Von Egon Kaskeline

Wann immer von den Rothschilds die Rede ist, wird Heinrich Heine bemüht: „Das Geld ist der Gott unserer Zeit, und Rothschild ist sein Prophet.“

130 Jahre später ist Baron Guy de Rothschild – Rothschild-Bankier der vierten Generation – nun bemüht, am alten Rothschild-Stamm neues Grün sprießen zu lassen. Von der Rue Lafitte aus, wo die Rothschild-Bank in dem früheren Stadtschloß von Napoleons Polizeiminister Fouche residiert, hat eine Expansion begonnen, die das alte Bankhaus wieder in die erste Reihe der internationalen Finanzgruppen bringen soll.

Jahrzehntelang hatte das französische Haus Rothschild wenig mehr getan, als das Familienvermögen verwaltet. Mit dem Sportsmann und Rennstallbesitzer Guy (Jahrgang 1909) an der Spitze, hat die Nachkriegsgeneration: jedoch neues Leben in das Unternehmen gebracht. In Amerika – wohin er vor Hitlers Gestapo geflüchtet war, bevor er sich später den freien französischen Streitkräften de Gaulles anschloß – hatte Baron Guy neue Management-Methoden kennengelernt, die er nun mit Erfolg anwendet, nach guter Rothschild-Tradition unterstützt von seinen Vettern Alain und Elie.

Die Säulen des Geldtempels in der Rue Lafitte schienen zu wanken, als der neue Rothschild-Chef vor zwei Jahren auf der ersten Pressekonferenz des Hauses sagte: „Unsere Bank soll in die Lage versetzt werden, die Einlagen einer breiten Kundschaft aufzunehmen und ihre Aktionsmöglichkeiten auszudehnen.“

150 Jahre lang – der Presseempfang fand zum 150jährigen Geschäftsjubiläum statt – hieß die Parole der französischen Rothschilds: „Wir sind sehr wählerisch in bezug auf unsere Scheckkunden!“ Man mußte ein großes Prestige haben oder sehr gut empfohlen sein, um bei den Rothschilds ein Konto eröffnen zu können.

So hatte es schon James de Rothschild gehalten, der Gründer des Pariser Bankhauses, den seine Zeitgenossen mit einer Mischung von Anerkennung und Spott nur „König Rothschild I.“ nannten und aus dessen Haus Rothschild-Kunde Heinrich Heine die Anekdote berichtet, daß ein Börsenspekulant den Hut gezogen habe, als ein Diener das Nachtgeschirr des Barons vorbeitrug.