Von Willi Bongard

Basel. Ein altehrwürdiges, längst zweckentfremdetes und leicht heruntergekommenes Patrizierhaus am Leonhardsgraben. Im ersten Stock hinter einer Tür mit der Aufschrift „Arbeitsraum“ hocken ein halbes Dutzend Studenten an breiten Tischen vor ihren Büchern und Kollegheften. Ein barocker Kachelofen kontrastiert merkwürdig mit einer schlichten, großen Wandtafel an der Stirnseite des hohen Raumes, dessen Wände zur Hälfte mit Bücherregalen bedenkt sind.

Neben dem Eingang präsentieren sich an die dreißig Zeitschriften überwiegend angelsächsischer Provenienz, meist statistischen Inhalts, vom „Journal of the Royal Statistical Society“ über „The American Statistician“ bis zu den berühmten „Econometrica“-Heften. Es riecht verdächtig nach wissenschaftlicher Arbeit.

Das Silentium wird nur gelegentlich unterbrochen durch leises Ticken auf Tasten von vier kleinen Steuerpulten eines modernen, volltransistorisierten Elektronenrechners, der in Bruchteilen von Sekunden Summen, Potenzen, Wurzeln und Logarithmen liefert. Die Recheneinheit, die das Zahlenwunder vollbringt, steht im Nebenraum, dem Arbeitszimmer von Gottfried Bombach – seines Zeichens ordentlicher Professor an der Universität Basel und Direktor des Instituts für angewandte Wirtschaftsforschung.

Bombach, ein Meter neunzig hochgewachsen, leicht vornübergebeugt und unauffällig in einen Straßenanzug von der Stange gekleidet, läßt es sich nicht nehmen, seinen Besucher durch die Räume seines Instituts zu führen und mit den technischen Errungenschaften der Elektronik vertraut zu machen. Im Parterre summt eine IBM 1620: „Die reicht für den Physiker nicht mehr, aber für uns Nationalökonomen ist sie gut genug.“ Hinter dem Tabellieraggregat hängt ein abstraktes Bild des Schweizers Walter Bodtmer, „Technische Vision“.

Die kostspieligen Rechenanlagen sind ein Erbe aus der Zeit, als Bombach Dekan der Philosophischen Fakultät – unter dem Rektorat seines Fachkollegen Professor Edgar Salin – war. Eine Spende der Baseler „Chemie“ aus Anlaß des 500jährigen Jubiläums der Universität Basel machte die Anschaffung möglich.

Den vier großen Basler Chemieunternehmen (Ciba, Geigy, Sandos, La Roche) hat das Institut für angewandte Wirtschaftsforschung bis heute seinen finanziellen Rückhalt zu verdanken, und Bombach macht keinen Hehl daraus. Die Verwendung der Mittel von dieser Seite wird nur rechnerisch geprüft, in der sachlichen Verwendung hat man freie Hand. Bombach weiß solche Großzügigkeit zu schätzen. Er fühlt sich mittlerweile in Basel so wohl, daß er den Ruf als Nachfolger seines von ihm verehrten Lehrers Erich Schneider an die Universität Kiel, der ihm sicher gewesen wäre, ausgeschlagen hat. Das will etwas heißen.