Die Verwaltungsrichter in Köln müssen in diesen Tagen einen wohl einmaligen Fall in ihrer Laufbahn entscheiden. Sie sollen darüber befinden, ob das Bundesverkehrsministerium die Startbahn für das Charterunternehmen Atlantis mit Recht blockiert hat. Die Atlantis hatte eine Startgenehmigung für Charterflüge mit Touristen (IT-charter-flight) nach Nordamerika beantragt.

Tilman J. Uhlig, Geschäftsführer der Atlantis AG, bezeichnet das Veto aus dem Ministerium als einen einmaligen Fall. Er hofft, daß die in der vergangenen Woche in Köln beantragte einstweilige Anordnung von den Richtern schnell entschieden wird. Im Mai will er die ersten deutschen Urlauber über den Atlantik fliegen.

Die „gründlichste Luftfahrtbehörde der Welt“, das amerikanische CAB, zeigte sich weniger zimperlich als das deutsche Verkehrsministerium. Man beriet fast ein Jahr, aber schließlich schickte man der Atlantis doch die Urkunde mit der Genehmigung für die Charterflüge in die USA.

Damit schien für Uhlig die ärgste Klippe umsegelt. Denn im Charterverkehr gilt die einfache Regel, daß Landerechte im Ausland schwer zu bekommen sind. Hat man sie, so war bisher die Ausflugsgenehmigung von der eigenen Regierung eine Selbstverständlichkeit.

Das galt im deutschen Verkehrsministerium noch 1967, als dem Charterunternehmen Südflug von den Amerikanern entsprechende Landerechte eingeräumt wurden. In diesem Jahr und für die Atlantis aber soll es nicht mehr gelten.

Denn, so begründet das Ministerium, die Flüge der Atlantis beeinträchtigen „die öffentlichen Verkehrsinteressen nachhaltig“. Das amerikanische CAB ist genau gegenteiliger Meinung: „Die Charterflüge haben eine stimulierende Wirkung auch für den Linienverkehr.“

Die „öffentlichen Interessen“ lassen sich in diesem Fall nur als die Interessen der Deutschen Lufthansa (zu 75 Prozent in Besitz des Bundes) interpretieren. Man befürchtet offenbar, daß die Atlantis mit ihren geplanten 23 Charterflügen für Pauschaltouristen der Lufthansa auf der Nordatlantikroute Passagiere abspenstig machen wird.