Der Oberkommandierende der pakistanischen Armee, General Yahya Khan, der seit dem Rücktritt Präsident Ayub Khans und der Proklamierung des Kriegsrechts in Pakistan unumschränkt regiert, hat sich am Montagabend selbst zum. Präsidenten ernannt. In einer Regierungserklärung hieß es, Yahya Khan übe das Amt des Regierungschefs aus, bis eine neue Verfassung von gewählten Vertretern des Volkes ausgearbeitet sei. Er habe aber auch die Präsidentschaft übernommen, um verschiedene wichtige Erfordernisse erfüllen zu können.

In Rawalpindi sickerte durch, Yahya Khan habe erst nach zweitägigen Konsultationen mit Verfassungsexperten beschlossen, sich auf den Präsidentensessel zu schwingen, um damit diplomatischen Schwierigkeiten aus dem Wege zu gehen. Denn Yahyas Selbsternennung wird es ausländischen Regierungen ermöglichen, Pakistan weiterhin anzuerkennen, ohne daß die Botschafter neue Beglaubigungsschreiben überreichen müssen.

In einer getrennten Erklärung betonte der Präsident, praktisch habe er schon in der Nacht vom 25. März, als er das Kriegsrecht proklamierte, das neue Amt übernommen. Vor einer Woche hat der General bereits versichert, er werde nur so lange mit dem Militär regieren, bis freie Wahlen möglich seien.

In Pakistan haben sich die Verhältnisse inzwischen weitgehend normalisiert. Zum erstenmal seit fünf Monaten waren Schulen und Universitäten wieder geöffnet. Seit dem Umsturz sind in Ostpakistan nach amtlichen Angaben 31 Personen festgenommen worden; die Oppositionsführer Ali Bhutto und Scheich Mujab Rahman sollen sich noch auf freiem Fuß befinden. Auf Geheiß der Militärregierung lieferte die Bevölkerung ihre Waffen ab – auf den Polizeirevieren wurden bis zum Wochenbeginn 19 000 gezählt.