Von Ben Witter

Im Innenministerium in Düsseldorf traf ich den Leitenden Kriminaldirektor Dr. Oskar Wenzky. Ich brauchte seine Erlaubnis, um die Kölner Kripo kennenzulernen.

Dr. Wenzky sagte: "Mein Vater war bei der uniformierten Polizei. Ich studierte Jura, promovierte nach dem Krieg und bin die höchste Preislage im Kriminalamt. Nach meiner Pensionierung in zwei Jahren werde ich Pfeile gegen das Establishment abschießen, getreu meinem Prinzip, fundiert und objektiv zu Ausbau und Verbesserung bestehender Aufgaben beizutragen."

Dr. Wenzkys Prognose: Leichtes Ansteigen der Kriminalität bis 1975.

Dr. Wenzkys Forderungen: Blitzschneller Informationsdienst und Ausbau des Telebildverkehrs nach Chikagoer Vorbild; dort führt man den Funkstreifen auf dem Bildschirm vor, welcher Ganove gesucht wird.

Dr. Wenzkys weitere Feststellung: In Westfalen gibt es keine so ausgeprägte Kriminalität wie im Ruhrgebiet und am Rhein. Im Ruhrgebiet: Körperverletzungen und Eigentumsdelikte. Am Rhein: Raub in sämtlichen Spielarten. Dem Verbrechertum in Düsseldorf haftet das Parvenühafte der Landesmetropole an. In Köln ... Ich bat Dr. Wenzky, näher auf Köln einzugehen.

"Wenn ich von Köln spreche", begann er, "bin ich euphorisch gestimmt. Nach dem Krieg war ich, mit zwei guten Anzügen, Chef einer Privatdetektei in Köln und dann zehn Jahre Leiter der Kriminalpolizei. An der Kölner Universität habe ich jetzt einen Lehrauftrag für Kriminalistik. Köln hat ein seßhaftes, lokal starkes Verbrechertum. Aber ein Kölner paßt schlecht in einen Beamten. Der ganze Laden sei negativ, sagt man. Bei mir waren die Leute allerdings immer da. Obgleich die Originalität des Verbrechers allmählich ausläuft, in Köln dauert das viel länger als anderswo."