Ein nicht frei erfundenes Streitgespräch um die Position der Neuen Linken

Von Reimar Lenz

Die folgenden Gespräche haben niemals stattgefunden. Es sind erdachte Dialoge, in denen zwei geistige Positionen herausgearbeitet werden sollen. Gespräche jedoch, die diesen Auseinandersetzungen ähnlich waren, hat der Autor dieses Dialogs, Reimar Lenz, während der letzten Monate in zahllosen Variationen geführt. Er interviewte junge Neo-Marxisten sowie progressive Katholiken und Protestan- . ten und traf bei ihnen allen eine Reihe von Grundüberzeugungen an, die er selber in Zweifel zieht. So stehen sich im folgenden stets zwei Partner gegenüber: der eine (A) richtet alle Gedanken auf die Veränderung der Gesellschaft; der andere (B) bleibt diesem Neuerungsglauben gegenüber skeptisch und redet einer Pluralität von Werten und Perspektiven das Wort. Alle Gespräche drehen sich darum, wie die Linke die Begriffe Gesellschaft, Geschichte, Realität, Ratio, Ideologiekritik, Entfremdung auffaßt. Von Reimar Lenz erscheint in diesem Frühjahr im Jugenddienst-Verlag, Wuppertal, eine Schrift zum gleichen Thema und unter dem gleichen Titel ("Der neue Glaube – Bemerkungen zur Gesellschaftstheologie der jungen Linken und zur geistigen Situation"‚ 70 S., 3,80 DM).

1. Standpunkt

A: Was ist dein politischer Standpunkt?

B: Muß ich irgendwo stehen? Ich denke lieber im Liegen.

A: Keine Ausflüchte. Was ist dein Standpunkt?