DIE ZEIT

Endspurt zum Mond

Man hat sich schon daran gewöhnt. Die Triebwerke brüllen, und aus den Rauchschwaden erhebt sich – sehr langsam, wie es scheint – die große Rakete, die auf ihrer Spitze Menschen in den Weltraum trägt.

Augenmaß

Kein Tag vergeht, an dem nicht von Beratungen über jenes Ordnungsrecht die Rede ist, das den Universitäten gegen die rabiatesten unter den Studenten an die Hand gegeben werden soll.

Ulbrichts gescheiterte Krise

Die Mitglieder der Bundesversammlung, die nach Berlin fuhren, um dort den Bundespräsidenten zu wählen, brauchten auf dieser leise das Fürchten nicht zu lernen.

Nach dem 5. März

Der 5. März, dem viele mit Bangen entgegensahen, ist vorüber. Ganz gewiß aber sind die Schwierigkeiten, denen Berlin ausgesetzt ist, noch keineswegs vorüber, ja, vielleicht werden sie jetzt erst richtig beginnen.

Notstands-Erlaß

Großzügigkeit hat auch in der Bundeswehr ihre Grenzen. Bisher wurden Soldaten, die den Kriegsdienst mit der Waffe verweigerten, sofort zum Kartoffelschälen und Schneeschippen abkommandiert.

Moskau fürchtet die gelbe Lawine

An der chinesisch-sowjetischen Grenze ist es – wieder einmal – zu größeren Zusammenstößen gekommen. Der Zwischenfall, an dem chinesische und sowjetische Soldaten beteiligt waren, ereignete sich am Grenzfluß Ussuri nördlich von Wladiwostok.

Der Premier im Wartestand

Einen Monat vor seinem plötzlichen Tod gab Levi Eschkol seine sprichwörtliche Reserviertheit auf und bekannte unumwunden: Er wolle sich ein weiteres Mal als Ministerpräsident zur Wahl stellen.

ZEITSPIEGEL

"Daß die alten Germanen diese Sonderlinge ohne viel Federlesens in die Sümpfe gesteckt und ertränkt haben, war keine brutale Marotte, sondern eine Härte, die ihnen der Einblick in die Zerrüttung der römischen Führungsschicht geboten erscheinen ließ.

Im Jahre 1959 kam es zu einer Bundespräsidenten-Krise: Konrad Adenauer, der damals das höchste Amt anstrebte, schätzte dessen politische Möglichkeiten falsch ein. Welches sind die Rechte und Pflichten unseres Staatsoberhauptes?: Was darf der Präsident?

Im Parlamentarischen Rat ist 1948/49 der Verzicht auf die Institution des Staatsoberhauptes erwogen worden. Man fragte sich, ob die Einrichtung nicht antiquiert sei, ob sie zu einem staatlichen Provisorium, wie es die Bundesrepublik nach damaligen Vorstellungen war, passe? Seither sind zwanzig Jahre vergangen.

Die veränderte FDP

Die Freien Demokraten haben darauf verzichtet, einen eigenen Präsidentschaftskandidaten aufzustellen. Sie taten dies, weil sie sich auf diese Weise mehr Gewicht verschaffen können.

Kardinal Frings

Es war ein langer Abschied. Dreimal hatte der jetzt 82jährige, fast erblindete Kölner Kirchenfürst Papst Paul VI. bitten müssen, ihm die Erlaubnis zum Rücktritt zu geben.

Krise auf lange Sicht?

Das Ärgernis in Westberlin ist für die Sowjetunion nicht die Präsenz der drei Westmächte, sondern die der Bundesrepublik. Die Bundesrepublik soll die Folgen ihrer nach sowjetischer Auffassung widerrechtlichen und provokatorischen Aktivität in Westberlin tragen und die Rechnung für eine Berlinkrise zahlen, die wahrscheinlich erst nach der Bundespräsidentenwahl gegenständlich und spürbar wird.

Atlantische Frühlingsluft

Wenige Auslandsreisen eines amerikanischen Präsidenten haben bei einem so auffälligen Mangel an konkreten Ergebnissen zugleich einen so einhelligen Beifall in den USA gefunden wie der Besuch, den Richard Nixon fünf europäischen Regierungen, dem politischen NATO-Hauptquartier, Berlin und dem Papst abgestattet hat.

Honigmond im Trianon?

Ob man angesichts des schon reifen Alters der beiden Akteure wirklich, wie es heute in Paris geschieht, von "Honigmond" und "Flitterwochen" sprechen kann? Die Vorfrühlingsstimmung, die über dem Großen Trianon lag, verführte zu überaus freundlichen Bewertungen des Neubeginns der französisch-amerikanischen Beziehungen.

Wolf gang Ebert:: Guter Rat

Die Regierenden dieser Welt können sich immer auf ihre Ratgeber verlassen. Das hat sich vor allem vor den großen Krisen der letzten Jahre gezeigt.

Das letzte Gefecht?

Unbemerkt von den amerikanischen Wachen schlichen Kommandotrupps des Vietcong bei Nacht in das Lager der 25. amerikanischen Infanteriedivision in Cu Chi.

Blamage bei Reformversuchen

Im gleichen Saal, in dem sich sieben Wochen zuvor die SPD schwer getan hatte, ihre Bereitschaft zum Gespräch mit der aufsässigen Jugend zu beweisen, gelang auch der CDU/CSU nur ein begrenzter Erfolg.

Dramaturg Ceausescu

Was hinter der festverschlossenen Tür der Wahlkabine geschah, hinter die sich letzten Sonntag der rumänische Parteichef Ceausescu zurückzog, ist ein Wahlgeheimnis, das nicht schwer zu hüten sein wird.

Seine Genossen müssen zahlen

Im Januar 1949 kontaktierte der damals 23jährige Helmut Hiller, Sachbearbeiter für Getreide bei der Mecklenburgischen Landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft – Raiffeisen in Neubrandenburg, die Westberliner Zweigstelle des "Ostbüros" der SPD in der Zietenstraße, die unter dem Namen "Flüchtlingsbetreuungsstelle" firmierte.

Fassadenretter

Anfang November vergangenen Jahres fingen einige Münchner Studenten der Kunstgeschichte an, mit Kameras und Kenntnissen in Stilkunde durch die Stadt zu gehen, um zu registrieren, wo es Häuser gibt, die im Schmuck des alten Stucks dastehen.

Jud bleibt Jud

Als Leiter einer Bücherstube / Erscheint er uns beinah’ zu gut; / Als etwas peinlich blonder Bube / Entschuldigt ihn der Name Jud.

FDP für Heinemann

Als die 1025 Wahlmänner der Bundesversammlung am Mittwoch um 10 Uhr in der Berliner Ostpreußenhalle zum ersten Wahlgang antraten, schien dem Bundesjustizminister Gustav Heinemann das Amt des Bundespräsidenten so gut wie sicher.

Strittige Insel

Der jüngste Zwischenfall an der chinesisch-sowjetischen Grenze hat den Konflikt zwischen Peking und Moskau verschärft. Seit Montag protestierten Zehntausende von Arbeitern und Rotgardisten vor der sowjetischen Botschaft in Peking.

Apollo 9: Mondboot o. k.

Die drei amerikanischen Astronauten James McDivitt, David Scott und Russell Schweickart hatten Mitte der Woche in ihrem Raumschiff Apollo 9 etwa ein Drittel ihres zehntägigen Fluges hinter sich, das schwierigste Experiment aber noch vor sich: Koppelungs- und Steuermanöver mit der Mondlandefähre, die bisher noch nie im Weltraum erprobt worden war.

De Gaulle will USA besuchen

Mit einer spürbaren Verbesserung des amerikanisch-französischen Klimas und mit der Zusage General de Gaulles, im Januar oder Februar 1970 die USA zu besuchen, hat Präsident Nixon am vorigen Wochenende seine erste Auslandsreise beendet.

Kampf der "Sabras"

Mit dem größten Staatsbegräbnis in der 20jährigen Geschichte Israels haben vorige Woche 300 000 Menschen Abschied von Levi Eschkol genommen.

Dokumente der ZEIT

Die amerikanische Verantwortlichkeit hier stützt sich auf höchst feierliche internationale Vereinbarungen. Aber das, was wir miteinander in diesen 24 Jahren miteinander durchgemacht haben, hat diesen Vereinbarungen eine besondere Bedeutung gegeben.

Sturz des Präsidenten

Zwar wurden Staatspräsident Atassi, der ZK-Sekretär und "starke Mann", General Jehid, und andere Spitzenfunktionäre des militant-sozialrevolutionären Parteiflügels unter Hausarrest gestellt.

Umgang mit Steinberg

Wer Instinkt hat, wird die Berühmtheit, die er erlangt, zerstören und seine Bewunderer und Biographen täuschen, indem er sich unzuverlässig und unfreundlich zeigt.

Darf Shylock Shylock sein?

Shylock, Shakespeares Jude von Venedig, betrat den deutschen Bildschirm – und schon war man eifrig bemüht, mit Vorspann und anschließender Mammutdiskussion ihm sein misanthropisches Messer abzustumpfen.

Kunst, Nicht-Kunst, Doch-Kunst

Die Wirklichkeit, übermächtig in ihrer bewußtseinsprägenden Faktizität, verstellt dem Künstler den Zugang zur Kunst. Das Abbild der sichtbaren Welt erstarrt zur Formel, die lediglich allgemeine Erfahrungsinhalte konstatiert, ohne eine spezifisch künstlerische "Gegenwelt" zu schaffen.

FILMTIPS

"Schande", von Ingmar Bergman. Auf den ersten Blick scheinbar weiter nichts als ein Künstler-Ehe-Drama vor dem Hintergrund eines naturalistisch porträtierten künftigen Krieges.

Ruhe nach Monk

Martin Sperr, 1944 in Steinberg geboren, wurde 1966 in Bremen mit seinem ersten Stück, den "Jagdszenen aus Niederbayern", als Dramatiker bekannt.

ZEITMOSAIK

Es ist nichts Ernsthaftes, das nicht irgendeine Afterphilosophie lächerlich gemacht, und nichts Lächerliches, das sie nicht ernsthaft behandelt hätte.

Damit wir wissen, was wir wissen müssen

Der Intendant des Westdeutschen Rundfunks, Klaus von Bismarck, hat im Herbst vorigen Jahres fünf jüngere Mitarbeiter des WDR (drei Redakteure, einen Techniker, einen Juristen) gebeten, sich ohne Rücksicht auf hierarchische Kompetenzen Gedanken über "Zukunftsperspektiven des Rundfunks" zu machen.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Paul Hindemith: "Kammermusik Nr. 4 op. 36 Nr. 3 (Violin-Konzert)" und Kurt Will: "Konzert für Violine und Blasinstrumente op.

Kunstkalender

Etwas in der Art hatten die Amerikaner auf die letzte Biennale geschickt und waren damit schlecht angekommen, wenn man Frank Gallo ausnimmt, der so reizend und virtuos die morbide Eleganz des europäischen fin de siècle in die amerikanische Gegenwart transponiert.

Das Selbstverständnis des Menschen

Der Tod von Karl Jaspers hat ein Denken beendet, das nie einen in seiner Bedeutung für die Philosophie der Gegenwart sicheren Rang eingenommen hat.

Kunst – immer noch

Rolf-Gunter Dienst, 1942 geboren, ist Maler und Redakteur der Zeitschrift "Das Kunstwerk"; soeben erschien sein Buch "Positionen", in Vorbereitung ist eine Lindner-Monographie.

Auf der Schlachtbank

Es wird konstatiert, daß Prüfungen neurotische Ängste hervorrufen, daß sie zu einer unkritischen Fixierung auf Inhalte führen, deren fachspezifische und allgemeine Relevanz in vielen Fällen erst einmal nachzuweisen wäre.

Zum Stand der Prüfungsdiskussion

Die Frage nach den Prüfungen ist eine der umstrittensten bei der Reform unseres Hochschul-Innenlebens. Prüfungen müssen sein, sagt die eine Seite, wie soll man sonst erkennen, ob einer zum Beispiel als Lehrer oder Jurist oder Mediziner geeignet ist.

Vertracktes aus Daxingen

Eine der literarischen Möglichkeiten, zu denen das nächste Jahrzehnt einlädt, wird nach der verebbenden Welle des Dokumentier- und Beschreibungsfiebers vielleicht der Vorstoß über die Realität hinaus sein.

KRITIK IN KÜRZE

"Unruhige Vaterschaft", Roman von Jean Schlumberger. Die Geschichte eines Mannes, der sich erleichtert fühlt, nicht im biologischen Sinn der Vater seines Sohnes zu sein; er will diese Vaterschaft in eine geistige, selbstgewählte und freiwillige verwandeln.

Vergebliches Warten

Am Bahnübergang stehen sie und warten auf die Reisenden, die niemals ankommen, weil der letzte Zug längst vorbei ist. Sie stehen nackt an der Tür oder tragen Hüte aus dem vorigen Jahrhundert, und sie sind ebenso lebendig wie der nackte Mädchentorso, der auf der Straße kniet.

James Bonds Widerpart

Len Deighton ist hierzulande immer noch ein Unbekannter, was wirklich ein Rätsel ist – er steht nämlich in dem Ruf, der beste Abenteuerschriftsteller unserer Tage zu sein, und die sind doch wahrlich arm genug an solchen Talenten.

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