Das bisher angewendete Verfahren zur Urananreicherung, die Gasdiffusion, erfordert eine riesige Anlage (die keinem Satellitenauge entgeht) und Milliarden an finanziellem Aufwand. Die Zentrifuge ist dagegen klein und spottbillig.

Ausgesprochene Gegner der europäischen Zentrifuge sind die Franzosen. De Gaulle sähe es lieber, wenn die EWG-Länder sich auf das Geschick der französischen Atomforscher verließen und die Diffusionsanlage Pierrelatte zu der europäischen Uranfabrik ausbauen würden. Dann aber hätten die Franzosen das Monopol für die Versorgung Europas mit Kernbrennstoff in der Hand.

Nach den bisherigen Berechnungen wird in den Zentrifugen angereichertes Uran zu einem wirtschaftlich vertretbaren Kilopreis von 27 bis 30 Dollar bereits dann produziert, wenn das Werk eine Jahreskapazität von etwa zwei Millionen Kilogramm Brennstoff hat. Die wirtschaftlich arbeitende Diffusionsanlage müßte dagegen sechs bis acht Millionen Kilogramm im Jahr produzieren. Soviel Brennstoff wird in absehbarer Zeit kein europäisches Land allein verbrauchen.

Mit der Zentrifuge wird es daher für jedes Land wirtschaftlich sinnvoll, sich eine eigene Uranfabrik zu bauen. Die nationale Selbstversorgung wird zwar nicht die billigste Lösung sein, aber sie macht jedes Land in einem sehr wichtigen Bereich der Energieversorgung unabhängig.

Doch bisher beherrschte noch niemand die Technik der Zentrifuge, während die Theorie längst Allgemeingut war. Im November 1968 aber zeigte sich plötzlich, daß gleich drei Nationen überzeugt waren, alle Probleme befriedigend gelöst zu haben: Engländer, Deutsche und Holländer. Das Problem war, Werkstoffe zu finden, die eine Rotation der Zentrifuge von 60 000 bis 100 000 Umdrehungen in der Minute erlauben.

Bei dieser Umdrehungsgeschwindigkeit wird das schwere U 238, des in gasförmigem Zustand in die Zentrifuge geblasenen Natururans, an die Außenwand gepreßte Um die Achse bleibt das rare U 235 (zu 0,7 Prozent im Natururan enthalten) zurück Um den Kernbrennstoff (U 235 Gehalt: drei bis fünf Prozent) in nennenswerten Mengen zu gewinnen, muß mal eine Uranfabrik mit 600 000 bis einer Million Zentrifugen bauen.

Bisher ist es noch ungewiß, ob die Zentrifugen, die in den Labors offensichtlich prächtig laufen, auch in der Uranfabrik funktionieren werden. Allein die Schätzungen der Experten über die Lebenszeit einer Zentrifuge klaffen weit auseinander. Sie reichen von vier bis über zehn Jahre.