmerten Sinnlichkeit dem Geist dieser Lyrik doch wohl ein wenig näher kommen. Helmut Salzinger