Deutsche Whiskytrinker sollen vor minderwertigem Gebräu geschützt werden – allerdings nur, wenn sie "Scotch", also schottischen Whisky trinken. Der Bundesgerichtshof sorgte in der vergangenen Woche für den Schutz des schottischen Kornbrandes.

Als "Scotch Whisky" darf in Deutschland nur noch verkauft werden, was "in allen seinen Eigenschaften dem Scotch Whisky entspricht, wie er in Großbritannien erhältlich ist". Das heißt, er muß nach einem bestimmten Verfahren destilliert und mindestens drei Jahre in alten Fässern gereift sein. Damit hat der Bundesgerichtshof die englischen Vorschriften auch für Deutschland anerkannt.

Freilich, ohne den Zusatz "Scotch", wird in Deutschland als Whisky alles verkauft was bräunlich ist und eine bestimmte Alkoholkonzentration aufweist. Diese Whiskys sind eigentlich Verschnitte aus neutralem Kornbranntwein und ein wenig importierten schottischem Malt-Whisky. Doch die Bezeichnung Whisky-Verschnitt gibt es auf dem deutschen Spirituosenmarkt nicht.

Das Scotchurteil des Bundesgerichtshofs läßt jetzt die Amerikaner hoffen, Amerikanischen Schnapsbrennern ergeht es heute noch, wie vordem ihren schottischen Kollegen. Die Bezeichnung Bourbon-Whisky (hauptsächlich aus Mais gebrannt) ist in Amerika geschützt und darf nur für nach bestimmten Rezepten hergestellten Kornbrand verwendet werden. In Deutschland steht es jedem Brenner frei, sein bräunliches Gebräu einfach als Whisky oder mit dem Zusatz "Bourbon" zu verkaufen.

Die falschen Bourbons profitieren dabei von den Werbemillionen, die amerikanische Firmen in den letzten Jahren in Deutschland ausgaben. Sie haben damit Bourbon in Deutschland so populär gemacht, daß von den rund sieben Millionen Litern Import-Whiskys fast schon eine Million Liter aus Nordamerika kommt.

Indessen wollen die Amerikaner jetzt ihrerseits dem "Storch Whisky" ans Leder. Im Vergleich zum dunklen, stark aromatischen Bourbon, der in neuen Eichenfässern vier Jahre lagern muß, ist der in gebrauchten Fässern gelagerte Scotch ein leichter (blonder) Whisky. Im Alkoholgehalt ist allerdings kein Unterschied – nur Aroma und Farbe sind verschieden.

Das amerikanische Schnapsgesetz wurde geändert, so daß nun auch die amerikanischen Brenner ihren Whisky in gebrauchten Fässern reifen lassen.

Wenn sie 1972 die ersten Flaschen abfüllen, dann wird es den ersten leichten Whisky aus Amerika geben. Einige Hersteller haben schon angekündigt, daß sie nicht nur einen leichteren Bourbon, sondern auch einen typischen Scotch anbieten werden. rod.