Waffen, Schmuck oder Pelze, das war in Frankfurt die geflüsterte Frage Wer ist Herold? – Protokolle aus der Unterwelt (II)

Von Ben Witter

Um 15 Uhr 40 am 6. Februar erfuhr ich von Kriminalrat Breiter, daß aus dem parkenden Wagen eines Schmuckfabrikanten gegen halb drei Kollektionen im Werte von fast sechshunderttausend Mark gestohlen waren. Kriminalrat Breiter bat seinen Stellvertreter zu sich. Eine Lagebesprechung wurde vorbereitet.

Ich ging in die "Sonne von Mexico", Allerheiligenstraße, Richtung Ostbahnhof. "Das ist ein berüchtigtes Bierlokal", hatte mir ein Taxifahrer gesagt, "der Wirt hieß Schorsch; er war öfter im Gefängnis als hinter der Theke. Nach seinem Tode es wurde eine große Beerdigung – übernahm die Witwe das Geschäft."

Auf dem Kanonenofen stand ein. Teekessel, vor einem Spielautomaten tobte sich ein Einarmiger aus, und der Kellner wedelte mit der Serviette über ein Boxerphoto. Das Telephon klingelte. Der Bierzapfer, auf dessen linkem Handgelenk eine Sonne tätowiert war, sprach ganz offenbar mit seinem Anwalt. Als er den Hörer auflegte, bestellte ich ein Bier und sagte: "Es gibt Leute in Frankfurt, die der Polizei kein Wort sagen, bevor nicht ihr Anwalt da ist."

"Diese Leute verkehren aber nicht hier", meinte der Bierzapfer, "wir baden alles alleine aus."

"Schorsch fehlt", sagte ich.