DIE ZEIT

Nixons harte Nuß

Die Mini-Offensive des Vietcong zwingt Präsident Nixon zu einer außenpolitisch folgenschweren Entscheidung. Soll er, wie es ihm die "Falken" im Pentagon und in Saigon anraten, den Krieg wieder nach Nordvietnam tragen? Beläßt er es bei der Androhung von Vergeltungsschlägen, setzt er sich der Gefahr aus, als Papiertiger gebrandmarkt zu werden.

Bonn hängt an Paris...

Der verhangene Himmel über den deutschfranzösischen Beziehungen deutet auf Konflikt. Aber schon vor der Begegnung des Kanzlers mit Charles de Gaulle am Donnerstag und Freitag dieser Woche schreckten Bonn und Paris sichtbar davor zurück, die Auseinandersetzung zum äußersten treiben zu lassen – nicht mehr nur der Kanzler, jetzt auch der General.

Nassers Kanonendonner

Kairos Kleinkrieg gegen Israel, ausgeführt mit dem Donner von Geschützen und Worten, hat Methode. Denn kaum gibt Nasser, wenngleich vage, zu erkennen, daß er immer noch auf einen "gerechten" Ausgleich mit den Siegern des Juni-Krieges hofft – so unlängst in der New York Times –, schon machen seine Berufsagitatoren den El-Fatah-Kämpfern wieder Mut.

Der Konflikt um den Präsidenten

Die Wahl des Bundespräsidenten, der nach gängiger Verfassungsinterpretation über den Parteien stehen soll, hat einen der heftigsten Parteienkonflikte ausgelöst, den die Bundesrepublik seit langer Zeit erlebt hat.

Britisches Lehrstück bei Ford

Eine geläufige Bagatellisierung der miserablen Beziehungen zwischen Englands Sozialpartnern besteht darin, den hohen jährlichen Produktionsausfall mit der Fülle der inoffiziellen Streiks zu begründen.

ZEITSPIEGEL

Bei Mercedes hat Adolf von Thadden eine mausgraue Pullmann-Limousine für 21 000 Mark bestellt. Der Wagen ist mit verschiedenen Sicherheitseinrichtungen ausgerüstet, die Scheiben sind aus Panzerglas.

Der Souffleur der Liberalen

Als die FDP im Europäischen Hof in Berlin ihre Marschroute für die Wahl des Bundespräsidenten besprach, saß er rechts neben seinem Parteiführer.

"Der Laden muß funktionieren"

Wenn man der Werbung glauben darf, so muß der Soldatenberuf ein Traumberuf sein. Für den Jet-Piloten liegt Sizilien vor der Tür, und nach Texas ist es nur ein Katzensprung – Duft der großen weiten Militärwelt.

Bündnis mit der FDP?

Willy Brandt erstarrt zur Trappistenpose, wenn ihm die Frage der Fragen gestellt wird: Wie er es nun, nach der Präsidentenwahl, mit den Koalitionserwartungen halte.

Tito bietet Moskau die Stirn

Es waren beileibe nicht nur Proletarier und schon gar nicht die "aller Länder", die sich diese Woche im Belgrader Gewerkschaftspalast zum IX.

Gedämpfte Wut

Antimaoistische Urgefühle alttestamentarischen Ausmaßes traten bei den Moskauer Demonstrationen nur einmal zutage: als Transparent mit der Losung "Blut um Blut, Tote um Tote".

In de Gaulles Wechselbad

Deutsch-französische Regierungstreffen sind von einem Freundschaftsfest meist ebenso weit entfernt wie von einer bloßen diplomatischen Pflichtübung.

Amerikas zweites Vietnam?

Als die beiden Weltmächte darangingen, ihr Nuklearwaffenmonopol durch den Vertrag über den Atomversuchsstopp (1963) und den Sperrvertrag zu sichern, stellten amerikanische strategische Analytiker den Glaubenssatz auf, gerade der Besitz eines großen Arsenals von Massenvernichtungswaffen habe Amerika und die Sowjetunion zu einem besonderen Verantwortungsbewußtsein erzogen.

Mit falschen Karten

Der vierundzwanzigstündige Warnstreik der Franzosen ist nicht ohne Folgen geblieben. Aber er erlaubt noch keine Voraussage, ob das Land einer neuen sozialen Krise zutreibt, die automatisch eine Währungskrise nach sich ziehen würde.

Appell des Generals

Als einen neuen Angriff auf die französische Wirtschaft, den Franc und auf die Republik selbst verurteilte Staatspräsident de Gaulle am Dienstag den 24stündigen Generalstreik, zu dem die Gewerkschaften CGT und CFDT aufgerufen hatten.

Affront gegen Tito

Der desolate Zustand des kommunistischen Lagers wurde so deutlich wie lange nicht, als Staatspräsident Tito am Dienstag in Belgrad den neunten Parteitag des "Bundes der Kommunisten Jugoslawiens" eröffnete: Als einzige regierende KP des Ostblocks war neben der Gastgeberin, die zugleich ihr 50jähriges Jubiläum feiern konnte, nur die rumänische KP vertreten.

Feuerwechsel am Kanal

Bei den schweren Artilleriegefechten und Luftkämpfen, die am vorigen Wochenende längs des Suezkanals entbrannten, ist der ägyptische Generalstabschef Abdel Moulim Riad gefallen.

Denkpause für Vietnam

Auch Mitte der dritten Woche rollte die kommunistische Frühjahrsoffensive weiter – bis zu fünfzig Städte, Dörfer und alliierte Stützpunkte lagen unter Feuer.

Dokumente der ZEIT

Es hat sich jetzt ein Stück Machtwechsel vollzogen, und zwar nach den Regeln einer parlamentarischen Demokratie... Es ist doch eine wesentliche Position unter all unseren staatlichen Organen erstmalig auf die bisherige Opposition übergegangen .

Wirbel um Heinemann

Wie sich die Große Koalition bis dahin in der Spannung zwischen einem – vorerst nur designierten – SPD-Präsidenten und einem CDU-Kanzler halten wird, das freilich war bei Wochenbeginn noch völlig offen.

In den Fallen des Generals

Mißverständnisse gehören zum Berufsrisiko der Diplomatie. Sie können irreparable Folgen haben, wie sich an historischen Beispielen leicht nachweisen läßt.

Bundesdeutsche Lern-Lawine

Die Bundesbürger, so hat das Godesberger Institut für angewandte Sozialwissenschaft herausgefunden, sind zwar keine Bildungsmuffel, aber auch keine glühenden Schulreformer.

Wolfgang Ebert:: Feste Standpunkte

"Ja. Und nein. Vorläufig weiß niemand, was Washington als Friedenslösung vorschwebt, weil Washington nicht weiß, was Hanoi vorhat, und beide nicht wissen, was Saigon vorhat.

Unter dem Diktat der Angst

Damals hatten die Propheten Hochkonjunktur: Die einen mutmaßten, Kamerun werde der erste kommunistische Staat in Afrika sein; andere sahen ein "kleines Algerien" voraus.

Der Fall Weyer

Der Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Willi Weyer, ist zum geschäftsführenden Vizepräsidenten des Deutschen Sportbundes bestellt worden.

Maulkorb-Brief

Dem verantwortungsbewußten Staatsdiener ziemt es nicht" – so schrieb vor 130 Jahren der preußische Minister des Innern, von Rochow, an einen Professor aus der Gruppe der "Göttinger Sieben" –, "die Handlungen des Staatsoberhauptes an den Maßstab seiner beschränkten Einsicht anzulegen und sich in dünkelhaftem Obermut ein öffentliches Urteil über die Rechtmäßigkeit derselben anzumaßen.

Die APO verunsichert ein Heidedorf

In Faßberg ist immer was los. Das kleine Heidedorf (5000 Einwohner, 2000 Soldaten) erlebte schon vor ein paar Jahren Rassenkrawalle: Nigerianische Flugschüler schlugen sich mit der Dorfpolizei.

Hart und gerecht

Das Urteil der Genossen war hart. Grußlos verließ Peter Blachstein, der 57jährige Botschafter der Bundesrepublik in Belgrad, den Landesparteitag der Hamburger Sozialdemokraten.

Attentäter aus Zufall

Im Bahnhof Zoo gab er seine Reisetasche ab, in die er seine Arbeitskleidung gepackt hatte und eine durchbohrte Gaspistole. Eine zweite 9-Millimeter-Gaspistole, auch durchbohrt, trug er in Schulterhalfter: "Bei mir ist das ’ne Angewohnheit.

Aus der DDR: Sind wir völlig abgeschrieben?

Das sind ein paar Feiglinge, die Herren in Bonn! Warum die eigentlich vor den Russen kneifen? Sehen die denn nicht jeden Mittwoch um drei vor dem Ehrenmal Unter den Linden und der Staatsoper Ulbrichts Leibgarde mit Schellenbaum und Tschingdarassasa? Der Stechschritt und die Marschmusik wie beim Kaiser Wilhelm und dem Adolf.

Peng und Wumm

Der Durchfall des einzigen Bühnenstücks von Heinrich Böll blieb auf eine rätselhafte Weise unvergessen. Die Uraufführung durch Karl Heinz Stroux hatte es nicht verhindern können, daß Böll nach der Premiere am 22.

Fernsehen: Ärger mit Argos

Wolfgang Menge hat sich mit vielen anderen Mitbürgern offenkundig über die pflaumenweichen Reaktionen der sogenannten westlichen Welt auf den faschistischen Staatsstreich in Griechenland geärgert.

Bruderzwist im Studentenhaus

Der VDS ist tot, es lebe der sozialistische Kampfverband. Ironisch und resignierend rief das am letzten Sonntag in Köln einer jener Delegierten ins Mikrophon, denen in einer Sechs-Tage-Debatte um die zukünftige Struktur des Verbandes’ Deutscher Studentenschaften zusehends unbehaglicher geworden war.

Gründe, an Berlin zu zweifeln

Daß ein Professor einen Ruf bekommt; daß er den Lehrstuhl der einen Stadt und Universität tauscht gegen den der anderen, ist ein Vorgang von freundlicher Belanglosigkeit.

Bürger!

Die ZEIT ist eine bürgerliche Zeitung. Im Schauspielhaus wird bürgerliches Theater gespielt. "Die Kritik ist tot. Welche? Die bürgerliche, die herrschende.

Bestattungsindustrie

Unerhörtes und Beispielloses, so wird berichtet, habe sich zugetragen: W. B., der so überaus kenntnisreiche und scharfsinnige Kritiker, von Haus aus eher dem Aristokratischen zugeneigt, hat sich zum Sozialismus bekehrt und denunziert Kunstwerke als schnöde Produkte bürgerlichen Gewerbefleißes; B.

ZEITMOSAIK

"Unorthodox", "ungewöhnlich" empfand der Börsenverein selbst seine Entscheidung, den nächsten Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an Alexander Mitscherlich zu verleihen.

Reinhard Baumgart:: Geschichte einer Verfinsterung

Kein Zweifel, das Wort hat einen schlechten Ruf. "Gutbürgerlich", so nennen sich nur noch Gasthöfe, Mittagstische in der Provinz, und dort bedeutet das: keinerlei Übertreibung ist in solchen Häusern zu erwarten, weder in Preis noch Qualität – eine letzte Erinnerung an die gute alte Zeit, an den Duft der kleinen engen Welt.

Walter Boehlich:: Eine gescheiterte Klasse

Wer heute von "bürgerlicher" Literatur oder "bürgerlicher" Kritik spricht, dem wird gern entgegnet, daß er da mit einem untauglichen Begriff arbeite, der eng gebunden sei an Aufkommen und Vorhandensein des dritten Standes – und da es Stände, oder Klassen, nicht mehr gebe, könne mit "bürgerlich" auch nichts mehr ausgedrückt werden.

Peter Hamm:: Unsystematisches über uns Bürger

In den "Mythen des Alltags" schreibt Roland Barthes: "Da die bürgerlichen Normen von der ganzen Nation praktiziert werden, werden sie als die offenbaren Gesetze einer natürlichen Ordnung erlebt; je mehr die bürgerliche Klasse ihre Vorstellungen verbreitet, desto mehr werden sie natürlich.

FILMTIPS

"The Thin Man – Der Unauffindbare", von W. S. Van Dyke. Eine amerikanische Kriminalkomödie (Drehbuch Dashiell Hammett), die in den dreißiger Jahren ein ganzes Genre, die "screwball comedy", ins Leben rief.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Cristobal Halffter: "Symposion / Secuencias / Lineas y Puntos"; Günter Reich, Chor des Westdeutschen Rundfunks, Radio-Symphonie-Orchester Berlin, Leitung: Michael Gielen / Sinfonieorchester des Südwestfunks, Leitung: Ernest Bour; Wergo 60 042, 25,– DM.

Kunstkalender

In Mannheim, beim letzten Kunstpreis der Jugend, schienen sich die düsteren Prognosen der Kunst-wie-lange-noch-Frager zu bestätigen.

Reform auf Umwegen?

Rüdiger Löwe, Jurastudent in München, war ein Jahr als Fulbright-Stipendiat an der Wesleyan-Universität in Middletown, Connecticut.

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