Die Revolution in Pakistan ist zu Ende. Das Establishment hat auf der ganzen Linie gesiegt. Fünf Tage nachdem General Yahya Khan das Kriegsrecht verhängt hatte, ernannte er sich selbst zum Präsidenten und Nachfolger Ayub Khans. Die herrschende Gruppe von Offizieren, Feudalen und Großbürgern hat sich behauptet.

Zum Greifen nahe lagen die Ziele, für die Studenten, Intellektuelle und Arbeiter in den letzten fünf Monaten gekämpft hatten: die parlamentarische Demokratie mit allgemeinen freien Wahlen und die Autonomie Ostpakistans und der verschiedenen Stämme Westpakistans. Das korrupte und sozial ungerechte Regime des Ex-Feldmarschalls Ayub Khan, unter dem bei prosperierender Wirtschaft die Reichen noch reicher und die Armen noch ärmer geworden waren, hatte abgewirtschaftet und gab eine Position nach der anderen preis.

Aber wie vor einem Jahr in Frankreich, als eine Revolution von Studenten und Arbeitern das Regime eines Ex-Generals ebenfalls nach zehn Jahren zu erschüttern drohte, konnten sich die oppositionellen Gruppen nicht auf eine gemeinsame Linie einigen. Keiner ihrer Wortführer, weder der sich links gebärdende Ex-Außenminister Bhutto, noch der Luftmarschall Asghar Khan, weder der ostbengalische Autonomistenführer, Scheich Mujibur Rahman, noch der greise Maoist Bhaschani vermochten der Revolution die Richtung zu weisen.

In einigen Teilen des Landes brach die Ordnung zusammen; Gegner Ayubs griffen zur Volksjustiz und rechneten mit den Regierungsfunktionären auf grausame Weise ab; unterbezahlte und hungernde Arbeiter erpreßten von den Arbeitgebern gewaltige Lohnerhöhungen. Besonnene Führer der Opposition hofften zwar noch, das Heft in die Hand zu bekommen – doch da riß das Militär, der einzige stabile Machtfaktor in diesem so unglücklich zerrissenen Muslim-Staat auf dem indischen Subkontinent, abermals die Zügel an sich.

Man kennt das von so vielen Putschen in Asien, Afrika, Lateinamerika und neuerdings auch in Europa: Die Armee greift immer dann ein, wenn die Nation am "Rande des Abgrunds" angelangt ist. Sie will Ruhe schaffen und die dazugehörende Ordnung garantieren, selbstverständlich nur solange, bis wieder "normale" Verhältnisse herrschen. Das also "beruhigte Volk" wird mit der Aussicht auf freie Wahlen am St. Nimmerleinstag vertröstet. Aber hinter derlei Antrittsreden verbirgt sich doch stets nur die Militärdiktatur.

Zwar sieht es äußerlich in Pakistan wieder ruhig und ordentlich aus: zum erstenmal seit dem Herbst sind die Schulen wieder geöffnet, in den Fabriken und Plantagen wird wieder gearbeitet, und die Studenten demonstrieren nicht mehr. Kein Widerstand regt sich, auch nicht in Ostpakistan. Die Androhung drakonischer Strafen – von der Auspeitschung bis zur Strangulierung – hat ihre Wirkung nicht verfehlt.

Will man den Militärs glauben, so befand sich Ostpakistan auf dem Weg zu Anarchie und Sezession. In Wirklichkeit war der neue zivile Gouverneur schon mit Erfolg darangegangen, den raub- und blutrünstigen Mob von den Straßen zu verdrängen – und die revolutionären Studenten halfen ihm dabei. Von den Gewalttätigkeiten in Ostpakistan wurden tatsächlich nur drei von siebzehn Distrikten betroffen; bei vielen der blutigen Raufereien ging es mehr um Viehdiebstahl und Familienzwistigkeiten als um Politik.