Österliche Gedanken zur Euthanasie-Debatte der Lords

Von Walter Dirks

Das britische Oberhaus verschaffte sich einen großen Tag, als es scharfsinnig und nicht ohne dramatische Töne in der Woche vor Palmsonntag eine Gesetzesvorlage diskutierte, die es den Ärzten erlauben sollte, unheilbar Kranke und leidende Alte zu töten. Auf Verlangen, natürlich und mit einigen anderen Kautelen gegen den Mißbrauch, nach einer Frist von dreißig Tagen, die dem Kranken die Gelegenheit geben sollte, seinen Entschluß zu überprüfen. Für das Gesetz, das mit 61 Stimmen abgelehnt wurde, waren immerhin 40 Stimmen.

Kein österliches Thema, das ist zuzugeben. Zwar spricht die Kirche paradox oder dialektisch von der "felix culpa", der Schuld Adams, die glücklich zu nennen sei, weil sie einen "solchen Erlöser" provoziert hat; aber sie wagt nicht einmal, dessen heilbringenden Tod als "Euthanaton" zu bezeichnen. Es war ein menschlicher, ein gewöhnlicher, ein schlimmer Tod, und hart vor dem letzten Wort "Es ist vollbracht" zitierte der sterbende Sohn Gottes die alte Klage: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Die Bürger und die Ärzte, die den Tod abkürzen wollen, wissen, wie schwer er ist. Wenn sie die Gnadentötung vorsehen – nicht natürlich den "Gnadenschuß", den sie für "unsere vierbeinigen Lieblinge" reservieren –, so meinen sie es gut mit uns. Die Problematik, die ihren. Plan veranlaßt hat, ist kompliziert. An vielen Krankenbetten hatten Ärzte ihre Gewissenskonflikte, und genau besehen bewegen wir uns schon lange an der Grenze einer Praxis, die den Tod des Leidenden vorsieht. Wer sich spontan zu den 61 schlägt, darf es sich nicht zu leicht machen.

Schon der Name läßt uns schaudern: Euthanasie – das griechische "eu" ist suggestiv. Schön und gut, wohlgeraten soll der Tod sein, den sie für uns vorsehen. Sonderbar, daß sie nach Hadamar – ein Vierteljahrhundert nach Hadamar – dieses trügerische "eu" noch beibehalten. Die Propaganda für die Tötung "lebensunwerten Lebens", die sich Goebbels damals ausgedacht hatte, gipfelte in dem Film "Ich klage an" und also im Arrangement des Todes, in seiner Inszenierung begleitet von der Lieblingsmusik der sterbenden jungen Frau; der tötende Ehemann gab durch diese Klänge ihrem Tod und seinem Abschied Weihe und Schönheit. Den Leuten, die auf Goebbels hereinfielen, kamen die Tränen, aber auch den anderen war es zum Heulen.

Das Geheimnis des Sterbens