Von Willi Bongard

An ihren Veröffentlichungen kann man sie, die Herren Professoren, noch am ehesten erkennen. Zwar soll es Professoren geben, die ein Leben lang an einem Buch arbeiten, das sie womöglich nie vollenden, und die dennoch hoch angesehen sind. Außerdem hört man gelegentlich von Hochschullehrern, die angeblich kein „Interesse“ an Veröffentlichungen zeigen, nachdem, sie einmal einen Lehrstuhl erobert haben. In der Regel aber ist es der Ehrgeiz eines jeden Gelehrten, die Literatur seines Fachgebietes zu bereichern und seine Qualifikation mit möglichst vielen Büchern, Aufsätzen und Buchbesprechungen unter Beweis zu stellen.

Die Liste der Publikationen Wilhelm Krelles, seines Zeichens Ordinarius und Direktor der Wirtschaftstheoretischen Abteilung des Instituts für Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften der Universität Bonn, umfaßt nicht weniger als sechzehn engbeschriebene Schreibmaschinenseiten: Ein undvierzig Bücher und Beiträge zu Büchern, einundachtzig Zeitschriftenartikel und vierunddreißig Buchbesprechungen (Stand Ende 1968).

Angeführt wird diese Liste von einer „Theorie wirtschaftlicher Verhaltensweisen“, mit der sich Krelle im Jahre. 1951 bei Erich Preiser in Heidelberg habilitierte. Ist Krelle darum ein Preiser-Schüler?

Wilhelm Krelle bestreitet nicht, „eine Menge von Preiser aufgenommen“ zu haben. Insbesondere dürfte die religiös schattierte Variante des freiheitlichen Sozialismus, die Preiser – als ein Nachfahre der bürgerlich-marxistischen Oppenheimer Schule – weiterentwickelt hat, auf Krelle abgefärbt haben. Auf alle Fälle steht er Preiser sehr viel näher, als seinem „eigentlichen“ Lehrer, dem Ordo-Liberalen Walter Eucken, bei dem er in Freiburg studierte und mit einer Arbeit über das Say’sche Theorem in der Nationalökonomie promovierte.

Gelehrter alter Schule

Zwar spricht Krelle von Eucken, dem er viel zu verdanken hat, mit höchstem Respekt; aber es gab zwischen dem Lehrer und seinem Schüler von Anfang an wissenschaftliche „Differenzpunkte“, die auch heute noch Krelles Distanz zu strenggläubigen Anhängern der ordoliberalen „Freiburger Schule“ bestimmen.