DIE ZEIT

Kommunismus auf italienisch

Der Zauberstab der Dialektik verwandelt sich für die Kommunisten Osteuropas allmählich in ein Fallbeil. Es ist ihnen schon immer schwergefallen, ihre widerstreitenden Interessen – nationale und internationale – mit der marxistischen Theorie unter einen Hut zu bringen; nun aber verwickeln sie sich in kaum mehr entwirrbare Widersprüche.

Kraftprobe um Berlin

Eine Zeitlang sah es so aus, als hätte die neue Berlin-Krise schon begonnen. Interzonen-Autobahn Richtung Westen gesperrt, wurde gemeldet.

Der General trotzt

Eine Wiederannäherung zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten? Bei seinem Amtsantritt mochte Richard Nixon wirklich geglaubt haben, daß sie mit einigem guten Willen zu bewerkstelligen sei.

ZEITSPIEGEL

Als "politische Instinktlosigkeit" werteten manche deutsche Linke und Liberale die Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern und Schulterband an den spanischen Informationsminister Manuel Fraga Iribane.

Selbstbekenntnis eines Kreml-Astrologen

Ein Kolumnist sollte gelegentlich seine persönlichen Vorurteile enthüllen, um den Leser zu warnen. Ich habe das noch nie getan, weil ich einige Zeit gebraucht habe, mir selbst einzugestehen, daß ich Vorurteile habe, daß ich eine bestimmte Art der Interpretation sowjetischer Politik bevorzuge – und zwar eine optimistische.

Streit um die Deutschen

Wieder einmal müssen sich die Vereinten Nationen mit den "querelles allemandes" herumplagen, die diesmal ein Kernstück der UN-Politik zu blockieren drohen: die Entwicklungshilfe in den siebziger Jahren.

Der milde Kurs von Bologna

Der Nationalkongreß der Kommunistischen Partei Italiens in Bologna hat in mancher Hinsicht einen Wendepunkt in der Geschichte dieser Partei und in der Entwicklung der internationalen kommunistischen Bewegung markiert.

Gastgeschenk für Wilson

Die Engländer selbst waren am meisten überrascht darüber, daß ihr neuester Vorstoß nach Europa in einen weiteren Akt französischer Eigenisolierung mündete.

Zäsur in Vietnam

Richard Nixon kommt nicht nur der Europäer wegen auf den alten Kontinent. In Paris will er sich an Ort und Stelle nach den Aussichten der Vietnam-Gespräche erkundigen.

Wolfgang Ebert:: Das perfekte Alibi

Kommissar: Sie stellen unter dem dringenden Verdacht, allein oder mit Komplicen die Verbindungswege nach Berlin gefährdet, die Situation der Stadt verschärft und Entspannungsbestrebungen zunichte gemacht zu haben.

Ordnung durch drakonische Maßnahmen?: Rezepte gegen Radikale

Ob es der kleine Lokalpolitiker ist, der über den Bebauungsplan seiner Gemeinde referiert, oder der Bundeskanzler, der vor Münsteraner Kaufleuten spricht, ob National-, Sozial- oder Christdemokrat, sie alle haben seit Wochen ein Thema: Ruhe und Ordnung.

Nächste Woche stellt sich Richard Nixon in Europa vor. Welchen Eindruck hat Amerika bisher von ihm gewonnen?: Ohne Schnörkel und Mätzchen

Im weiten East Room verebbt das Stimmengewirr der Berichterstatter, aus dem in das Innere des Weißen Hauses führenden Gang sind schnelle, energische Schritte zu hören, an der Tür drängen die Beamten des Secret Service höflich die Harrenden zurück, und dann ertönt die Stimme des Zeremonienmeisters: "Meine Damen und Herren – der Präsident der Vereinigten Staaten.

Franco zieht die Schraube an

Die Verhaftungs- und Deportationswelle in Spanien geht weiter. Opfer sind nicht nur oppositionelle Studenten und Professoren; auch Priester der katholischen Linken, die vor allem in Asturien und in der baskischen Provinz mit den Arbeitern sympathisieren, werden festgenommen.

Tageweise ein reicher Mann

Bruder aller Schröders, auch vom Verteidigungsminister Gerhard und vom Berliner Aquariumsdirektor Werner. Wer Schröder heißt; mit dem teilt er die Mutter.

Das Herz schlug nur 27 Stunden

Donnerstag vergangener Woche am späten Nachmittag in Hilberts Parkhotel in Bad Nauheim: ständig treffen neue Gäste ein. Im Speiseraum werden die Tische gedeckt.

Rüge für den roten Rentner

Studenten! Proletarier der Neuzeit! Vereinigt Euch! Organisiert den totalen Widerstand! Ihr habt vielleicht eine Laufbahn zu verlieren – aber Ihr habt eine Welt zu gewinnen!" – Einführende Worte des Roten Konrads, seines Zeichens Berliner Revolutionsoriginal und ständiger Redner auf den zahlreichen Streik- und Protestversammlungen in den Berliner Universitäten.

Wenn ein Penner stirbt...

Im städtischen Unterkunftsheim für Männer an der Pilgersheimer Straße, kurz Obdachlosenasyl genannt, wird ordentlich Buch geführt.

Aufstand der Referendare

Die Älteren folgen den Jüngeren auf dem Wege der "Rebellion": Mit erheblicher Verspätung nach den Studenten artikulieren jetzt auch die Referendare das Unbehagen an ihrem Ausbildungssystem.

Die fromme Helene

Sieh, da geht Helene hin, eine schlanke Büßerin", reimte Wilhelm Busch vor hundert Jahren über seine Fromme Helene, die schließlich wegen ihres lasterhaften Lebenswandels vom Teufel geholt wurde.

Nervenkrieg um Berlin

Je mehr sich die Bedenken gegen den Wahlort häuften, desto entschlossener zeigte sich Bonn, auch den nächsten Bundespräsidenten in der ehemaligen Reichshauptstadt küren zu lassen.

Anschlag auf El-Al-Maschine

Vier Terroristen der "Arabischen Volksfront für die Befreiung Palästinas" haben am Dienstag in Zürich einen Feuerüberfall auf eine Düsenverkehrsmaschine der israelischen Fluggesellschaft El-Al verübt.

Paris boykottiert die WEU

Frankreich hat nach der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) nun auch der Westeuropäischen Union (WEU) mit dem Boykott gedroht, um eine Annäherung Großbritanniens an.

Aufbegehren gegen Ayub

Nach viermonatigen Unruhen haben sich die innenpolitischen Spannungen in Pakistan zu einer galoppierenden Staatskrise entwickelt.

Absage an den Kongreß

Frau Indira Gandhi, der indische Premierminister, hat das bislang von ihr mitverwaltete Außenministerium an den Handelsminister Dänisch Singh abgegeben – so als wolle sie sich künftig ganz den inneren Problemen ihres Landes widmen.

Peruanische Provokation

Zwischen Lima und Moskau verkehrten sich jüngst die Fronten: Die peruanischen Putsch-Generale, die im Oktober vorigen Jahres die Macht an sich gerissen hatten, wurden von den sowjetischen Partei- und Regierungsblättern "Iswestija" und "Prawda" gegen jede Gewohnheit gepriesen.

Dokumente der ZEIT

Den Erklärungen offizieller Persönlichkeiten der Bundesrepublik zufolge haben die westdeutschen Behörden die Absicht nicht aufgegeben, die Präsidentenwahl am 5.

Kunst – wie lange noch?

Die Kunst der Kunstlosigkeit – das ist das Niemandsland, das unsere Ausstellungen allenthalben vorweisen, sofern sie sich nicht mit der Darbietung von Staffeleibildern und Piedestalplastiken befassen.

Kooperativ

Bröckelt es also doch weiter in dem wichtigsten Verlag für die zeitgenössische deutsche Literatur? Nach dem großen Krach im Hause Suhrkamp Ende letzten Jahres, als dessen Ergebnis eine "Lektoratsverfassung" geboren wurde, die wohl wöchentliche Diskussionsstunden institutionalisierte, die aber auch das Recht des Verlagsleiters, als Souverän in seinem Hause zu regieren, ausdrücklich bestätigte – damals schien ein Kompromiß gefunden, der den ursprünglichen Wünschen der aufbegehrenden Lektoren zwar so wenig entsprach, daß drei von ihnen, Cheflektor Walter Boehlich darunter, es vorzogen, den Verlag zu verlassen, der aber immerhin etwas war und fürs erste den Frieden wiederherzustellen schien.

Der schöne Kadaver

Im neuesten Heft der in der DDR erscheinenden Kunstzeitschrift Bildende Kunst wird – ein bißchen spät, aber immerhin – in einem Referat die documenta ’68 abgehandelt.

Kunstkalender

Die beiden prominentesten Berlin-Stipendiaten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes im Jahre 1968 verabschieden sich mit einer gemeinsamen Ausstellung.

Zwei Meinungen über einen Gegenstand

Man sagt, zehn Professoren hätten zu einem Problem mindestens elf verschiedene Meinungen. Wenn man sich mit der Hochschuldidaktik befaßt, gilt dieser Satz offenbar nicht nur für Professoren, sondern ebenso für Assistenten und Studenten.

FILMTIPS

"Chronik der Anna Magdalena Bach", von Jean-Marie Straub. "Gertrud", von Carl Theodor Dreyer. "2001: Odyssee im Weltraum", von Stanley Kubrick.

Wittgenstein, collagiert

Der Mann, der das Wort Pop er- oder vielmehr gefunden hat, heißt Lawrence Alloway. Fragt man ihn, wer denn wiederum die Pop Art er- oder gefunden habe, erhält man ohne Zögern zur Antwort: Eduardo Paolozzi.

ZEITMOSAIK

Wie ändert man, wenn man keine Armee hat? Man fragt: Zu welchem nächsten Schritt haben wir die Macht? Die kleinen Schritte sind nur dann nichts wert, wenn sie nicht gemacht werden.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

"Madrigale und Chansons"; Deller-Consort, Bulgarisches Streichquartett, Perulli, Saorgin, Leitung: Alfred Deller; harmonia mundi HMS 204, 25,– DM.

Fernsehen: Seminar über Report

Da saßen wir also zusammen, fünfzehn Wissenschaftler (Studenten und Lehrpersonal): kritisch gesonnene, von der gesellschaftlichen Relevanz ihrer Disziplin überzeugte Kommilitonen, sahen Gaus und Toynbee, die Stadt Berlin (diese Stadt, wie es heißt, andere Städte sind jene) und die Stadt Tübingen, in der wir leben.

Das Chaos ist aufgebraucht

Im Jahre 1964 schrieb Peter Weiss seinen "Marat", das beste Drama der deutschen Nachkriegszeit..............................

Photographie und Bourgeoisie

Um dem Mangel an lesenswerten neuen Manuskripten abzuhelfen, haben die Verleger verschiedene Praktiken erfunden. So ist es zum Beispiel üblich, das Werk eines Schriftstellers ständig neu zu gruppieren und derart auf verschiedene Reihen und Formate aufzuteilen, daß man auch dann in regelmäßigen Abständen ein Buch dieses Autors herausbringen kann, wenn er schon längst nichts mehr schreibt.

ZU EMPFEHLEN

ES ENTHÄLT ein rekonstruiertes Tagebuch, in dem Hilde Spiel ihre Wiederbegegnung mit der Vaterstadt Wien darstellt; nach zehnjährigem Exil war sie dort Anfang 1946 einige Wochen als britische Kriegskorrespondentin tätig.

Ein Anti-Kolle

Ein bekannter Kritiker hat, großzügig vereinfachend und boshaft zugespitzt, alle literarischen Betätigungen auf zwei reduziert: Die einen blasen unermüdlich Luftballons auf, die anderen pieken ebenso unermüdlich hinein.

+ Weitere Artikel anzeigen