DIE ZEIT

Die Union wird nervös

Nichts ist so ansteckend, wie der Wahlkampf. Plötzlich wird überall in Bonn von Wahlprogrammen, Wahlkampfstrategien und möglichen Koalitionen nach der Bundestagswahl am 28.

Karl Marx stirbt am Ussuri

Die Feuergefechte auf einer abgelegenen Flußinsel in Sibirien haben den Bruch zwischen den beiden roten Giganten endgültig besiegelt.

Nein-Sager nicht gefragt

Als die SPD 1960 alle Beziehungen zu ihrer Studentenorganisation – dem SDS – abbrach, beschloß sie gleichzeitig, den neu entstandenen Sozialdemokratischen Hochschulbund – den SHB – zu fördern, weil dieser sich zum Grundsatzprogramm der Partei bekannte.

Das umstrittene Wunderkind

Horst Ehmke tat etwas, was ihm noch vor einem Jahr wohl kaum gelungen wäre: Er schwieg. Seit die SPD Gustav Heinemann als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten aufgestellt hatte, enthielt sich sein Staatssekretär aller Spekulationen über die Nachfolge im Justizministerium.

ZEITSPIEGEL

"Es ist nicht zu verkennen, daß sich in der Bundesrepublik eine starre Schicht der Herrschenden etabliert hat, in Parteien, in Gesellschaft, Staat und in der Wirtschaft, die sich vor dem Besitzstand des Jahres 1965 eingegraben hat wie ein spanischer Prälat vor dem Konzil.

Was kommt nach Tito?

Mit sanftem Spott bedachte Tito am Ende des Belgrader Parteitages jenes "Ausland", das befürchtet habe, man werde bei diesem Kongreß vor allem andere Parteien kritisieren.

Weiche Welle im Ostblock

So schnell die Budapester Gipfelkonferenz des Warschauer Paktes zu Ende ging, so lange wird man von ihr zu reden haben. Es sieht ganz so aus, als markiere sie das Ende einer Frostperiode sowjetischer Außenpolitik, Statt eines Paukenschlages, wie man ihn von Treffen dieser Art in letzter Zeit gewöhnt war, kam der milde, fast flehentliche Ruf nach einem großen europäischen Frieden.

Zerfällt Ayubs Pakistan?

Alles ist möglich." Das ist die karge Auskunft jener, die prophezeien sollen, was sich in Pakistan in den nächsten Wochen abspielen könnte.

Nach Paris der Routine wegen

Der Kanzler und sein Außenminister haben das Kunststück fertiggebracht, von den Konsultationsgesprächen in Paris befriedigt an den Rhein zurückzukehren.

Reformen ohne Risiko

Hinter dem lächelnden Gesicht und den überschwenglichen Umarmungen, mit denen der ungarische Parteichef Janos Kádár die Moskauer Gäste auf der Gipfelkonferenz in Budapest begrüßte, verbirgt sich die nervöse Spannung einer geheimen politischen Auseinandersetzung, die seit den Tagen der Besetzung der ČSSR andauert.

US-Justiz im Zwielicht

Verschwörungsgeschichten und Mordtheorien haben mitunter etwas Tröstliches: Sie geben dem jähen Tod großer Männer einen wenn auch widerwärtigen Sinn.

Karriere-Künstler im Dritten Reich

Sie haben doch gesehen, wozu das bißchen Lametta nütze ist, warum machen Sie nicht mit? Ich öffne Ihnen die Tür!" Ein junger Mann in SS-Uniform hatte sich in einem Lokal am Potsdamer Platz in Berlin an den Tisch des Schriftstellers Friedrich Hielscher gesetzt.

"Gebt mir vier Monate Zeit"

Im vergangenen Jahr waren es fast nur die Kirchen und das Rote Kreuz, die Biafra halfen. Damals machte das Wort vom "Belsen in Afrika", vom "Völkermord" die Runde, und Bilder von Kindern, die apathisch auf den Hungertod warteten, gingen um die Erde.

Wilsons Kreuzfahrt

Das Kriegsschiff "Fearless" war vor zwei Jahren der Schauplatz mißglückter Verhandlungen des britischen Premierministers Wilson mit dem Rhodesienchef Ian Smith.

Wie lange will Bonn zögern?

Nach dem Beschluß des amerikanischen Senats, der Präsident Nixon ermächtigt hat, den Atomsperrvertrag zu ratifizieren, gerät die Bundesregierung wegen ihrer Entscheidung über die deutsche Unterschrift in Zeitnöte.

Ein Profi sucht sein Konzept

Die amerikanische Hauptstadt ist leiser geworden, seit Richard Nixon im Weißen Haus residiert. Verrauscht sind die betäubenden Wortkaskaden der Kennedy-Zeit, verklungen die selbstgefälligen Monologe Lyndon Johnsons.

Drohende Stimmen in Nahost

Zweimal innerhalb von 24 Stunden hat die israelische Luftwaffe am Wochenanfang jordanisches Gebiet angegriffen, um arabische Widerstandszentren auszuräuchern.

Paris: Gespräch ohne Drama

Die jüngsten deutsch-französischen Konsultationsgespräche zwischen Bundeskanzler Kiesinger und Staatspräsident de Gaulle waren gekennzeichnet durch "Offenheit und Herzlichkeit", sie dienten der "Erläuterung und Klarstellung der gegenseitigen Haltung.

Karibisches Abenteuer

Mehr als 200 britische Fallschirmjäger und 40 Beamte von Scotland Yard sind am Dienstag zu den Antillen in der Karibischen See aufgebrochen, um die Insel Anguilla zu befreien.

Wilson will mit Gowon reden

Premierminister Wilson ist entschlossen, Mitte nächster Woche nach Nigeria zu reisen, um sich an Ort und Stelle einen Überblick über die Lage in dem vom Bürgerkrieg zerrütteten Land zu verschaffen.

Budapest: Kurze Konferenz

Die sieben Staaten des Warschauer Pakts haben am Montag alle Länder Europas zu einer gesamteuropäischen Konferenz über Fragen der Sicherheit und der friedlichen Koexistenz aufgerufen.

Dokumente der ZEIT

Nach dem Zwischenfall am Ussuri hat die sowjetische revisionistische Renegatenclique die Tschenpao-Insel Chinas als Teil des sowjetischen Imperiums bezeichnet.

Schutzschild für ‚Minuteman’

Für Richard Nixen ist die Schonzeit vorbei. Am vorigen Freitag verkündete er seinen Entschluß, mit dem Aufbau eines – allerdings "wesentlich modifizierten" – Anti-Raketen-Systems (ABM) fortzufahren.

China – Weltfeind Nr. eins?

Das Bild, das sich die Welt von China macht, schwankt zwischen dem eines aggressiven Weltfeindes Nr. 1, der die Revolutionierung Asiens betreibt und Europa in das Grab der Geschichte schaufeln möchte, und dem eines zwar hartnäckigen, aber doch mit seinen eigenen Problemen so belasteten Staates, daß von einer aggressiven Großmacht bis auf weiteres nicht recht die Rede sein kann.

Wolfgang Ebert:: Lamento im Kreml

Breschnjew: Lumpige 400 Millionen, was sind das schon? Außerdem waren es wahrscheinlich höchstens 320 Millionen. Das kennt man doch: aufgehetzte, uniformierte, manipulierte Massen.

Olympische Ringe ohne Sex

Wir denken nur an die olympische Idee und haben uns überlegt, wie wir Ihnen helfen können..." Rund 1200 Tage vor Beginn der Spiele der XX.

Georg August ist der Größte

Hessens First Lady schwärmt von einer Israel-Reise, auf der man ganz einfach als Rechtsanwalt Dr. Georg August Zinn und Frau Christa durch die Lande gezogen sei.

Mutmaßungen über Kurt Gscheidle

Ähnlichen Anlaß zu Witzen, delikaten Mutmaßungen und großstädtischer Genugtuung mögen vor dem Zweiten Weltkrieg die angereisten Gutsbesitzer der Grünen Woche gegeben haben.

Berliner Feuerwehr

Finster blickende, bullige junge Männer bewachten am Samstagabend die braun gestrichene Tür zum Festsaal der Kreuzberger Kneipe "Eisbein wirt".

Gala für Mobutu

Gala für Mobutu. Auch wenn Staatsgäste aus Afrika für Bonner Snobs nicht gerade zu des Rosinen im gesellschaftlichen Leben zählen – Pflichtvergessenheit ist nicht ihre Art.

Neuer Hut

Seit 1942 hat das Aachener Rathaus keine Türme mehr. Ein paar Brandbomben haben die viel zu hohen Zeugen majestätsbewußten Bürgergeistes von 1885 damals zerknackt.

Redakteur mußte gehen

Die Heidelberger "Rhein-Neckar-Zeitung" hat sich von ihrem stellvertretenden Chefredakteur und Feuilletonchef Emil Belzner getrennt.

Der Magen dreht sich um

Von Tierliebhabern erhielt die Zoologische Gesellschaft von 1858 Anfang dieses Jahres empörte Zuschriften, daß in einem Restaurant in Bochum, der Gaststätte "Humboldt-Eck" (Pächter: Gastwirt Bernhard Schuh, Eigentümer: Deutscher Gewerkschaftsbund), auf der Speisekarte Jaguar- und Pumafleisch angeboten sei.

Man ißt jetzt Jaguar

Barbarei oder Delikatesse? – Eine Speisekarte, die nicht nach Professor Grzimeks Geschmack ist

"Fruchtlose Kirche"

Die junge Tübinger Theologiestudentin Regula Rothschuh hat die ganze evangelische Landeskirche Württembergs durcheinandergebracht.

Ballett: Er weiß, wie man Publikum ködert

Stuttgarts sprödes Publikum ist längst gezähmt. Willig bezeugt es allen Purzelbäumen Beifall, die John Cranko, der Jolly Joker unter den internationalen Choreographen, schlägt.

Fernsehen: Bilder an der Wand

...und zum Wochenende erinnert man sich an Count Basies Gesicht, das verschmitzte, von Graubart und Fischmund akzentuierte Gesicht eines Geschäftsmanns, der über Selbstironie verfügt und über musikalischen Witz (mit chaplinscher Akkuratesse sauste das Ringfingerchen auf die Taste hernieder), das Gesicht eines Negers, der die parodistisch-saloppe Manier seiner Ansagen noch einmal parodiert und seine Mitspieler, den Schlagzeuger mit seinen Horizontalhieben oder den diamantenblitzenden Saxophonisten, wie Juniorpartner eines Industrieunternehmens vorstellt.

Theater: Sehnen nach rosa Glücksminuten

Manche Pariser Kollegen müssen das Stück bei der Pariser Uraufführung mit anderen Augen gesehen haben. Im Figaro schrieb Jean-Jacques Gautier, es sei "tragischer als Samuel Becken".

Jetzt sollten die Politiker auf die Assistenten hören

Aber berechtigt sind auch Befürchtungen, bei solcher Mit-Bestimmung könnte die erste Silbe zu schwach betont werden. Entscheidende Befugnisse, die ganze Struktur oder den Personal-, bestand unserer Hochschulen auf Jahre hinaus festzulegen, können den Studenten ebensowenig eingeräumt werden, wie ein Mieter eine Wohngemeinschaft zwingen kann, das Haus völlig umzubauen, in dem er selber bald gar nicht mehr zu wohnen gedenkt.

Des Kanzlers Klage

Gelegentlich, selten, eigentlich viel zu selten, wenn man bedenkt, daß wir in ihren Augen doch das Volk der Denker und Dichter sind, äußern sich auch unsere Politiker zur deutschen Literatur.

Warum ich Berlin verlasse

In unserer uorigen Ausgabe hatte Professor Wapnewski geschildert, wie Reaktion und Revolte zusammenwirken im Umkreis der Freien Universität und warum er einen Ruf als Ordinarius für Germanistik nach Karlsruhe annahm.

Zurück zu den Vätern

Das Fernsehen etabliert eine neue Wildwestfamilie mit der Serie "High Chaparral"

Verfälschter Gorkij

In den ersten Bänden Gorkijscher Erzählungen, die in Petersburg Ende des vorigen Jahrhunderts herauskamen, aber keinen Hauch von finde-siècle-Stimmung enthielten, war auch die 1897 geschriebene Erzählung "Aus Langeweile".

FILMTIPS

"Bike Boy", "I a Man" und "The Nude Restaurant", von Andy Warhol. Andy Warhols Popkino bringt die beiden Grundtendenzen des Films, die "Tendenz Lumière" (Dokument) und die "Tendenz Méliès" (Fiktion), zur Deckung: Im reflektierten Exhibitionismus seiner "Superstars" spielt Amerika sich selbst.

Ein Klassenkampf im Sommer 1968

Peter Zadeks erstem, aber gar nicht anfängerhaftem Spielfilm wird man kaum nachsagen wollen, er zeige, was das Auge noch nie gesehen hat, und bahne "neue Sehgewohnheiten" (was immer das sein mag) den Weg.

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