"Wir werden siegen oder sterben. Aber Amerika wird brennen", sagen die "Panther"

Von Kai Hermann

Es hatte einige Mühe gekostet, den Termin zu vereinbaren. Es war nicht einfach, den Treffpunkt zu finden. Ein dunkles Büro mit vielen Milchglasscheiben in einem der verfallenden Mietblocks Ost-Harlems. Das New Yorker Hauptbüro des. "Congress of Racial Equality" (Kongreß für Rassengleichheit – CORE). Die Sekretärinnen ignorierten den Weißen. Ein Mann im hellbraunen Westenanzug, wie abgestimmt auf das etwas dunklere Braun, des Gesichts, mit gepflegt-grimmigem Backenbart, freundlichschnellen Augen sprach an dem weißen Besucher vorbei mit einer schwarzen Journalistin. Einen Aktenkoffer in der Hand, drehte er sich an der Tür noch einmal um, als hätte er mich jetzt erst bemerkt: Sie sind der Journalist aus Deutschland? Tut mir leid, ich habe keine Zeit. Schon in der Tür blieb er stehen: Aber ich kann Sie im Taxi mit zurücknehmen.

Er stellte sich nicht vor. Er war Roy Innis, Nationaler Direktor von CORE. Einer der gemäßigten Sprecher der amerikanischen Negerbewegung. Zwischen Princeton und Berkeley begehrter Schocker auf weißen Seminaren über das Rassenproblem. Vielbeschäftigter Interviewter. Gesprächspartner des weißen Establishments. Für Weiße beinah verständlicher Dolmetscher der Black-Power-Bewegung.

Es war der Tag nach der Präsidentschaftswahl. Innis begann das Taxigespräch: Wer hat denn eigentlich gewonnen? Sie müssen es doch wissen. – Ist ziemlich egal. Aber Nixon, das ist ganz gut.

Nixon besser als Humprey? fragte ich.

Das Taxi fuhr durch den Slum im Osten Harlems, wo sich in den zwanziger Jahren die Wiedergeburt der amerikanischen Neger angekündigt hat – swinging Harlem, Jazz, Negerlyrik, schwarze Musiker, Dichter, Intellektuelle und Politiker. Von schwarzer Renaissance und schwarzer Romantik sind geblieben: Menschen, deren Hoffnungslosigkeit man im Vorbeifahren zu erkennen glaubt,’ Ruinen, in denen beinahe so viele Menschen hausen, wie ihre Räume Quadratmeter haben, Ratten, so zahlreich, daß sie sich gegenseitig auffressen.